Wie Kinder Trauer empfinden

Wenn Geschwister sterben

Durch die Trauer um den verstorbenen Bruder, die verstorbene Schwester leidet häufig die Beziehung zwischen Eltern und verbliebenen Kindern. Beide Seiten sind unsicher, wie sie ihre Trauer leben können und dürfen.

„Kleine Schwester, dein Tod ist für mich immer noch unbegreifbar. Noch immer scheint mein Herz stehen zu bleiben bei dem Gedanken, dass ich dich im Leben nie mehr wieder sehe.“

Wer einen Bruder oder eine Schwester durch Tod verloren hat, muss nicht nur mit dem Verlust des Geschwisters zurechtkommen, sondern auch die Veränderung der Eltern begreifen und verarbeiten. Diese können oft aufgrund der Tragik keine angemessene Stütze sein. Trauernde Kinder erleben ihre Eltern nicht mehr als solche, die sie einmal waren. Hinterbliebene Geschwister werden oft als "Vergessene Trauernde" bezeichnet, da sich die Aufmerksamkeit von Familienangehörigen und Freunden hauptsächlich auf die Eltern konzentriert.

Die Gefühle trauernder Kinder sind zwar denen der Erwachsenen sehr ähnlich, zeigen diese aber auf andere Art und Weise. Nach außen scheinen Kinder manchmal etwas durcheinander und defensiv. Sie möchten ihre Trauer meist ungern mit den Eltern teilen und holen sich bestenfalls ihre Unterstützung von Freunden oder anderen Bezugspersonen. Maßgebend ist das Alter des verstorbenen und des hinterbliebenen Kindes. Üblich sind Rückzug und Schweigen, aber auch ungewohnt aggressives Verhalten. Manche imitieren Verhaltensweisen des verstorbenen Kindes oder übernehmen deren Hobbys.

Aufhorchen sollten Eltern und Bezugspersonen, wenn ein Kind sich zunehmend destruktiv verhält. Zum Beispiel durch den Griff zu Drogen und Alkohol oder plötzliches Rauchen. Gefährlich sind selbstzerstörerische, für das eigene Leben bedrohliche und extrem übermütige Verhaltensweisen. Es kommt auch vor, dass hinterbliebene Geschwister aus Wut anderen weh tun, da auch andere Schmerz fühlen sollen. Fängt ein Kind an, sich verstärkt sexualisiert zu verhalten, geschieht es, weil es sich jemanden nahe fühlen und sich selbst ablenken will. Ernst zu nehmen sind immer Anzeichen von Suizidgedanken.


Zeigen Sie Ihre Trauer

Kinder lernen Trauer zu zeigen, indem sie ihre Eltern im Trauerprozess beobachten. Deswegen ist es wichtig, dass die Eltern den Tod des Kindes anerkennen, ihre eigenen Gefühle zeigen und ihren übrigen Kindern erlauben, das Gleiche zu tun. Dies trifft auch bei Fehlgeburten bzw. Kindern zu, die in einer Zeit vor den lebenden Geschwistern verstorben sind. Oft werden diese Ereignisse in der Familie tabuisiert, gar geheimgehalten. Meist tragen die jeweiligen Elternteile ihre diesbezügliche Trauer mit sich alleine rum, was wiederum Auswirkungen auf das gesamte Familienleben haben kann.

Doch obwohl Eltern vor und mit Ihren Kindern angemessene Gefühle zeigen sollten, ist es wichtig gleichzeitig zu versichern, dass sie sich trotz der Trauer weiterhin für sie sorgen werden. Wenn die Kinder das Ausmaß der Trauer erkennen können, werden sie sich in ihren eigenen Gefühlen gestärkt fühlen - dass es in Ordnung ist zu weinen, traurig zu sein, Wut zu zeigen und sogar zu lachen.

Wichtig ist, verstorbene Kinder nicht zu idealisieren oder Vergleiche zwischen den Geschwistern zu ziehen. Sonst haben die überlebenden Kinder das Gefühl, nie so geliebt zu werden wie das Geschwisterkind und dass es ihnen auch nicht zusteht. Das kann zusätzlich zur Trauer noch Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld hervorrufen - bis hin zu dem Wunsch, an Stelle des Geschwisterkindes gestorben zu sein.


Intensive Zuwendung ist der beste Weg

Familien und andere Bezugspersonen sollten Positives, was überlebende Kinder tun, unterstützen und sich daran erfreuen. Eine intensive Zuwendung ist der beste Weg. Die gemeinsame Suche nach kreativen Möglichkeiten im Umgang mit der Trauer ist hilfreich. Malen, Briefe schreiben, Poesie und Geschichten kreieren, Tagebuch führen oder auch das Erstellen einer Gedenkhomepage sind oft verwendete Varianten. Nach Ideen zu fragen, auf welche Weise das Geschwisterkind in Erinnerung behalten werden kann, erleichtert schon für alle Beteiligten den Zugang zueinander.

Es ist auch immer ratsam, sich mit auf Trauerarbeit spezialisierte Experten und ebenfalls Betroffenen auszutauschen. Es gibt leider sehr viele Menschen in ähnlichen Situationen und viele von ihnen haben unterschiedlichste Erfahrung mit der Verarbeitung des Schmerzes und dem Verlust gemacht. Diverse Internetforen und Vereinigungen haben sich gegründet, um ebenfalls Betroffenen eine Möglichkeit des Austausches zu bieten.

Antje Schulz

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