Wie viel Fernsehen vertragen Kinder?

Das flimmernde Streitobjekt

An der Frage, ob und wie viel Zeit Kinder vor dem Fernseher verbringen sollten, scheiden sich die Geister. Kritiker sehen darin keine Lernhilfe, sonder eine Ursache für zum Teil gravierende Defizite in der Entwicklung von Kindern.

So belegt eine Studie der Uni Freiburg einen Zusammenhang zwischen hohem Fernsehkonsum und nachlassenden Schulleistungen. Die Ursachen dafür liegen demnach in einem verringerten Wortschatz und Sprachgebrauch, der durch das passive Verhalten vor dem TV-Gerät nicht hinreichend gefördert werde.

In gleichem Maße nehmen nach Beobachtungen des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland Hyperaktivität und Bewegungsfaulheit bei Kindern, die häufig fernsehen, stetig zu.

Medienpädagogen halten zuweilen dagegen, dass Fernsehen in einer Kommunikationsgesellschaft dem Erwerb sozialer Intelligenz diene und damit unabdingbarer Bestandteil einer ganzheitlichen Erziehung sei. Oft verfügten Kinder über eine größere Medienkompetenz als Erwachsene. Ob diese Einschätzung für Eltern ein Trost ist, die wegen des leidigen Themas im Dauerclinch mit ihrem quengelnden Nachwuchs liegen, sei dahingestellt.


Im Durchschnitt 100 Minuten TV am Tag

Ein Blick in vorliegende Statistiken zeigt, dass dieser Streit am unbestrittenen Lieblingsobjekt in Kinderzimmern geführt wird. Jedes dritte Kind unter dreizehn Jahren verfügt mittlerweile über ein eigenes TV-Gerät, vor dem es im Schnitt 100 Minuten am Tag verbringt. Somit kommt dem Fernsehgerät faktisch der Rang einer Erziehungsinstanz zu.

Niemand wird ernstlich behaupten, dass Kinder überwiegend die wenigen Programme verfolgen, die aus pädagogischem Antrieb für sie entwickelt worden sind. So bleibt Eltern, die halbwegs Kontrolle über das Fernsehverhalten ihrer Kinder behalten wollen, wohl nichts anderes übrig, als ihre eigenen Gewohnheiten zu überprüfen. Und zwar bevor sie für ihre Kinder Regeln aufstellen, die über einen längeren Zeitraum Bestand haben können.

Diese werden sicherlich je nach Alter der Kinder unterschiedlich streng gebündelt sein. Das Ziel: Gezielt und gemeinsam Sendungen zu schauen, nach deren Ende das Gerät abgeschaltet wird.

Im Idealfall bedeutet Fernsehen mit Kindern einen zeitlichen Mehraufwand, der ohnehin besser durch das Angebot alternativer Betätigungen ersetzt wird. Letztlich dreht sich die ganze Debatte um die Frage, wie viel oder wenig Zeit Eltern im Alltag mit ihren Kindern verbringen.

Thomas Müller

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