Störer, Schwätzer, Klassenclown

Abweichendes Schülerverhalten als Normalfall

Geschwatzt, mit Papier geworfen und geträumt wird in jedem Unterricht. Schüler können gar nicht anders. Abweichendes Verhalten ist der Normalfall. Wann es sich um einen Verstoß handelt, obliegt der Definitionsmacht des Lehrers.

Eigentlich verhalten sich nie alle Schüler Regelkonform und kaum einer kann von sich behaupten, sich immer an die Regeln gehalten zu haben. Denn geschwatzt, rumgekritzelt, usw. hat jeder schon einmal. Daraus lässt sich ableiten, dass abweichendes Verhalten keine Ausnahme ist, sondern der Normalfall in Schulen. Erst wenn die Lehrkraft einschreitet und sanktioniert, handelt es sich um einen Regelverstoß.

Wenn ein Lehrer oder eine Schulklasse auf eine bestimmte Verhaltensweise reagiert, dann fällt dieses Verhalten als abweichend auf. Schwatzen zwei Schüler, fällt das erst auf, wenn sie durch die Lehrkraft ermahnt werden oder von anderen Schülern gebeten werden leiser zu sein. Abweichendes Verhalten entsteht also in einem interaktiven Prozess zwischen einzelnen Personen oder Gruppen.


Wenn Störenfriede zu Störenfrieden werden

Wenn eine Schülerin oder ein Schüler nun als Störenfried ausgemacht sind, haben sie einen klaren Nachteil gegenüber ihren Mitschülern. Ihnen wird nämlich die Möglichkeit genommen sich abweichend zu verhalten!

Da nun alle Schülerinnen und Schüler täglich auf irgendeine Art und Weise sich abweichend verhalten, ist das die Normalität. Nur diejenigen welche als Störenfriede gebrandmarkt wurden, haben diese Option nicht mehr. Sobald sie sich non-konform verhalten, werden sie bestraft. Sie können sich gar nicht mehr normal verhalten.
Durch solche Zuschreibungen beginnt dann die abweichende Karriere.

Die Zuschreibung eines Störenfrieds oder Klassenclowns durch den Lehrkörper drängt die betroffenen Schülerinnen und Schüler dazu, diese Rolle anzunehmen. Den Betroffenen wurde nun ein Etikett aufgedrückt, welches ihnen einen neuen Status verleiht.

Das Etikett drängt den Schüler dazu sich so zu verhalten, wie es der Lehrer definiert. Nach einer gewissen Zeit erwarten auch die Mitschüler dieses Verhalten. Etikettierung führt zu einem Teufelskreis von Zuschreibung und Reaktion.

Häufig sind solche Schülerinnen und Schüler unter den Leistungsschwachen zu finden. Die Bildungsforschung hat gerade bei diesen Schülern die Tendenz festgestellt, sich selber als als Abweichler zu typisieren und dadurch die Zahl der Regelverstöße zu erhöhen. Im Schlimmsten Fall werden solche Schülerinnen und Schüler ausgesondert, d.h. auf eine untere Schulform abgeschoben.

Was störend ist und was nicht obliegt der Definitionsmacht der Lehrkraft. Ist lautes Reden eine Störung oder ein Kommunikationbedürfniss? Da Unterricht meistens Ruhe braucht, wird es wohl eher als Störung angesehen. Aber ein unruhiges Verhalten kann einem Lehrer auch signalisieren, dass sein Unterricht nicht interessant ist und er daran arbeiten muss.

Klassenclowns und Störenfriede werden nicht als solche geboren. Sie fangen irgendwann diese Rolle zu spielen.

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