Frühsprachliche Entwicklung

Babys schreien in ihrer Muttersprache

Ende November 2009 hat ein deutsch-französisches Forscherteam eine Studie veröffentlicht, die unter Beweis stellt, dass Babys in den ersten Lebenstagen bereits im Tonfall ihrer Muttersprache schreien.

Gegenstand der Forschung waren Tonaufnahmen von 30 französischen und 30 deutschen Säuglingen im Alter zwischen zwei und fünf Tagen. Ein Vergleich führte zu dem Ergebnis, dass französische Kinder mit ansteigender Tonlage Laute ausstoßen, deutsche dagegen mit abfallendem Ton.

Das Gehör entwickelt sich zuerst

Die Wissenschaftler nehmen nun an, dass die charakteristischen Satzmelodien von Sprachen den Tonfall von Babygeschrei entscheidend beeinflussen, da der Fötus im letzten Drittel der Schwangerschaft in der Lage ist, Klangmuster zu erkennen.

Die Direktorin der Neuropsychologischen Abteilung des Max-Planck-Instituts für Kongnitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, Angela Friederici, erklärt: „Das Gehör ist das sensorische System, das sich als erstes entwickelt. Insbesondere die Stimme der Mutter wird früh wahrgenommen.“

Nichtsdestotrotz sei das Gehör des Fötus wegen des Fruchtwassers in der Gebärmutter eingeschränkt. So könnten lediglich Tonlage und Satzmelodie der entsprechenden Sprache hindurchdringen, macht Friederici deutlich.

Laut der Studie wies dass Geschrei der deutschen und französischen Neugeborenen diese unterschiedlichen Merkmale ihrer jeweiligen Muttersprachen auf. „Auf Französisch werden viele Wörter am Ende betont, so dass die Satzmelodie ansteigt, während es in Deutschland umgekehrt ist“, sagt Friederici.

Das Forscherteam, zu dem auch Mitarbeiter der Universität Würzburg und der Ecole Normale Supérieure in Paris gehören, geht davon aus, dass diese pränatale Sensibilität für Sprachmelodien Kindern später helfe, sich ihre Muttersprachen anzueignen.

Verwandte Artikel

Begin typing your search term above and press enter to search. Press ESC to cancel.

Zurück nach oben