Trauma Seitensprung

Unter welchen Folgen die Betrogenen leiden

„Schatz, ich habe eine Affäre.“ Ein Geständnis, das den Betrogenen den Boden unter den Füßen weg reißt. Der Seitensprung zählt zu „den schlimmsten Ereignissen, die eine Partnerschaft treffen können“, so Psychologe Ragnar Beer.

Er und seine Kollegen haben in einer Studie des Projekts Theratalk der Georg-August-Universität in Göttingen untersucht, unter welchen negativen Folgen Betrogene nach einem Seitensprung leiden. Im Rahmen der Studie wurden 3.334 betrogene Männer und Frauen befragt.


Betrogen und
traumatisiert

Ob der Seitensprung nur ein One-Night-Stand oder eine länger andauernde Affäre war, ist dabei für das Befinden des Opfers nicht ausschlaggebend. Die Folgen eines Betrugs bleiben die gleichen. Das Vertrauen in den Partner ist in jedem Fall zerüttet. Die Person, die man einst glaubte genau zu kennen, ist plötzlich eine andere, ein Fremder.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Opfer eines Seitensprungs zum Teil regelrecht traumatisiert sind. Sie leiden unter Langzeitfolgen, die sowohl körperlicher als auch seelischer Natur sind. Diese so genannten posttraumatischen Belastungsstörungen sind eine Reaktion des Organismus auf ein oder mehrere existentiell bedrohliche Ereignisse wie Misshandlung, Vergewaltigung, Kriegserlebnisse oder eben auch Seitensprünge.


Misstrauen und Depressionen

Die Befragungen der Göttinger Psychologen haben ergeben, dass über 80 Prozent der Opfer eines Seitensprungs ihrem Partner gegenüber besonders misstrauisch und wachsam sind. Die Hälfte der Betrogenen sucht in E-Mails, Handy und der Post des Partners nach Indizien, die auf einen weiteren Seitensprung hinweisen könnten. Mehr als 70 Prozent wollen immer genau wissen, wo sich der Partner gerade befindet.

Als weitere Folge treten bei den Betrogenen häufig Depressionen auf. Die Opfer empfinden Trauer und Demütigung. Sie sind lustlos, fühlen sich ohnmächtig und wissen oft nicht, wie ihr Leben weiter gehen soll. Hinzu kommen auch Konzentrationsschwierigkeiten, Alpträume und Schlafstörungen.


Wut und Verwirrung

Während die Befragten eine generelle Gefühlsarmut beklagen, gibt es ein Gefühl, das besonders stark empfunden wird: die Wut. Bei Männern konzentriert sich die Wut in erster Linie auf den anderen Mann. Erst an zweiter Stelle kommt die Partnerin.

Bei den Frauen geben 70 Prozent an, dass sie auf die Geliebte wütend sind, 68 Prozent sind jedoch auch auf den Partner wütend. Viele Opfer geben zudem an, reizbarer als sonst zu sein.

Ein Seitensprung löst weiterhin Verunsicherung und Verwirrung bei den Betrogenen aus. Sie wissen die Untreue nicht einzuordnen. Die ganze Beziehung wird in Frage gestellt. Die Gefühle zum Partner schwanken. Und über all dem schwebt die wahrscheinlich belastendste Frage: Wie konnte mein Partner mich so hintergehen?


Wiedererleben und Vermeiden

Gedanken und Bilder an den fremdgehenden Partner mit dem Nebenbuhler bzw. der Nebenbuhlerin quälen die Betrogenen noch Jahre später. Viele meiden Orte und Personen, die sie mit dem Seitensprung in Verbindung bringen.


Vergeben und vergessen?

Eine Umfrage des Forschungsinstituts Gewis ergab, dass nur 3 Prozent der 1.061 befragten Männer und Frauen ihren Partner verlassen würden, wenn dieser fremdginge. 69 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen, wollen mit einer Aussprache versuchen die Beziehung zu retten. Ein Blick in Internet-Foren, in denen sich Betrogenen austauschen, zeigt, dass es leichter gesagt, als getan ist, dem Fremdgänger zu verzeihen.

Die Opfer eines Seitensprungs berichten, dass sie sich innerlich leer und wie tot fühlen. Viele wollen ihrem Partner verzeihen, können jedoch nicht. Immer wieder stellen sie sich den Partner mit der anderen Frau bzw. dem anderen Mann vor. Das Vertrauen ist zerstört und muss wieder neu aufgebaut werden.

Nicht wenige begeben sich, nachdem sie vom Seitensprung ihres Partners erfahren haben, in therapeutische Behandlung. Entweder sind es Einzeltherapien oder gemeinsame Paartherapien mit dem untreuen Partner.

Viele wünschen sich, alles könnte so sein wie früher, vor der Untreue. Doch genau das geht nicht. Es ist ein tiefer Riss entstanden. Manchmal lässt er sich kitten, manchmal jedoch entwickelt er sich zu einer unüberwindbaren Kluft.


