Patchworkprobleme

Das Kind will Mamas Neuen nicht akzeptieren

Wenn sich das Kind mit allen Mitteln dagegen wehrt, den neuen Lebenspartner der Mutter zu akzeptieren, kommt eine schwierige Zeit auf die ganze Familie zu. Hier bekommen Sie ein paar Tipps, die Ihnen in der Situation helfen können.

Die neue Beziehung eines Elternteils kann sich sehr unterschiedlich auf die Familienkonstellation auswirken. Manche Familien fügen sich einigermaßen reibungslos zu einer Patchworkfamilie, während sich in anderen Familien kleine Tragödien abspielen.

Dass Kinder einem neuen Partner zunächst mit Zurückhaltung begegnen, ist ganz normal. Häufig reagieren sie anfangs auch mit Eifersucht und einer abwehrenden Haltung, weil sie Mamas neuen Freund als einen Eindringling betrachten. Dahinter verbergen sich verschiedene Ängste und Befürchtungen.

Kinder haben zum Beispiel Angst, dass der leibliche Vater verdrängt werden könnte. Manche Kinder, die lange mit der Mutter allein gelebt haben, wollen sie manchmal auch zunächst nicht teilen oder haben Angst, nun auch noch die Mutter zu verlieren.

Diese anfänglichen Ängste können oft in klärenden Gesprächen überwunden werden. Manchmal lehnen Kinder den neuen Partner aus Eifersucht oder Egoismus aber sehr lange und heftig ab. Es kann vorkommen, dass das Kind sich weigert, mit dem neuen Freund der Mutter zu sprechen oder etwas mit ihm zu unternehmen, wodurch die Familienharmonie ganz schön gestört werden kann.

Dies kann auch schlimmere Folgen haben. Martin A. aus Berlin berichtet: „Meine drei Brüder und ich konnten den neuen Freund unserer Mutter erst überhaupt nicht akzeptieren, so dass sie sich zeitweise wieder von ihm getrennt hat.“ Die Beziehung seiner Mutter hat diese schwere Zeit zwar überstanden, aber es gibt auch viele Fälle, in denen eine neue Liebe dadurch endgültig scheitert.

Was kann ich tun?

Es gibt kein Patentrezept, wie man auf die Eifersucht und Ablehnung eines Kindes reagieren sollte, aber ein paar Tipps, die Ihnen helfen können. Sie brauchen vor allem viel Zeit und Ausdauer. Reden Sie mit Ihrem Freund über die Probleme und bitten Sie ihn um Geduld. Sie sollten vor allem immer wieder mit Ihrem Kind über seine Ängste und Befürchtungen sprechen und sie ernst nehmen.

Verdeutlichen Sie Ihrem Kind, dass Sie die Ängste verstehen, dass sie aber unbegründet sind und zeigen Sie ihm mit viel Geborgenheit und Liebe, wie wichtig es ihnen ist. Wenn Ihr Kind den Partner als Konkurrenten sieht, sollten Sie ihm erklären, dass sich Ihre Mutterliebe durch die neue Beziehung nicht ändert. Zeigen Sie Ihrem Kind vor Ihrem Freund, wie sehr Sie es lieben, damit es merkt, dass der Neue kein Konkurrent ist.

Wenn Ihr Kind befürchtet, dass der leibliche Vater verdrängt werden könnte, sollten Sie ihm immer wieder erklären, dass dies nicht der Fall ist. Sie können Ihr Kind dazu auffordern, Ihrem neuen Freund etwas über den Vater zu erzählen, damit es merkt, dass der Vater auch weiterhin einen Platz in seinem Leben behält. Auch Ihr Freund kann dem Kind klar machen, dass er ihm nicht den Vater streitig machen möchte, auch wenn er die Befürchtungen des Kindes versteht.

Sie können auch mit dem leiblichen Vater über die Probleme reden. Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu ihm haben, kann auch er mit dem Kind über die Vorbehalte gegen seinen „Nachfolger“ sprechen. Auch die Oma oder eine andere Bezugsperson kann ein klärendes Gespräch mit dem Kind führen.

Sie haben auch die Möglichkeit, mit Ihrem Kind ein kindgerechtes Buch zu lesen, in dem Kinder erst Schwierigkeiten mit dem neuen Partner der Mutter haben und dann gut mit ihnen zurecht kommen. Solche Bücher zeigen Kindern, dass es anderen ähnlich geht und dass eine Patchwork-Familie auch Vorteile haben kann.

