Kinderkrankheiten

Achtung: ansteckend!

Sie heißen so, weil sie meistens die Kinder bekommen. Kinderkrankheiten sind dennoch keine Banalitäten. Hinter Röteln, Masern und Mumps stecken ernstzunehmende Krankheiten, nicht nur für die Kleinen.

Auslöser der Infektionen sind Viren oder Bakterien, die durch direkten Kontakt oder Tröpfcheninfektion, wie zum Beispiel Niesen oder Husten übertragen werden können. Kinder in den ersten Lebensjahren werden häufig angesteckt. Eine überstandene Erkrankung gewährt in vielen Fällen, wie zum Beispiel bei Masern, eine lebenslange Immunität.

Kinder erkranken im Kindergartenalter bis zu achtmal im Jahr, später noch bis zu viermal. Das erscheint viel, doch bei Kindern ist die hohe Erkrankungsrate völlig normal. Im Gegensatz zu Erwachsenen, die häufig schon eine Immunität gegen die Keime aufgebaut haben, müssen Kinder diesen Schutz durch das Durchlaufen der Krankheit oder Schutzimpfungen erst noch erhalten.


Sind Kinderkrankheiten wirklich harmlos?

Einige der Kinderkrankheiten, wie Mumps oder Kinderlähmung, gelten noch immer als Kinderkrankheiten, die man eben einmal durchleben muss. Doch sie können bei Kindern zu bleibenden Gesundheitsschäden führen, in einzelnen Fällen sogar zum Tod. Die hoch ansteckenden Masern können Folgeschäden an verschiedenen Organen hinterlassen. Selten treten lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungenentzündung oder Gehirnentzündung auf. Behinderungen können bleiben.

Keuchhusten ist vor allem für Säuglinge im ersten Lebenshalbjahr kritisch, weil er zu lebensbedrohlichen Atemstillständen führen kann. Es gibt durchaus auch Kinderkrankheiten, die für Erwachsene bedrohlich sein können. Mumps zum Beispiel kann zu einer Gehirnhautentzündung oder zu Unfruchtbarkeit bei Jungen führen.

Röteln hingegen sind für Schwangere riskant, weil die Infizierung der Mutter schwerwiegende Folgen für den Embryo haben kann. Eine Rötelerkrankung kann eine Fehlgeburt auslösen. Auch Missbildungen an Augen, Ohren und Herz, Wachstumsstörungen oder geistige Behinderungen des Babys können ernste Folgeerscheinungen sein.

Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist die Infizierung mit dem Rötelvirus am ungünstigsten, weil sich in dieser Zeit die wichtigen Nervenstrukturen des Babys entwickeln.


Schutz durch Impfungen


Der Schutz vor Kinderkrankheiten durch Impfung ist unter Eltern ein kontrovers diskutiertes Thema. Die ständige Impfkommission (STIKO) sieht die Impfungen als wirksamen und wichtigen Schutz gegen die komplexen Kinderkrankheiten. Ziel ist es, auf nationaler und internationaler Ebene Krankheitserreger auszurotten.

Viele der Kinderkrankheiten sind heute relativ selten geworden, weil man flächendeckend Schutzimpfungen durchführt und viele Eltern die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.

Erwachsene sollten sich bereits vor der Geburt eines Kindes über das Impfen Gedanken machen, denn auch dieser Impfschutz ist entscheidend, wie das Beispiel Röteln zeigt: Vor der Schwangerschaft kann geimpft werden, während der Schwangerschaft ist es nicht mehr ratsam. Informieren Sie sich über Chancen und Risiken der Impfungen. Letztlich ist es Ihre Entscheidung, für Sie und Ihr Kind.


Niemand ist eine Insel

Die Zeiträume, in denen die Ansteckungsgefahr vorhanden ist (Inkubationszeit), können sehr unterschiedlich sein. Meist besteht jedoch bereits Tage vor dem Ausbruch der Krankheit Ansteckungsgefahr. So kann ein bereits infiziertes Kind, dass noch keine Krankheitssymptome zeigt, andere Kinder anstecken. Impfschutz kann auch hier lebenswichtig sein.

An einer Kinderkrankheit erkrankte Kinder sollten die Schule und den Kindergarten meiden, da sie sonst andere Kinder anstecken können, die keinen Impfschutz oder noch keine Immunität haben. Einige der Krankheiten, wie Masern, Mumps, Scharlach und Röteln sind nach dem bestehenden Infektionsgesetz meldepflichtig. Die Ärzte sind verpflichtet, ihr Auftreten zu melden.

Zeigt Ihr Kind Symptome und Sie hegen den Verdacht auf eine der Kinderkrankheiten, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Nach der feststehenden Diagnose sollten die Schule, der Kindergarten und vielleicht auch Freunde benachrichtigt werden.

Ist Ihr Kind medizinisch versorgt, braucht es vor allem Ruhe. Die Geborgenheit und Zuwendung der Eltern oder anderer vertrauter Personen lässt vieles leichter ertragen. Kinder leiden darunter, dass sie auch nach dem Abklingen der Symptome noch einige Zeit zu Hause bleiben müssen. Nutzen Sie doch die gemeinsame Zeit, um in Ruhe vorzulesen, kleine Spiele zu spielen oder zu malen.

Milena Geiger / Saskia Krumbholz

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