Hörschäden bei Kleinkindern

Früherkennung oft schwierig

Hörschäden bei Kleinkindern

Hörschäden bei Kleinkindern sind schwer zu diagnostizieren. Oft verstehen Eltern erst nach Monaten, warum ihr Kind nicht zu sprechen anfängt, teilnahmslos wirkt oder manche Dinge nicht mitbekommt.

In Deutschland gibt es über eine halbe Millionen Kinder mit angeborener Hörschwäche. Es sind zumeist die Eltern, denen auffällt, dass das Kind nicht zu sprechen anfängt, teilnahmslos wirkt oder manche Dinge nicht mitbekommt.

Dies geschieht aber häufig erst zwei Jahre nach der Geburt. Bis dahin hat man aber schon zu viel Zeit verschenkt, da die ersten drei Jahre eine sensible Phase darstellen, in der das Gehirn besonders intensiv die Aufnahme und Verarbeitung der Hörinformationen lernt. Nach dem dritten Lebensjahr werden diese Fähigkeiten nur noch langsam gewonnen. Also ist es besonders wichtig, so früh wie möglich, Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit bei Kindern zu diagnostizieren und zu behandeln.

Ursachen von Schwerhörigkeit

Um die geeignete Behandlung zu finden, ist die richtige Diagnose zwingend. Man unterscheidet zwei Ursachen für Störungen des Gehörs. Erstere und häufigere Form ist die Schallempfindungsschwerhörigkeit, die durch eine Schädigung des Innenohrs oder des Hörnervs entsteht. Bei dieser Form der Schwerhörigkeit werden Klänge insgesamt leiser wahrgenommen, außerdem kann es zu Verzerrungen einzelner Töne kommen.

Unterschiedlichste Ursachen können für die Schallempfindungsschwerhörigkeit verantwortlich sein. Neben den angeborenen, entweder genetisch bedingten oder durch Entzündungen während der Geburt entstandenen Ursachen, ist normale Altersdegeneration genauso dafür verantwortlich wie diverse virale und bakterielle Infektionen.

Bei Kindern sind es sehr häufig Infektionen des Mittelohrs und des Innenohrs (Labyrinthitis), die zu einer degenerativen Veränderung des Innenohrs führen. Schädeltraumata, Tumore, Lärm und auch ein Hörsturz können zu dieser Art Schwerhörigkeit führen.

Da Schädigungen der Haare im Innenohr irreparabel sind, kann man nachträglich nur noch mit Hilfe eines Hörgerätes die Folgen beheben. Operationen und Medikamente versprechen in den meisten Fällen keinen Erfolg. Bei bakteriellen Infektionen lässt sich durch sofortige Antibiotikabehandlung oft nur noch das Fortschreiten der Krankheit verhindern.

Bei der zweiten Form, der Schallleitungsschwerhörigkeit, sieht das etwas anders aus. Hier liegt keine Schädigung des Innenohres, sondern oft nur eine Störungen der Übertragung der Schallwellen vor. In den meisten Fällen lassen sich diese durch Medikamente oder chirurgische Eingriffe beheben.

Die Ursachen dieser Übertragungsschwierigkeiten können Fremdkörper wie Schmalz oder Flüssigkeiten sein. Besonders bei Kindern sind es vor allem Mittelohrentzündungen und Vernarbungen des Mittelohrs, die für die Schwerhörigkeit verantwortlich sind.

Die häufigste Ursache der Schallleitungsschwerhörigkeit bei Erwachsenen ist die Otosklerose, bei der durch Kalkablagerungen die Vibrationen der Mittelohrknochen behindert wird.

Einige Anzeichen lassen Eltern früh erkennen, dass eine Hörbehinderung vorliegen kann

Es handelt sich hierbei lediglich um Anhaltspunkte – die kognitive Entwicklung von Kindern verläuft oftmals zu individuell, um allgemeingültige Schlüsse ziehen zu können.

  • Säuglinge sollten sich bei plötzlichen Geräuschen erschrecken oder aufhören zu saugen oder zu schreien, wenn sie etwas hören.
  • Wenn sie etwa drei bis vier Monate alt sind, brabbeln sie normalerweise oder lachen laut auf.
  • Wenn sie etwas hören, sollten sie den Kopf in Richtung der Geräuschquelle drehen.
  • Ab dem siebten bis achten Lebensmonat hören Säuglinge in der Regel aufmerksam Musik zu und ahmen viele Geräusche nach. Zu dieser Zeit sollten alle Babys Brabbelgeräusche machen.
  • Ab etwa einem Jahr werden diese immer umfangreicher und das
    Kind probiert verschiedenste Konsonanten aus. Sie sollten jetzt auch auf einen reagieren, wenn man aus etwa einem Meter Entfernung mit normaler Lautstärke zu ihnen redet.
  • Auf einfache Verbote wie „Nein“ sollten sie auch schon reagieren können.
  • Ab dem zweiten Jahr sollte ein Kind Wörter und einfache Sätze verstehen und bilden können.

Wenn man aber erst nach zwei Jahren merkt, dass das Kind schwerhörig ist, hat man eigentlich schon zu viel verpasst.

Die Bundesregierung hat aus diesem Grund die Absicht, jedes Kind einem Hörtest zu unterziehen, um so so früh wie möglich auf die Schäden zu reagieren.

Im Kindes- und Jugendalter gibt es auch andere Anzeichen einer Hörbehinderung

  • Das Kind spricht wenig und scheut den Kontakt zu anderen
  • Es fixiert einen genau, wenn man mit ihm redet.
  • Es hatte diverse Krankheiten, die Schwerhörigkeit verursachen können (Hörsturz, Mittelohrentzündungen, Viruserkrankungen usw.)
  • Betroffene äußern sich oft in einer Weise, die andeutet, dass sie nicht verstanden haben, worum es geht.
  • Sie kommunizieren viel über Gesten
  • Sie schalten den Fernseher lauter als nötig.
  • Viele Betroffene wirken unaufmerksam. Manche Kinder verständigen sich unverständlich. Sie fragen oft, ob man etwas wiederholen könnte

Verhalten bei Schwerhörigkeit

Hat man einmal eine Schädigung des Gehörs festgestellt, gilt es zu handeln.
Im Falle der Schallempfindungsschwerhörigkeit wird der Hals-Nasen-Ohrenarzt die entsprechende Therapie einleiten. Sollte ein Hörgerät vonnöten sein, muss es auch getragen werden.

Hier ist das Verhalten der Eltern entscheidend, damit die Kinder das Gerät auch annehmen. Dies ist wichtig, da es trotz des Hörgeräts zu Missverständnissen mit der Außenwelt kommen wird, die man nur durch einen offenen Umgang mit der Hörschwäche ausräumen kann.

Zeigen Sie ihm, dass das es sich nicht für die Krankheit schämen muss und selbstbewusst damit umgehen kann. Sprechen Sie offen mit ihm über die Ursachen und Folgen der Schwerhörigkeit, aber machen sie ihm keine Angst davor. Behandeln Sie die Schwerhörigkeit nicht als Makel, welcher Minderwertigkeitsgefühle in dem Kind schürt, sondern als normalen Teil seiner Persönlichkeit.

Lassen Sie das Kind sein Wunschhörgerät aussuchen. Viele Kinder bevorzugen farbige Hörgeräte, die ihnen helfen, die Geräte selbstbewusst nach außen zu tragen. Nur, wenn die Kinder ihre Hörbehinderung offen nach außen hin repräsentieren, können sie auch von anderen richtig verstanden und respektiert werden.

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