Kinderzeichnungen

Wenn die Kleinen kreativ werden

Schon vor der Vollendung des ersten Lebensjahres hinterlassen Kleinkinder Spuren, was Eltern nicht immer angenehm erscheinen mag – vor allem dann, wenn der Sprössling seine Hände und Füße in Essen oder Kot taucht und damit Tapeten, Teppiche und Möbel beschmiert. Auch wenn dies hin und wieder Nerven kostet, dient diese Phase der Entwicklung des persönlichen Ausdrucks und der Erkundung des Lebensraums.

Vom Strich zum „Kopffüßler“

Die meisten Kinder sind mit 16 Monaten fähig, einen Stift zu halten und zu kritzeln, wobei die Entwicklungsphasen naturgemäß individuell unterschiedlich ausfallen. Die Entdeckung, mit dem Stift etwas Bleibendes hinterlassen zu können, kosten die Kleinen gerne aus. In allen möglichen Geschwindigkeiten und rhythmischen Varianten füllen sie ein Blatt Papier, die Wand oder den Fußboden mit bewegten Linien, Strichen und Mustern.

Sobald sie in der Lage sind, Kringel zu malen, gestalten Kinder alles und jeden, der für sie Bedeutung hat: Mama, Papa, Tante, Bruder, den Hund oder sogar das Kinderzimmer. Diese geschlossenen Formen werden mit Augen, Mund, Nase und mit Strichen für Arme und Beine versehen. So entstehen die ersten Kopffüßler.

Während dieser Zeit findet das Malen in der Bedeutungsperspektive statt: Die Wichtigkeit der einzelnen Elemente wird mithilfe der Größe dargestellt. Folglich kann die Mama größer sein als das Haus oder Papa größer als das Auto. Was Kinder fühlen, drücken sie spontan in Bildsprache aus.

Fantasie fördern ohne Zwang

Erwachsene sollten ihnen beim Ausprobieren ihrer Kreativität freien Lauf lassen, allerdings die Malfläche im Idealfall auf ein Blatt Papier begrenzen. Ansonsten müssen Tapete und Fußboden dran glauben.

Für frühe kindliche Malereien empfehlen sich Wachsmaler. Bunt- und Bleistifte sind noch zu spitz und daher zu gefährlich. Um das Kind davon abzuhalten, Stifte zu essen, können Eltern Malen in Gesellschaft sowohl für Gespräche mit dem Sprössling als auch zur Aufsicht nutzen. Kinder lieben es, sich über ihre Werke auszutauschen.

Es ist wichtig, den Kleinen kreative Experimente zu erlauben, anstatt ihnen Motive vorzuschreiben oder ihre Bilder zu kritisieren. Wer Zwänge ausübt, der riskiert, dass Fantasie und Malfreuden verloren gehen. 

Wenn Erwachsene die kindlichen Werke bestaunen, fördern sie eine möglichst lange Freude am Gestalten. Lob stärkt das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Allerdings sollte jedes lobende Wort auch ehrlich gemeint sein. Kinder spüren instinktiv, wenn Übertreibung im Spiel ist.

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