Studieren mit Kind

Spagat zwischen Seminar und Sandkasten

Uni-Stress und Nachwuchs unter einen Hut zu bekommen ist eine Herausforderung, die Zeitmanagement und Flexibilität erfordert. Damit studierende Eltern nicht verzweifeln, gibt es diverse Möglichkeiten der Unterstützung.

Das Studium als einen entspannten Abschnitt des Lebens und der Selbstverwirklichung zu sehen, ist spätestens seit der Umstellung auf die Bachelor- und Master-Abschlüsse vorbei. Es gilt, möglichst schnell fertig zu werden. Kinder groß zu ziehen hingegen benötigt Zeit, Ruhe und Geduld. Wer beides möchte, übt sich in einem Spagat zwischen Seminar und Sandkasten.

An den deutschen Universitäten und Fachhochschulen gibt es insgesamt rund 100.000 Studenten, die mindestens ein Kind haben. Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent (alte Bundesländer) und sieben Prozent (neue Bundesländer) aller Studierenden. Ob das Kind nun geplant war oder nicht, die meisten würden die Entscheidung, mit Kind an die Hochschule zu gehen, ein zweites Mal treffen, zeigen die Erhebungen der 18. Sozialerhebung des deutschen Studentenwerkes von 2006.

Zeitmanagement – das A und O

Dabei scheint insbesondere ein gut organisierter Tagesablauf das A und O zu sein, um die Doppelbelastung zu meistern, die vorhandene Zeit muss straffer aufgeteilt werden. Aber ohne Unterstützung von Dritten wird’s schwer, Kind und Campus zu managen. Es gibt Krippen und Kitas ganz in der Nähe des Campus', die zum Teil vom Studentenwerk betrieben werden und sich bei den Öffnungszeiten nach den Bedürfnissen der studierenden Eltern richten.

Der einzige Haken: Diese Plätze sind rar. Deshalb ist es ratsam, sich bereits während der Schwangerschaft um einen Platz für den Nachwuchs zu kümmern. Die flexible Kinderbetreuung stellt eine der größten Schwierigkeiten dar, weil es nach wie vor zu wenig Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren gibt. Eine Studie des Frauenforschungsinstitut der evangelischen Fachhochschule in Freiburg (2006) stellt heraus, dass für Studenten mit Kind die bislang angebotenen Betreuungsmöglichkeiten nicht ausreichend sind: 

„Kinderbetreuungseinrichtungen sollten für alle selbstverständlich nutzbar sein und besonders für Kinder unter drei Jahren. Es sollte nicht nur ein Recht auf Kindergartenplätze, sondern auch schon auf den Krippenplatz geben.“ 

Minus Studiengebühren, plus Betreuungszuschuss

Ist weit und breit kein Babysitter zu erreichen, werden Seminare ausfallen gelassen und Vorlesungen geschwänzt. Oder man organisiert sich eine Tagesmutter. Aber die kostet  natürlich Geld. Geld, von dem bereits Studenten ohne Kind nicht besonders viel haben. Doch zumindest in diesem Fall gibt es kurzem Unterstützung: Seit Beginn dieses Jahres gibt es eine Änderung beim BaföG, der einen monatlichen Betreuungszuschuss von 113 Euro fürs erste Kind und 85 Euro für jedes Weitere im Alter von bis zu zehn Jahren vorsieht. 

Das Bundesministerium Familie, Senioren, Frauen und Jugend (kurz bmfsfj) sagt dazu: „Durch den neuen Betreuungszuschlag soll erstmals die Vereinbarkeit von Ausbildung und Elternschaft gezielt gefördert werden. Mit diesem Betrag soll den Studierenden die Möglichkeit eröffnet werden, Fremdbetreuung für ihr Kind gezielt nach dem eigenen Bedarf, z.B. für Studienveranstaltungen außerhalb der Öffnungszeiten von Kindertageseinrichtungen auch am Abend oder am Wochenende in Anspruch zu nehmen.“

Sozialgeld für Kinder unter 14 Jahren

Daneben lässt sich beim Jugendamt ein Zuschuss für die Kosten von Tagesmüttern und Krippenbetreuung beantragen. Zusätzlich kann für Kinder unter 14 Jahren Sozialgeld beantragt werden, auch wenn die Eltern selbst von dieser Hilfe ausgenommen sind. Weiter müssen sich studierende Eltern keine Sorgen um die Studiengebühren machen, denn sie sind von der Zahlung verschont, bis der Nachwuchs 14 Jahre alt ist. Nicht zu vergessen ist das reguläre Kindergeld (154 Euro jeweils für das erste bis dritte Kind, 179 Euro für jedes weitere Kind). 

Schwangere Studentinnen können einen Mehrbedarf geltend machen und so eine zweckgebundene Einmalzahlung z.B. für die Erstausstattung beantragen. Wer in eine absolute finanzielle Notlage gerät, kann sich an die verschiedensten Mutter-Kind-Stiftungen wenden, wie beispielsweise „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ oder „Familie in Not“.

Auch was den Ablauf des Studiums angeht, gibt es für die jungen Eltern Unterstützung: BaföG-Empfängern wird mehr Zeit fürs Studium eingeräumt und in den meisten Fällen können Prüfungsbefreiungen bei der Prüfungskommission beantragt werden. Es lassen sich Urlaubsemester beantragen, in denen dennoch Scheine erworben und Prüfungen abgelegt werden dürfen. Dies hat den Vorteil, dass so so zumindest die offizielle Semesterzahl im Bereich der Regelstudienzeit einhalten lässt. Je nach Hochschule gibt es die Möglichkeit, ein Teilzeitstudium zu beantragen. 

Doch trotz aller Planung und Organisation ist klar: Mit Kind zu Studieren heißt, dass keine Woche wie die andere ist. Da stehen nach einer ruhigen Phase Exkursionen oder Gruppenarbeiten an, es gibt Blockseminare am Wochenende, Hausarbeiten zu schreiben und Prüfungen zu bestehen. Und manchmal kommt man einfach nicht darum herum, das Kleine mit in die Vorlesung zu nehmen. Die Dozenten und Professoren zeigen meist Verständnis dafür.

Hartnäckig von Amt zu Amt gehen zahlt sich aus

Detaillierte Informationen rund ums Studieren mit Kind gibt es bei den zuständigen Studentenwerken. Weitere Tipps und Tricks rund ums BaföG und weiteren Vergünstigungen kann der AstA (Allgemeiner Studentenausschuss) nennen und daneben bieten soziale und kirchliche Einrichtungen nützliche Ratschläge an. Eine Auflistung finanzieller Hilfeleistungen findet sich unter: www.sozialhilfe24.de

Wer es dann geschafft hat, sein Studium mit Kind erfolgreich zu meistern, der braucht sich auf dem Arbeitsmarkt nicht zu verstecken. Schließlich zeigt es dem künftigen Chef, dass man Belastungen stand hält und ein hervorragendes Organisationstalent ist. Die betreuungsintensivste Zeit der Kleinen ist zudem vorüber, man kann sich dem Beruf widmen und fällt nicht so wie manch andere kurz nach dem Einstieg in den Job wieder raus, weil die Familienplanung zumindest teilweise schon umgesetzt worden ist.

Diana Thomas

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