Aktion Lesestart soll Kleinkinder fördern

Ärzte verschreiben ihren kleinsten Patienten Bücher

Die Zahlen einer Studie der Mainzer Stiftung Lesen, der Deutschen Bahn AG und der Zeit sprechen für sich: Die Hälfte aller Schüler aus der ersten Klasse bekommen von ihren Eltern nur selten oder nie etwas vorgelesen. In Familien mit türkischem Migrationshintergrund betrifft dies 80 Prozent der Kinder. Viele Eltern gaben an, dass ihre Kinder lieber Fernsehen gucken und Computer spielen, als zu lesen.

Dabei ist die Familie die früheste und damit wichtigste Instanz für die Leseförderung. Einer Untersuchung aus dem Jahr 1993 kann man entnehmen, dass Kinder in buchorientierten Familien sich eher zu Lesern entwickeln als in Familien, in denen sich auch die Eltern nur mit dem Fernseher und dem Computer näher befassen.

Was aus den Erstklässlern wird, die nichts vorgelesen bekommen, zeigen die schlechten Ergebnisse in den PISA-Studien, in denen die 15-jährigen gerade in der Lesekompetenz schlecht abschneiden und viele nicht in der Lage sind, den Inhalt eines Textes korrekt zu erfassen. Eine Studie verdeutlicht, dass in dieser Altersklasse etwa ein Drittel bis ein Viertel zu den Nichtlesern zählen.

„Lesestart – eine Lese-Initiative für Deutschland“

Die PISA-Ergebnisse haben dazu geführt, dass man sich in Deutschland generell mehr mit der Leseförderung auseinander setzt. Die Stiftung Lesen setzt sich zusammen mit verschiedenen Verlagen, Unternehmen und Sozialinstitutionen mit der Aktion „Lesestart“ für eine frühe Leseförderung ein. Die bundesweite Kampagne läuft seit Juni 2008 und soll innerhalb von zwei Jahren 500.000 Kleinkinder erreichen. Es handelt sich hierbei um die bisher größte deutschlandweite Aktion zur frühen Leseförderung von Kleinkindern.

„Lesestart“ setzt schon vor dem Schulbeginn an, weil das Elternhaus viel Einfluss auf die Lesevorlieben des Nachwuchses hat. Eltern sollen dazu gebracht werden, ihren Kindern so früh und so viel wie möglich vorzulesen. Ein früher Kontakt mit Büchern erleichtert den Kindern den Weg zur gesprochenen und geschriebenen Sprache und somit den Schulstart.

Deshalb bekommen zehn bis zwölf Monate alte Kleinkinder und ihre Eltern bei der Vorsorgeuntersuchung U6 vom Kinderarzt ein kostenloses Leseset. Die teilnehmenden Ärzte beraten die Eltern auch zum Vorlesen.

Das Lesen soll dadurch schon früh Teil des Familienalltags werden und je früher Kinder mit Büchern in Berührung kommen, desto eher werden sie zum Bestandteil ihres Lebens. Die Einjährigen können zwar noch nicht lesen, erkunden die Bücher aber mit allen fünf Sinnen.

In diesen Sets befinden sich ein Bilderbuch, eine Liste mit Buchtiteln, die sich für das frühe Vorlesen eignen, eine Broschüre für die Eltern mit Tipps zum Vorlesen, ein Poster für das Kinderzimmer und ein kleines Mitmach-Tagebuch, in dem Sie die Sprach- und Leseentwicklung Ihres Sprösslings dokumentieren können.

Vorbilder: England und Sachsen

Die britische Kampagne “Bookstart“ wird staatlich gefördert und hat den deutschen „Lesestart“ beeinflusst. Seit 1992 werden mittlerweile landesweit 90 Prozent der Kinder drei Mal Bilderbücher und Bücher geschenkt. Studien haben gezeigt, dass Kinder mit “Booktstart“-Sets beim Eintritt in die Schule bessere sprachliche Fähigkeiten hatten als Kinder, die nicht früh gefördert wurden. Ihre Eltern würden sich nun auch mehr Zeit zum Vorlesen nehmen und öfter Bücher verschenken.

Das Bundesland Sachsen ließ sich von England inspirieren und führt seit November 2006 das dreijährige Modellprojekt „Lesestart – Mit Büchern wachsen“ durch. Aus den begleitenden Untersuchungen ging ebenfalls hervor, dass sich nun mehr Eltern zum Vorlesen Zeit nehmen als davor.

Warum ist das frühe Lesen so wichtig, wenn die Kinder noch nicht lesen können?

Sprechen lernen und Lesen lernen gehören eng zusammen. Beim frühen gemeinsamen Anschauen von Bilderbüchern fördern Sie die Sprachentwicklung, das Konzentrations- und Ausdrucksvermögen Ihrer Kleinen spielerisch und ganz nebenbei. Wenn Sie Ihrem Kind etwas erzählen, führen Sie schon eine Unterhaltung, auch wenn Ihr Kind noch nicht richtig sprechen kann. Ein Umfeld, in dem Kinder immer wieder zur Kommunikation angeregt werden, ist generell sinnvoll für ihre sprachliche Entwicklung.

Eltern können sich auf der Hompage www.lesestart-deutschland.de zu der Aktion informieren. Für interessierte Kinderärzte besteht dort die Möglichkeit, sich zu dem Projekt anzumelden und Bibliotheken können als Partner auch eigene Leseförderungsmaßnahmen auf der Seite veröffentlichen.

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