Kaufsucht und Verschuldung bei Teenagern

Schuldenfalle: Zugehörigkeitsgefühl

Im Zusammenhang mit den oft auf Markenprodukte bezogenen Konsumwünschen der Teenager besteht natürlich immer die Gefahr der finanziellen Verschuldung.

Weil man eben dazugehören möchte, leiht man sich Geldbeträge oder lebt auf Rechnung, wovon die Eltern häufig erst viel zu spät erfahren. Wohl nicht nur Jugendliche aus sozial schwächeren Familien neigen leicht dazu, über ihre Verhältnisse hinaus zu leben und kalkulieren sogar schon im Vorfeld mit ein, sich zu Gunsten ihrer Bedürfnisse zu verschulden, wenn nicht sogar dafür kriminell zu werden.

Es ist äußerst schwierig, seinem Kind den richtigen, bedachtsamen Umgang mit Geld beizubringen; weder hat ein möglichst niedriges Taschengeld von selbst Sparsamkeit zur Folge noch schützt es automatisch vor Konsumsucht. Auch die recht überschaubaren Erträge aus Schülerjobs dienen ja meist unmittelbaren Kaufwünschen. Im Gegensatz zu Erwachsenen verfügen Kinder und Jugendliche über ein geringeres ökonomisches Verständnis, sozusagen über eine naiv beherzte Konsumkompetenz. Bei ihren Kaufentscheidungen sind sie sehr spontan, offen und risikofreudig und folgen dabei oft einer ausgeprägten Markentreue.

Nicht nur für Erwachsene bietet der Kaufakt recht vielfältige Möglichkeiten der Kompensation. Durchaus auch Teenager können das Kaufen als Belohnung empfinden. Leicht kann ihnen der Erwerb einer Ware ein zeitweiliges Gefühl der Zugehörigkeit, des Reichtums und der Attraktivität suggerieren. Ist die Produktpalette auch vorgegeben, so vermittelt doch der Warenüberflusses den Konsumenten nicht selten die Illusion einer Art Sicherheit, gepaart mit einer kurzen, intensiven Hochstimmung.

Da dieses Glücksgefühl nach dem Kaufakt aber schnell wieder verfliegt, muss er regelmäßig wiederholt werden, um konsequenterweise auch den Lustgewinn erneut zu erlangen. Man spricht dann vom Phänomen der Kaufsucht, von der leider besonders Heranwachsende betroffen sind. Viele, die sich ehrlicherweise selbst als kaufsüchtig bezeichnen, berichten von unwiderstehlichen Kaufimpulsen, von einem regelrechten Drang, Geld auszugeben, ohne den gekauften Artikel dann tatsächlich, geschweige denn dringend zu brauchen.

Womöglich wäre es sinnvoll und hilfreich zugleich, frühzeitig und präventiv zu lernen, die Mechanismen unserer Konsumgesellschaft zu durchschauen, um souveräner darauf reagieren zu können. Gleichsam müssen junge Menschen neugierig gemacht werden, nach alternativen Quellen der Selbstwertschöpfung zu suchen. Wie reizvoll können persönliche Herausforderungen sein, wenn sie die Lust auf Erfolge und wirkliche Ziele geweckt haben.


Daniel Flügel

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