Trennung oder Neubeginn?

Jedes Paar muss für sich überlegen, ob es sich trennt oder ob sich ein Neuanfang lohnt. Die Beziehung nach einem Seitensprung, wird nicht mehr die gleiche sein wie vor dem Seitensprung. Der Weg zur „Normalität“ in der Partnerschaft kann sehr lang werden. Es wird viele Tränen, viele Vorwürfe, Momente der Verzweiflung und Momente der Wut geben.

Betroffene schildern, dass es sowohl positive als auch negative Veränderungen in der post-Seitensprung-Beziehung gibt. Positiv fällt auf, dass die Betroffen von mehr Nähe in der Partnerschaft berichten. Es wird mehr miteinander geredet, weniger wird als selbstverständlich angesehen. Die Partner gewinnen mehr Eigenständigkeit.

Trotzdem liegt ein Schatten über der Beziehung. Die Liebe ist nicht mehr unberührt, die Unbeschwertheit verflogen. Für den Partner die Hand ins Feuer legen, würden nur noch die wenigsten. Es werden häufig keine weit in die Zukunft greifenden Pläne mehr geschmiedet. Man lässt mehr auf sich zu kommen.

Kann die Zeit wirklich alle Wunden heilen? Ja, sie kann, aber nicht selten bleiben hässliche Narben zurück, die an das Vergangene erinnern. Sie rufen Bilder hervor, die sich immer wieder vor das geistige Auge drängen und erneut Schmerz, Unverständnis, Trauer und Wut aufkommen lassen.

Auch wenn die Zahl der Fremdgeher kontinuierlich steigt, eine Lapalie ist ein Seitensprung noch lange nicht. Vor allem nicht für die Opfer, die meist über mehrere Monate unter den Folgen leiden müssen. Verzeihen kann man einen Seitensprung, ihn vergessen jedoch nicht.

Krystel Klinkert



Kommentare

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Ari

am 25. 2012-01-25 2012 um 15:41 Uhr

Es ist so demütigend. Ich bin 26 Jahre alt und seit 10 Jahren in einer Beziehung. Und wurde Wochen lang hintergangen. Ich habe es die ganze zeit gefühlt und er hat es abgestritten. Doch dann habe ich sie beim Chaten erwischt und konnte alles lesen mit meinen eigenen Augen. Es tut einfach unendlich weh von dem Menschen denn man so sehr liebt so hintergangen zu werden. Wir haben jetzt neu von vorne angefangen. Aber ich macht es krank manchmal denke ich das mein Herz jeden Moment aus meiner Brust springt. Ich weis nicht ob ich die kraft habe. Und ob ich jemals wieder lachen kann. Es ist schlimmer als die Hölle viel schlimmer


evi77

am 12. 2012-01-12 2012 um 22:09 Uhr

ach du arme
ich kann das soooo gut nachfühlen ,denn genauso ist es mir mit meinem mann ergangen ,schlimm und unmenschlich wie kalt diese partner ihren bedürfnissen nachgehen,mein mann hat alles verspielt seine ehe ,sein stolz und das schlimmste vertrauen welches er von mir nie wieder bekommen wird
traurig ...ich werde jetzt auch ein test machen weil ich nicht weiß mit wievielen frauen od männern er s gemacht hat schrecklich
drück mir die daumen !hab so angst ;-( ungerecht da ich die treue ,ehrliche seele bin alles liebe für alle schlecht behandelten frauen od männern
tzr


