Autoritäre Erziehung

Methoden und Auswirkungen autoritärer Erziehung

Lange Zeit haben Kinder unter der autoritären Erziehung gelitten. Andererseits haben sie bei ihren eigenen Kindern dieselben Methoden angewandt und dadurch zum zweifelhaften Erfolg dieser Erziehungsmethode beigetragen.

Der familiäre Erziehungsstil ist oftmals Spiegel beziehungsweise Folgeerscheinung gesellschaftlicher Verhältnisse. So war die autoritäre Erziehung besonders in den Zeiten des Kaiserreiches und des  Nationalsozialismus weit verbreitet. Gehorsam, Pflicht und Disziplin galten als oberste Tugenden. Sie wurden den Kindern sowohl in staatlichen Bildungs- und Erziehungsanstalten als auch innerhalb der Familien gepredigt beziehungsweise eingebläut.

Erst während der allgemeinen Protestbewegung Ende der 1960er Jahre kam es in Deutschland zu öffentlicher Kritik am autoritären Erziehungsstil. Im Zuge dessen wurden alternative Modelle propagiert und angewandt. Gegenwärtig betreibt man die autoritäre Erziehung weitaus seltener und in deutlich abgeschwächter Form. Dies ist dem Einfluss antiautoritärer beziehungsweise gemäßigter Strömungen zu verdanken.

Methoden autoritärer Erziehung

Autoritäre Erziehung ist geprägt von der Dominanz des Erziehers. Die Entscheidungs- und Verfügungsgewalt liegt allein bei ihm. Das Kind hat zu gehorchen, seine Meinung und Bedürfnisse werden kaum berücksichtigt. Es herrscht also eine streng hierarchische Grundeinstellung. Dabei geht der Erwachsene davon aus, dass das Kind der Führung bedarf und Freiheit nur zu Disziplinlosigkeit und Verrohung führen würde.

In autoritären Familienstrukturen ist der Umgangston oftmals rau und wenig herzlich. Das Verhältnis zum Kind ist entsprechend distanziert. Die Erziehungsmethoden haben überwiegend disziplinarischen Charakter. Alles ist darauf ausgerichtet, angebliches Fehlverhalten entweder zu verhindern oder zu bestrafen. Dazu werden viele und strenge Regeln aufgestellt und Anweisungen gegeben, was den Handlungsspielraum des Kindes stark eingrenzt.

Widerspruch wird nicht geduldet, auch Erklärungen gibt es nicht. Gehorcht das Kind nicht, wird mit Drohungen und zum Teil drastischen Strafen operiert. Auch üben autoritäre Eltern viel Kritik an ihren Kindern und setzen sie bei unerwünschtem oder erfolglosem Verhalten herab. Dadurch werden Kinder dauerhaft in eine Position der Schwäche und der Abhängigkeit gedrängt.

Auswirkungen autoritärer Erziehung auf das Kind

Eine autoritäre Erziehung kann sich in mancherlei Hinsicht negativ auf das Kind auswirken. Wie groß diese Auswirkungen sind, hängt zunächst davon ab, wie streng ein Kind erzogen wird, aber auch von der Anlage des Kindes. Manche sind von Natur aus empfindlicher als andere und leiden dementsprechend mehr unter der autoritären Erziehung. Folglich ist es sehr fragwürdig, wenn Eltern darauf verweisen, dass es früher viel schlimmer gewesen sei. Das hilft Kindern, die unter einer konkreten Erziehungssituation leiden, auch nicht weiter.

Eine Gefahr besteht darin, dass die Kinder auch im weiteren Leben von den Anweisungen und Entscheidungen anderer abhängig sind und dadurch unselbständig und unterwürfig bleiben. Damit verbunden sind häufig ein sehr geringes Selbstbewusstsein (bis hin zur Versagensangst) und mangelndes Vertrauen in die Mitmenschen (trotz der Abhängigkeit). Wenn die Meinungen und Bedürfnisse von Kindern innerhalb der Familie nicht angehört oder ausreichend berücksichtigt werden, haben die Betroffenen auch später große Probleme damit, Konflikte auszutragen beziehungsweise sich in Konflikten zu behaupten.

Andererseits besteht die Möglichkeit, dass autoritär erzogene Kinder starke Aggressionen entwickeln und später dazu neigen, gegen jedwede Form der Autorität zu rebellieren. Dabei treten sie mitunter selbst sehr autoritär auf, denn Menschen, die sich niemandem unterordnen wollen, verlangen häufig im Gegenzug, dass man sich ihnen unterordnet.

Das Gleiche verlangen jene, die das autoritäre Verhalten ihrer Eltern unreflektiert übernehmen. Bei solchen Menschen besteht auch eine Tendenz zu egozentrischem Sprachgebrauch, den sie von ihren Eltern übernommen haben. Worte wie „ich“, „mir“, „mein“ und „mich“ bestimmen dann die Rede der Betreffenden.

Denken in Hierarchien

Typisch für autoritär Erzogene ist auch das Denken in Hierarchien. Das gilt sowohl für die Menschen, die sich strikt gegen Autoritäten verwehren, als auch für diejenigen, die sich selbst gern unterordnen. In beiden Fällen wird der Wert eines Menschen häufig unter dem Gesichtspunkt von Herkunft, Rang oder Position bestimmt – einmal im positiven Sinne und einmal im negativen.

Wenn Kinder sehr wenig Freiraum haben und statt Zuspruch eher Anweisungen und Kritik von ihren Eltern bekommen, behindert dies die kreative Entfaltung der Kinder. Der mangelnde Austausch zwischen Eltern und Kind kann sich außerdem nachteilig auf die sprachlichen beziehungsweise kommunikativen Fähigkeiten des Kindes auswirken. Im Extremfall kann es bei autoritär erzogenen Kindern sogar zu ernsten psychischen Erkrankungen kommen – wie zum Beispiel Zwangsstörungen, Paranoia oder Sadismus.

Trotz alledem ist eine gewisse Einübung in autoritäres Verhalten nicht grundsätzlich zu verurteilen. Und das nicht nur, weil man es im alltäglichen Leben immer wieder mit autoritären Personen und Strukturen zu tun haben wird (beispielsweise im Beruf), sondern weil es in bestimmten Situationen einfach sinnvoll und notwendig ist, autoritär aufzutreten – natürlich unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit. So wäre es zum Beispiel wirklichkeitsfremd, wollte man eine Armee mit demokratischen Prinzipien führen (was auch immer man über die Armee im Allgemeinen denken mag).

Bedenklich wird es allerdings dann, wenn Autorität in Machtmissbrauch umschlägt. Wenn es also nur noch darum geht, sich selbst, auf Kosten anderer, Vorteile zu verschaffen. Autorität hat insofern immer auch mit Verantwortung zu tun. Eltern sollten sich fragen, ob die Ausübung ihrer Autorität in einer konkreten Situation wirklich angemessen ist und dem Wohl des Kindes dient. Oder ob sie nur ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen und einfach zu bequem oder zu gleichgültig sind, um auf die Bedürfnisse ihres Kindes einzugehen.

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