Die Bindungstheorie

Die Auswirkungen der Bindung zwischen Kind und Eltern

Die Bindungstheorie beschäftigt sich mit verschiedenen Arten der Beziehung zwischen Kind und Eltern. Die Bindung zwischen Kind und Eltern ist unterschiedlich stark. Sie beeinflusst das Leben des Kindes maßgeblich.

Im Fokus der Bindungstheorie befindet sich die Entwicklung des Fühlens, Denkens und Handelns und dessen Zusammenhang mit dem Verhältnis zwischen Eltern und Nachwuchs. Entscheidend ist, wie Bezugspersonen sich verhalten, wenn beim Kind Kummer, Wut, Trauer und andere negative Emotionen auftreten. 


Definition von Bindung


„Bindung ist die Fähigkeit des Menschen, Sprache und andere Symbole zu gebrauchen, sein Vermögen, Pläne und Modelle zu entwickeln, eine lang andauernde Zusammenarbeit und endlose Konflikte mit anderen einzugehen, dies macht den Menschen zu dem, was er ist. All diese Prozesse haben ihren Ursprung in den ersten drei Lebensjahren“, erklärte der Mitbegründer der Bindungstheorie John Bowlby 1982.

Bindungen sind in den Gefühlen verwurzelt und bilden die Grundlage für menschliche Beziehungen. Somit sichert das dem Menschen angeborene Bindungsverhalten das Überleben des Kindes. Bereits Neugeborene sind in der Lage, ihre Bezugspersonen zu erkennen und von ihnen zu verlangen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. 

Von zentraler Bedeutung ist nun, wie persönliche Erlebnisse das Bindungsverhalten von Kindern beeinflussen. Sie machen unterschiedliche Erfahrungen mit ihren Bezugspersonen, prägen sich diese ein und bilden entsprechende Erwartungen bezüglich künftiger Interaktionen. Sprache, Gedächtnis, Emotionalität und Sozialverhalten werden von diesen Bindungserfahrungen stark beeinflusst. 

 
Rolle der Mutter


Die Psychologin Mary Ainsworth und ihre Kollegen entwickelten Ende der 1960er Jahre eine auf diversen Studien beruhende Verhaltensbeobachtung namens „Fremde Situation“. Diese teilt das Bindungsverhalten von Kindern in verschiedene Kategorien ein. Unterschiedliche Reaktionsarten von Kindern sind auf konkrete Bindungstypen rückführbar, was Rückschlüsse auf die Bindungsart zwischen Mutter und Kind zulässt: 

  • Sichere Bindung: Diese Kinder betrachten die Zuwendung der Mutter als verlässlich. Wenn die Mutter bei ihnen ist, erforschen sie die Umgebung. Verlässt die Mutter sie, so weinen oder schreien sie. Kehrt sie zurück, so beruhigen sich die Kinder schnell erkunden weiterhin ihre Umwelt.
  • Unsicher vermeidende Bindung: Hier besteht nur wenig Interaktion zwischen Kindern und Müttern. Geht die Mutter, reagieren die Kinder kaum und können schnell von einer fremden Person getröstet werden. Kehrt sie zurück, spielen sie weiter. Sie haben gelernt, dass ihr Bedürfnis nach Zuwendung von der Mutter zu wenig beachtet wird. Durch dieses Verhalten vermindern sie die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Bedürfnisse wieder unberücksichtigt bleiben. 
  • Unsicher ambivalente Bindung: Diese Kinder hängen sehr an ihrer Mutter und wollen selten spielen oder ihre Umwelt erkunden. Geht die Mutter weg, weinen und schreien sie viel. Kehrt sie zurück, wenden sich die Kinder ihr zu, sind aber auch wütend. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Zuneigung der Mutter sehr wechselhaft ausfällt. 
  • Desorganisierte Bindung: Hier ist bei den Kindern ein desorganisiertes Verhalten zu beobachten, etwa Erstarren oder Im-Kreis-Drehen. Beispielsweise läuft ein Kind der Mutter entgegen, hält dann plötzlich an und starrt vor sich hin. Dieses Verhalten ist verwurzelt in Angst vor der Bezugsperson – im schlimmsten Fall durch Misshandlungen – oder in ängstlichen Reaktionen der Bezugsperson in bestimmten Situationen. Besonders oft tritt Letzteres auf, wenn Eltern traumatische Erfahrungen gemacht oder eine Panikstörung haben und diese auf ihr Kind übertragen. Die Bezugspersonen können dem Nachwuchs somit keine effektiven Strategien im Umgang mit bestimmten Situationen vermitteln. Das Kind steht daher oft vor einer unlösbaren Situation und zeigt dann die beschriebenen desorganisierten Verhaltensweisen. 


Rolle des Vaters


Auch der Vater leistet einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Bindungsverhaltens. Im Optimalfall ist er ein sensibler Spielkamerad und unterstützt das Kind bei der Erforschung der Umgebung. Beispielsweise hilft er dem Nachwuchs beim Klettern auf Bäume oder beim Erkunden von Höhlen. Er fördert die Selbstständigkeit des Kindes und zeigt ihm, dass enge Bindungen, die das Kennenlernen der Außenwelt miteinbeziehen, möglich ist. 

Vielen Vätern fehlt es jedoch am nötigen Gespür. Ihnen gelingt es nicht, eine Balance zu schaffen zwischen Herausforderung und Unterstützung. Dies basiert oft auf der fehlenden Akzeptanz der Ängste und Schwächen der Kinder. Werden sie von ihrem Vater nicht genügend unterstützt, so werden sie ängstlich und unsicher. 


Fazit


Bereits in den ersten drei Jahren stellen Bezugspersonen die Weichen für die persönliche Entwicklung eines Kindes. Verhalten sie sich dem Kind gegenüber instabil, so können sie ihm erheblichen Schaden zufügen. Ein sensibler und ausgewogener Umgang ist daher äußerst wichtig. 

Henry Kasulke

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