Scheidung mit Kindern

Was gilt es bei einer Scheidung mit Kindern rechtlich zu beachten?

Neben allen innerfamiliären Herausforderungen sind rechtliche Fragen bei einer Scheidung mit Kindern von besonderer Bedeutung. Sind Kinder betroffen, zählen hierzu insbesondere das Sorge- und Umgangsrecht sowie der Unterhalt für die Kinder.

Menschen verlieben sich, gestalten ihr Zukunft zusammen, heiraten und bekommen Kinder. Die Ehe als Anker in einer von Digitalisierung und Globalisierung geprägten Welt hat Bestand. Diese Wunschvorstellung kann jedoch an den Hürden des gemeinsamen Lebens zerbrechen. Laut statistischen Bundesamt ließen sich demnach 2015 allein 163 355 Paare scheiden. Viele Menschen, die sich zur Scheidung entschlossen haben, wissen jedoch oftmals nicht wie eine Scheidung abläuft, welche Folgen sich daraus ergeben und was im Einzelnen zu regeln ist.

Sobald noch gemeinsame, minderjährige Kinder hinzukommen, vergrößert sich das Gefühl der Unsicherheit und Überforderung. Hierbei sollten Kinder nicht im Ungewissen gelassen und dadurch verunsichert werden. Vielmehr ist es wichtig, klare Verhältnisse für die Kinder zu schaffen.

Die rechtlichen Gegebenheiten einer Scheidung

Nach der Trennung und neben dem innerfamiliären Herausforderungen sind rechtliche Fragen im Zusammenhang mit einer Scheidung mit Kindern von Bedeutung. Hierzu zählen insbesondere, das Sorgerecht, das Aufenthaltsbestimmungsrecht, das Umgangsrecht und der Unterhalt für die Kinder.

Das Sorgerecht für die Kinder steht Eltern, die miteinander verheiratet waren, gemeinsam zu. Hierbei gilt es aber zwischen drei Entscheidungsbereichen nach § 1687 BGB zu unterscheiden:

Entscheidungen in Angelegenheiten des täglichen Lebens

  • Trifft das Elternteil, bei dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat und betrifft beispielsweise Entscheidungen über schulische Nachhilfe oder die Behandlung leichter Erkrankungen.

Entscheidungen in Angelegenheiten der täglichen Betreuung

  • Trifft der umgangsberechtigte Elternteil in der Zeit, in der sich das Kind bei ihm aufhält und betrifft beispielsweise die Art der Ernährung oder die Schlafenszeiten.

Entscheidungen in Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung

  • Treffen beide Elternteile nur gemeinsam und betrifft beispielsweise die Wahl der Schule oder die Entscheidung über den Lebensmittelpunkt.

Ein weiterer zentraler Punkt bildet die Entscheidung, bei wem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt haben soll. Falls sich die Elternteile hierüber nicht einvernehmlich entscheiden können liegt die Entscheidung beim Familiengericht nach § 1628 BGB.

Außerdem hat das Kind ein Recht auf den Umgang mit jedem Elternteil, der vom Familiengericht zu berücksichtigen ist (§ 1684 Abs. 1 BGB). Darüber hinaus trifft dieses Recht auch auf Geschwister und Großeltern zu, wenn dies dem Kindeswohl dient (§ 1685 Abs. 1 und 2 BGB).  Festzuhalten bleibt, dass bei all diesen gesetzlichen Bestimmungen die Kinder das Recht darauf haben mitzureden, wobei ihr Einfluss in Abhängigkeit vom Alter variiert.

Des Weiteren steht jedem Kind gesetzlich der Anspruch auf Unterhalt zu. Dieser äußert sich als Natural- oder Barunterhalt. Leben Kinder gemeinsam mit ihren Eltern leisten beide Elternteile Naturalunterhalt in Form von Unterkunft, Verpflegung, Kleidung usw. Im Falle einer Scheidung leistet der betreuende Elternteil weiterhin Naturalunterhalt, während das andere Elternteil den sogenannten Barunterhalt, in Form monatlicher Geldbeträge, zahlt.

Von dieser Grundkonstellation gibt es jedoch drei Ausnahmen:

  • Das Wechselmodell, bei dem das Kind bei beiden Elternteilen zu gleichen Teilen lebt.
  • Der betreuende Elternteil erheblich mehr Einkünfte hat als der barunterhaltspflichtige Elternteil.
  • Das minderjährige Kind einen eigenen Hausstand hat und hat somit gegen beide Elternteile einen Anspruch auf Barunterhalt hat.

Weitere Informationen hat der Berufsverband der Rechtsjournalisten e. V.  auf seinem umfangreichen Ratgeberportal www.scheidung.org. Besonderer Fokus wird dabei auf die Frage, wie Kinder alterstypisch auf Scheidung und Trennung reagieren und Eltern damit umgehen sollten, sowie die rechtlichen Gegebenheiten bei der Trennung mit Kindern gelegt.

Vaterschaft und Scheidung

Bei allen Streitigkeiten die möglicherweisen stattfinden ist es das Wichtigste das Wohl des Kindes im Blick zu behalten. Mit einer Kommunikation auf Augenhöhe ist allen geholfen. Ein Wechselmodell kann dabei helfen, auch hier ist allerdings die Planung das A und O. Papa.de, das Elternmagazin aus Papasicht, wirft einen Blick auf die Sicht der Väter und erklärt genau, wie Väter sich bei einer Trennung fühlen und warum zu lange Trennungsphasen auch belastend sein können.

Ein regelmäßiger Kontakt zu beiden Elternteilen ist für das Kind extrem wichtig in der Entwicklung. Sorgt die Mutter in den ersten drei Lebensjahren eher für die Erfüllung der Grundbedürfnisse und gibt Nähe, so ist das Kind ab dem dritten Lebensjahr vor allem auf den Vater angewiesen, der ihm “die Welt zeigt” und so unabdingbar für ein gesundes Selbstbewusstsein ist. Kommunizieren die Eltern nicht auf Augenhöhe miteinander kann das auch für das Kind ungeahnt schlimme Folgen haben.

In diesem Alter können Kinder nämlich noch nicht erkennen, dass sie nicht der Grund der Streitigkeiten sind, sondern entwickeln automatische Gefühle des “sich falsch Fühlens”, was wiederum hinderlich für eine gesunde Entwicklung des Selbstbewusstseins sein kann. Finden Eltern also ein für sich passendes Wechselmodell, kann das für alle positiv sein. Es kann auch der Fall sein, dass Eltern wieder mehr ihren Hobbys nachgehen können, Freunde treffen und so auch entspannter in der Beziehung mit dem Kind sind.

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