Anja

am 22. 2011-12-22 2011 um 19:42 Uhr

Ich hätte mir nie träumen lassen, nach 42 Ehejahren einmal zu diesem Thema in einem Forum zu schreiben.
Ich wurde auch von meinem Mann betrogen. Ich habe es durch Zufall entdeckt und ihn zur Rede gestellt. Jedoch hat er nur einen Teil zugegeben und wie es sích hinterher rausstellte mich nur angelogen. Die Wahrheiten wie es wirklich war habe ich scheibchenweise dann selbst rausgefunden.
Mein Mann hatte sehr viel lange Weile da ich mit meinen 64 Jahren noch ganztags berufstätig bin. Wenn ich von der Arbeit kam war mein Mann immer zu Hause, jedoch morgens hatte er immer Freizeit und hat sich mit einer 36-Jährigen in ihrer Wohnung getroffen. Er hat einen zweiten Haushalt geführt. Er hat ihr alles bezaht, die Lebensmittel, Fernseher usw.usw. (sie ist Hartz 4-Empfängerin) und sie war zur Zeit des Kennenlernens drogenabhängig und hat gerade einen Entzug gemacht.
Er hat sich in Sexkinos vergnügt. Hat sich mit ihr in einem Sexforum angemeldet und war auch mit ihr in einem Swingerclub. Mir hat er erzählt, daß er wieder mit seinen früheren Arbeitskollegen zum Bowling geht.
Ich hatte meinem Mann vollkommen vertraut, die finanzielle Kontrolle über unsere Konten hat er ganz übernommen. Als ich wach geworden bin und die
ganzen Abbuchungen gesehen habe, bin ich fast in Ohnmacht gefallen.
Er hat ihr sogar ein Handy gekauft und die ständige Aufladung des Handys ging auch von unserem Konto ab.
Ich könnte noch Romane schreiben.
Wir gehen mittlerweile zu einer Eheberatung, da wir uns entschieden haben zusammenzubleiben. Mein Mann hat es mittlerweile bitter bereut was er mir angetan hat. Ich glaube es ihm auch. Wir waren im Kindergarten bei einem Opa und Oma-Tag. Dort haben die Kinden ein Spiel vorgetragen und es wurde zum
Abschied ein Weihnachtslied gesungen. Mein Mann weinte und sagte, daß ihm klar geworden ist, daß er durch sein Verhältis bald alles verloren hätte.
Ich hab immer wieder Momente wo ich einfach nur hemmungslos weinen muss.
Ich stelle mir Dinge vor, die sich vielleicht gar nicht zugetragen haben aber ich
traue meinem Mann das zu.
Übermorgen ist Heiligabend und wir sind mit unserer Tochter, Schwiegersohn und drei Enkelkindern zusammen. Ich darf nicht darüber nachdenken wie es mir geht, da es doch ein Fest der Liebe ist und diese ist bei uns in Schieflage geraten.
Ich hoffe ich werde es überstehen.


Rike

am 31. 2011-08-31 2011 um 19:43 Uhr

Inzwischen bin ich seit 26 Jahren verheiratet und werde vermutlich seit Beginn meiner Ehe betrogen. Ich habe es immer äußerlich abgetan als ein Erfordernis, da Männer nach meiner Auffassung ohnehin zur Untreue neigen, mein Mann halt ganz besonders. Nach fast 20 Jahren als Betrogene habe ich dann auch einmal zugeschlagen mit einer Internet-Bekanntschaft und habe festgestellt, wie gut es mir tat, dass es Männer gab, die sich für mich interessierten. Es war aber eine rein sexuelle Geschichte und nach einiger Zeit verlief sie im Sand. Mir war es zu anstregend, mit diesem Betrug zu leben. Mein Mann scheint diese Probleme nicht zu haben. Ich habe es ihm trotzdem erzählt, weil ich der Meinung war, dass ich ehrlich ihm gegenüber sein müsste. Er hat mir fürchterliche Szenen gemacht und kurz darauf stellte sich heraus, dass er mich seit Jahren mit einer Arbeitskollegin betrog. Damit nicht gut genug, während der das Doppelleben führte, betrog er uns dann gleich noch beide mit einer Praktikantin - tja, nicht nur Bill Clinton ist so blöd. Inzwischen beteuert er seit Jahren, dass sich nichts mehr abspielt, aber ich glaube ihm nicht. Habe auch wieder mal eine sms gefunden, die an Schatzi gerichtet war. Wenn ich ihn darauf anspreche, reagiert er direkt aggressiv, was mir das Ganze noch verdächtiger macht. Aber ich möchte mein Leben nicht komplett umkrempeln. Haus, Hunde, Tochter, all das und die gesamten familiären Bindungen möchte ich nicht zerstören. Andererseits habe ich überhaupt keine Lust mehr auf ihn und ertrage ihn phasenweise nur noch mit Mühe. Sexuell läuft zwischen uns gar nichts mehr, weil ich mich vor ihm ekle. In letzter Zeit keimt aber auch gleichzeitig mehr und mehr der Wunsch, mich von ihm zu trennen. Nun weiß ich erstmal gar nicht mehr, was ich machen soll. Wir haben uns in den langen Jahren unserer Ehe sehr viel aufgebaut, aber unsere Beziehung ist trotzdem völlig ruiniert, obwohl wir uns in Alltagsdingen gut verstehen und vielfach derselben Meinung sind. Mirt ist es inzwischen eigentlich auch egal, was er so treibt. Er soll mich nur nicht damit belasten. Trotzdem geht es mir nicht aus dem Kopf und ich fühle mich von ihm ständig hintergangen. Bei all dem und einigen beruflichen Belastungen in den letzten Jahren bin ich inzwischen auch ziemlich depressiv und kann dem Leben nicht mehr viel Freude abgewinnen. Für einen Neuanfang fehlt mir die Kraft. Und wenn ich das gerade alles selbst so beschreibe fühle ich mich wie in einer Sackgasse.

Rike


Sonja

am 14. 2011-02-14 2011 um 13:36 Uhr

Als Betrogene kann ich leider nur bestätigen....es ist die Hölle!!!


 

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