Heben Sie vor Ihrem Kind die Vorteile des Partners hervor, dass er zum Beispiel gut vorlesen oder Geschichten erzählen kann oder dass er bei den Hausaufgaben hilft. Wenn das Kind weiterhin stur bleibt, sollten Sie ihm erklären, wie wichtig ein neuer Partner für Sie ist. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie die ablehnende Haltung verletzt und dass Sie sich nicht erpressen lassen.

Verlieren Sie nie die Geduld, auch wenn sich Ihr Kind sehr lange sträuben sollte, denn wenn Sie mit Ärger reagieren, kann sich die Wut auf Ihren Freund steigern. Sollte sich die Lage aber partout nicht bessern, können Sie auch einen Familien- oder Kindertherapeuten aufsuchen.

Die Akzeptanz eines neuen Partners kann nicht erzwungen werden, aber im Allgemeinen gewöhnt sich ein Kind nach und nach an die neue Situation.

Angelina Kalden



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Kommentare

Anzeige: 1 - 2 von 2.
 

Ralf Indet

am 06. 2010-09-06 2010 um 10:45 Uhr

Ich bin ein Vater, der es sehr gerne sehen würde, wenn der Lebensgefährte meiner ehemaligen Frau wenigstens mal ein Buch in die Hand nehmen würde, meiner Kleinen vorlesen würde oder irgendetwas machen würde, was meiner Tochter signalisiert, dass sie nicht nur ein Zimmer in seinem Haus hat. Ich kenne einige Patchworkfamilien und muss sagen, dass man dafür ein gewisses Talent braucht und es wirklich gut klappt, wenn beide ein Händchen für Kinder haben.

Wer nicht in der Lage ist, sich in eine Kinderwelt aktiv einzulassen, der sollte es mit der Patchworkfamilie lassen. Mit diesem Artikel habe ich den Eindruck, dass Kinder dem Drang der Eltern nach der grenzenlosen Selbstverwirklichung zu weichen haben. Zitat aus dem Artikel: "Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie die ablehnende Haltung verletzt und dass Sie sich nicht erpressen lassen." Sehen Sie es wirklich als Erpressung, wenn ein Kind mit einem neuen Partner nicht klar kommt?

Wenn ein neuer Lebensgefährte nicht mit Kindern umgehen kann oder keine Lust hat sich mit ihnen zu beschäftigen, dann sind die Probleme vorprogrammiert. Die Kindeseltern trauen sich dann nicht, dem neuen Lebenspartner einfach mal zu sagen, dass es in einer Patchworkfamilie nicht nur eine Paarebene gibt, man ist ja schließlich gerade erst zusammen und will nichts riskieren, geht auf Dauer untragbare Kompromisse ein, auf Kosten in der Kindebene. Sowas kann nicht funktionieren und die Reaktion des Kindes sollte dann verstanden und nicht als "Erpressung" empfunden werden.


Ralf Indet

am 06. 2010-09-06 2010 um 10:45 Uhr

Ich bin ein Vater, der es sehr gerne sehen würde, wenn der Lebensgefährte meiner ehemaligen Frau wenigstens mal ein Buch in die Hand nehmen würde, meiner Kleinen vorlesen würde oder irgendetwas machen würde, was meiner Tochter signalisiert, dass sie nicht nur ein Zimmer in seinem Haus hat. Ich kenne einige Patchworkfamilien und muss sagen, dass man dafür ein gewisses Talent braucht und es wirklich gut klappt, wenn beide ein Händchen für Kinder haben.

Wer nicht in der Lage ist, sich in eine Kinderwelt aktiv einzulassen, der sollte es mit der Patchworkfamilie lassen. Mit diesem Artikel habe ich den Eindruck, dass Kinder dem Drang der Eltern nach der grenzenlosen Selbstverwirklichung zu weichen haben. Zitat aus dem Artikel: "Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie die ablehnende Haltung verletzt und dass Sie sich nicht erpressen lassen." Sehen Sie es wirklich als Erpressung, wenn ein Kind mit einem neuen Partner nicht klar kommt?

Wenn ein neuer Lebensgefährte nicht mit Kindern umgehen kann oder keine Lust hat sich mit ihnen zu beschäftigen, dann sind die Probleme vorprogrammiert. Die Kindeseltern trauen sich dann nicht, dem neuen Lebenspartner einfach mal zu sagen, dass es in einer Patchworkfamilie nicht nur eine Paarebene gibt, man ist ja schließlich gerade erst zusammen und will nichts riskieren, geht auf Dauer untragbare Kompromisse ein, auf Kosten in der Kindebene. Sowas kann nicht funktionieren und die Reaktion des Kindes sollte dann verstanden und nicht als "Erpressung" empfunden werden.


 

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