Der heimliche Lehrplan

Was in der Grundschule noch wichtig ist

Die Grundschule ist der Weichensteller für den schulischen und beruflichen Werdegang Ihres Kindes. Neben dem Schulstoff steht noch einiges mehr auf dem Lehrplan. Was Sie über den heimlichen Lehrplan wissen sollten.

Der heimliche Lehrplan (engl.: hidden curriculum) ist keine mysteriöse Erfindung von Verschwörungstheoretikern, sondern ein feststehender Begriff in der Soziologie und Bildungsforschung. Der heimliche Lehrplan umfasst den Teil der schulischen Ausbildung, der nicht im schulischen Curriculum festgelegt ist. Gemeint ist hier die Erziehung durch den Lehrkörper. Natürlich müssen Lehrerinnen und Lehrer die Kinder disziplinieren und Strukturen in einer Klasse schaffen, was auch beinhaltet, dass sich Kinder dem Lehrkörper unterordnen müssen.

Der Lehrkörper wird automatisch mit zum Erzieher. Die Kinder lernen indirekt, dass es Über- und Untergeordnete gibt, dass es gutes und schlechtes Verhalten gibt und dass ein bestimmtes Verhalten sanktioniert wird. Kinder verinnerlichen durch diese täglichen Rituale das Wertesystem unserer Gesellschaft. Dadurch vernachlässigt die Schule zum Teil ihren emanzipatorischen und aufklärerischen Bildungsauftrag und sorgt dafür, dass alte Vorurteile und Benachteiligungen bestehen bleiben.

Dieses Problem ist schon so alt wie das Schulsystem selbst. 
Am Beispiel der Geschlechterrollen und der Herkunft kann verdeutlicht werden, wie sich dies äußert.


Mädchen verlassen die Grundschule mit guten Noten, Jungen mit einem gesunden Selbstbewusstsein

Seit Jahren sind die Ergebnisse eindeutig. Mädchen haben die besseren Noten und erlangen öfter höhere Bildungsabschlüsse als Jungen. Fast könnte man meinen, dass Jungen in der Schule benachteiligt werden. 

Jedoch ist zu beobachten, dass sich Jungen öfter gegen Mädchen durchsetzen und dass Männer in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spitzenpositionen deutlich häufiger als Frauen vertreten sind.

Die Weichen für diese Ungleichheit werden schon in der Grundschule gestellt. Wenn Jungen laut oder frech sind und sich körperlich gegen andere durchsetzen, wird dieses Verhalten als typisch für Jungen angesehen und bis zu einem gewissen Maße toleriert. Fällt ein Mädchen durch freches Verhalten in der Schule auf, wird es oft stärker sanktioniert als ein Junge, da es kein typisches Verhalten für Mädchen ist.

Verhalten sich Jungen und Mädchen den ihnen zugewiesenen Rollen entsprechend, kommen sie mit wenigen Konflikten durch die Schulzeit.


Die Herkunft der Eltern als Schicksal der Kinder

Seit den 1960er Jahren verweisen sämtliche Bildungsforscher auf den Zusammenhang von Schulkarriere und sozialer Herkunft. Spätestens seit den PISA-Studien ist dieser Zusammenhang auch im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Die PISA-Ergebnisse sagen nicht aus, dass die deutschen Schüler dumm sind. Vielmehr wird festgestellt, dass die Streuung zwischen guten und schlechten Schülern enorm hoch ist und dass der Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft der Eltern abhängt.

Deutlich wird das beim Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Neben den Noten ist auch die Empfehlung der Grundschullehrer entscheidend. Diesen kann keine Böswilligkeit unterstellt werden, wenn sie das Argument anbringen, dass ein Schüler nicht für das Gymnasium geeignet ist, weil er dort keine Unterstützung aus dem Elternhaus erfahren kann, da diese selbst kein Gymnasium besucht haben. So entsteht ein Kreislauf, der den sozialen Aufstieg verhindert.


Präsenz der Eltern in der Schule

Es ist immer empfehlenswert, in Kontakt mit der Schule und dem Lehrkörper zu bleiben. Durch Ihre Präsenz in der Schule, sei es auf Elternabenden, Schulausflügen und Schulfesten, signalisieren Sie, dass Sie an der Bildungskarriere Ihres Kindes interessiert sind. Damit legen Sie die ersten Weichen für den Übergang auf eine weiterführende Schule.

Lehrer bewerten nicht nur die Leistung ihrer Schüler. Sie bewerten sie stets als ganze Person. Das bedeutet, dass sich das Bild Ihres Kindes in der Schule abrundet, wenn Lehrer sich auch über Sie, als Elternteil, ein Bild machen können.

In der Familie sind die Rollen klar verteilt. In der Schule müssen Kinder sich ihre Rollen erst erarbeiten. Dadurch kann es sein, dass sich Kinder in der Schule anders verhalten als zuhause. Sie werden plötzlich zu kleinen Tyrannen, aber auch zu Duckmäuschen. Auch hier kann nur der ständige Austausch mit der Schule empfohlen werden. Es sind nicht nur die Schulnoten, die für den weiteren Bildungsverlauf wichtig sind, sondern auch der Verlauf der Sozialisation.

Man muss sich immer vor Augen führen, dass in der Grundschule die entscheidenden Weichen für die weitere Schul- und Berufslaufbahn gestellt werden. Ist Ihr Kind erst einmal auf einem unteren Schulzweig, dann ist ein Aufstieg innerhalb des Bildungssystems eher unwahrscheinlich. Damit sinken dann auch die Chancen auf eine bessere Berufsausbildung.

Das Schulsystem suggeriert die Wechselmöglichkeiten innerhalb der verschiedenen Schulzweige. Statistisch gesehen gibt es aber kaum Kinder, die von einem unteren Schulzweig auf einen höheren wechseln. Eher ist der Abstieg der Normalfall.

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