Einzelkinder

Chancen und Gefahren bei der Erziehung

Einzelkind- und Geschwisterkindhaushalte sind an sich weder gut noch schlecht. Sie stellen lediglich zwei unterschiedliche Familienformen da, die jeweils bestimmte Chancen und Gefahren bergen. Ob man für seine Kinder ein positives Umfeld schafft, indem die Chancen genutzt und die Gefahren vermieden werden, hängt maßgeblich von den Eltern ab. Wenn man ein Einzelkind hat, sollte man daher Folgendes berücksichtigen.

Chancen

Keine Geschwister zu haben, bedeutet zunächst, dass man mehr Aufmerksamkeit, Zuwendung und Förderung seitens der Eltern bekommt bzw. bekommen kann. Laut Studien haben Einzelkinder z.B. mehr Körperkontakt zur Mutter und spielen mehr mit ihr als Geschwisterkinder. Eine besondere Zuwendung seitens der Eltern ermöglicht den Kindern, großes Vertrauen in sich selbst und ihre Mitmenschen aufzubauen. Dies ist wichtig für die psychische Stabilität der Kinder.

Gleichzeitig wird bei Einzelkindern in besonderem Maße die Selbständigkeit gefördert. Da sie sich zudem stärker an ihren Eltern orientieren als an Gleichaltrigen, fördern das Vorbild und die Ansprüche der Eltern die Leistungsbereitschaft der Kinder. Darüber hinaus haben sie mehr Ruhe und Zeit für sich und können so ihre Talente gut entwickeln bzw. ihre Schwächen abbauen.

Gefahren

Das Fehlen von Geschwistern hat aber auch zur Folge, dass die Kinder innerhalb der Familie nicht lernen, mit Konkurrenz umzugehen bzw. sich mit anderen zu arrangieren, dass sie zudem weniger Gemeinschaftsgefühl entwickeln und auch keine Verantwortung übernehmen müssen. Da man all dies lernen muss, um im späteren Leben zurecht zu kommen, sollten Einzelkinder früh den Kontakt zu anderen Kindern suchen (Sandkastenfreundschaften, Kindergärten, Vereine).

Weitere Gefahren bestehen in der Überforderung, Verwöhnung und Vernachlässigung des Einzelkindes.

Eltern sollten vermeiden, überzogene (womöglich sogar ihre eigenen) Bedürfnisse und Ansprüche auf das Kind zu projizieren. Sonst kann es zu Versagensangst und Menschenscheu kommen. Verwöhnt man sein Kind hingegen, wird es unselbständig und ist späteren Konflikt- und Mangelsituationen hilflos ausgeliefert.

Auch nutzt es natürlich nichts, Einzelkind zu sein, wenn die Eltern ihrer Arbeit und ihren eigenen Problemen mehr Aufmerksamkeit schenken als ihrem Nachwuchs. Statistiken zufolge sind oft beide Elternteile von Einzelkindern berufstätig, was jedoch nichts heißen muss. Untersuchungen zeigen außerdem, dass Einzelkinder häufiger mit der Trennung ihrer Eltern konfrontiert sind als Geschwisterkinder. Darin liegt eine besondere Gefahr für das Kind – zum Einen, wenn der Kontakt zu einem Elternteil eingeschränkt wird oder sogar abbricht, zum Anderen, wenn das Kind als Spielball und Machtinstrument der Eltern benutzt wird.       

Für die Erziehung von Einzelkindern gilt, was für die Erziehung aller Kinder gilt. Man sollte ihnen einerseits ausreichend Zuwendung und Förderung zukommen lassen, sie andererseits aber auch mit angemessener Strenge und hin zur Selbständigkeit erziehen.   

Verwandte Artikel

Begin typing your search term above and press enter to search. Press ESC to cancel.

Zurück nach oben