Selbstständig werden

„Mama, ich kann das alleine!“

Den Reißverschluss selbst zu machen oder die widerspenstige Strumpfhose überlisten – das sind für Kleinkinder schon reizvolle Aufgaben. Aber ab wann sollen Kinder selbstständig werden und eigenständig handeln? Grundsätzlich ist es ganz normal, dass Kinder zwischen eineinhalb und vier Jahren in rasanter Geschwindigkeit selbstständiger werden und auch wollen. Oft ist es aber aufgrund ihres Alters oder ihres Entwicklungsstandes noch nicht in so einem Rahmen möglich, wie sie es gerne möchten. Meist sind sie sehr neugierig und wissensdurstig, haben aber nur eine geringe Aufmerksamkeitsspanne. Unbändiger Wille und Realität treffen hier oftmals knallhart aufeinander. Für Eltern ist es immer schwierig zu entscheiden, welches kindliche Verhalten angebracht ist und welches nicht. 

Wann immer es möglich ist, ist es gut einen Kompromiss zu finden, beispielsweise etwas früher aufstehen, damit das Kind genügend Zeit hat sich beim Anziehen selbst auszuprobieren und Stressphasen vermieden werden können. Eltern sollten dem Kind dann immer altersentsprechend assistieren. 

Gefühle des Kindes auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind durchaus gemischt. Denn es bedeutet auch sich von den Eltern zu lösen und sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen. Zuspruch und regelmäßige Erfolgserlebnisse sind nötig und mit der Persönlichkeitsentwicklung unabdingbar verknüpft. Sätze wie „Das schaffst du schon“ können hier helfen. Eltern die sich mit dem Kind über die Erfolge freuen, motivieren das Kind zusätzlich. Sollte etwas nicht auf Anhieb klappen, kann hier auch die Ermutigung es noch einmal zu versuchen helfen. 

Kinder brauchen klare Signale 

Aber Selbstständigkeit hat aber auch Grenzen: Situationen beim Arzt, das Abholen vom Kindergarten sollten natürlich zum Großteil von den Eltern übernommen werden – Wutanfall hin oder her. Erklären Sie kurz dass sie jetzt helfen, damit es schneller geht und das Kind bei der nächsten Gelegenheit wieder alleine tätig werden kann. Prinzipiell wollen Kinder von ihren Eltern geführt werden und brauchen klare Anweisungen. Oft sind Kinder aufgrund ihres Entwicklungsstandes noch nicht in der Lage Zeitabläufe und ihr eigenes Tun richtig einzuschätzen. Auch nicht wenn man es ihnen ausführlich erklärt. Lässt man dem Kind ohne Begrenzung freien Lauf, wird es sich schnell überfordert fühlen. Es kommt nicht selten zu einem Gefühl von Unvermögen und Frust. Dass das Kind glücklicher ist, wenn man es in möglichst vielen Situationen selbstbestimmt entscheiden und handeln lässt ist grundsätzlich eine falsche Vorstellung der Eltern. Es stimmt nur für die jeweilige Situation. Nicht selten überfordern Eltern heute ihre Kinder  mit ihrem eigenen Wunsch nach bedingungsloser Selbstbestimmung ihres Nachwuchses.

Wenn das Kind Hilfe braucht, ist es gut, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und es nicht grenzenlos agieren zu lassen.  Ist beispielsweise der Ball unter das Sofa gerollt, könnte man einfach einen Stock reichen und dem Kind zeigen wie man damit den Ball wieder hervorholen kann. Das Erfolgserlebnis wird nicht lange auf sich warten lassen. Grundsätzlich niemals falsch ist auf jeden Fall eine liebevolle Unterstützung und Anleitung zum selbstständig werden. In der Praxis kann das bedeuten: Die Mutter holt das zweijährige Kind vom Kindergarten ab, zieht es an aber das Schließen des Reißverschlusses übernimmt das Kind selbst. 

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