
Der Besuch der Schule ist für Kinder von enormer Bedeutung. Lebenspläne und Möglichkeiten werden durch den schulischen Erfolg oder Misserfolg entschieden. Da erstaunt es nicht, wenn in Schulen die Angst regiert.
Befragungen von Schülerinnen und Schülern zur Schule bringen immer die gleichen Antworten. An der Schule wird die fehlende Lebensnähe und das Bestehen sinnloser Regeln bemängelt. Zudem leiden viele unter dem schulischen Leistungsdruck.
Doch genau so funktioniert Schule. Die wenigsten Schulen schaffen es, Unterricht von abstrakten und von lebensfernen Inhalten zu befreien. Außerdem ist Schule durch Leistungs- und Rivalitätskonzepte geprägt.
Schulversagen
Schülerinnen und Schüler fühlen sich bei der Beurteilung ihrer Schulleistung immer als ganze Person bewertet. Schulnoten führen dementsprechend zur Auf- bzw. Abwertung einer Person. Deshalb steht das Selbstwertgefühl in direktem Zusammenhang mit dem Leistungsstand.
Nicht nur in der Schule hängt das Selbstwertgefühl von der Anerkennung bzw. Ablehnung durch andere Menschen ab. Oft trauen sich Kinder aufgrund von Sozialisationserfahrungen wenig zu und verfestigen dadurch ihr negatives Selbstbild.
Wie schon beschrieben, ist Schule nach Rivalitäts- und Leistungsprinzipien aufgebaut. Für die schulische Sozialisation bedeutet dies, dass sich ein Kind zwischen Können und Nichtkönnen bewegt und ständig bewähren muss. Hat ein Kind ein negatives Selbstbild, dann führen diese Bewährungssituationen zu Angst.
Die Wechselwirkungen zwischen negativem Selbstbild, schlechten Schulnoten und Angst führen zu einer problembehafteten schulischen Sozialisation. Kommt es dann zu Klassenwiederholungen, ist die Schullaufbahn verzögert und die Brüche werden deutlich sichtbar. Schülerinnen und Schüler haben dann mit Anerkennungsverlusten zu kämpfen und erfahren soziale Abwertung durch ihre Mitschüler und Gleichaltrige.
Schulverweigerung
Auch hier spielen Leistungs- und Konkurrenzdenken, aber auch die Benotung eine wichtige Rolle. Schulverweigerer fühlen sich dadurch in ihrem Selbstwertgefühl bedroht und meiden die Schule oder bleiben dem Unterricht dauerhaft fern. Sie können der Schule auch fern bleiben aus Angst vor anderen Kindern (z.B. Mobbing). Weitere Gründe sind in problematischen Familienverhältnissen zu finden.
Die Bildungsforschung unterscheidet vier Arten von Schulverweigerung:
Angst ist ein zentraler Punkt, wenn es um Schulversagen oder Schulverweigerung geht. Angst vor der Schule darf nicht nur auf Angst vor Mitschülern zurückgeführt werden. Schüler haben Angst vor der Institution Schule. In dieser wird einerseits gefördert, andererseits aber auch selektiert. Das Leistungs- und Konkurrenzdenken kann sich negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken – aber gerade Leistung wird bewertet.
Selbst junge Schülerinnen und Schüler erkennen die feinen Unterschiede zwischen den sozialen Schichten und welche Konsequenzen es für das Ansehen, aber auch für die Bewertung durch die Lehrer hat. Die Paradoxien in der Schule werden wohl nie überwunden und gerade deshalb sollten benachteiligte Schülerinnen und Schüler gefördert werden.
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