Der erste Freund

Jetzt müssen Eltern cool bleiben

Der erste Freund: Jetzt müssen Eltern cool bleiben

Der erste Freund: Jetzt müssen Eltern cool bleiben

Es ist soweit. Die Tochter hängt dauernd am Telefon und gackert hinter der Zimmertür. Bei Tisch bringt sie dafür keinen Ton heraus und verhält sich ganz anders als sonst. Weil ER jetzt in ihrem Leben ist: der erste Freund.

Nicht nur beim Kind herrscht nun Gefühlschaos. Auch für die Eltern bringt der erste Freund eine Menge Fragen mit sich. Wer ist der junge Mann an der Seite unserer Tochter? Wird sie von ihm geliebt oder nur ausgenutzt? Wie viel Zeit dürfen die beiden miteinander verbringen und werden Familie und Freunde, Schule und Hobbys in Zukunft vernachlässigt? Und schließlich die wichtigste Frage, gerade bei Beziehungen in jungem Alter: Wie weit darf die Liebe gehen?


Taktgefühl ist angesagt

Die typischen Konflikte vermeiden Eltern, indem sie ihre Sorgen beiseite schieben und versuchen, möglichst cool zu bleiben. Das heißt beispielsweise, immer ein offenes Ohr zu haben und sich mit voreiligen Kommentaren zurückzuhalten, auch wenn es schwer fällt. Denn wenn es um Beziehungen geht, wählen Kinder bevorzugt ihre Freunde als Ansprechpartner. Eltern können also dankbar sein, wenn die Tochter überhaupt etwas zu diesem Thema herauslässt. Auch penetrantes Nachfragen, und wenn es noch so sehr auf der Seele brennt, verkneift man sich lieber. Es ist durchaus denkbar, dass die Tochter aufgrund der neuen Situation ebenfalls verunsichert ist. Durch weitere Fragen wird sie sich womöglich bedrängt fühlen und komplett dicht machen.


Kontakt suchen

Durch die Nähe zur Tochter rückt auf einmal ein Fremder dicht an den Rest der Familie heran. Dies mag für die Eltern unangenehm sein, zumal der junge Mann einen so hohen Stellenwert bei ihrem Kind hat. Umso mehr sollten sie sich um ein baldiges Treffen mit dem Freund der Tochter bemühen. Spürt sie ehrliches Interesse ohne Vorurteile, wird sie nicht dagegen sein. Schließlich ist der erste Freund etwas Tolles und es macht froh und stolz, wenn Mutter und Vater den gefundenen Schatz einmal begutachten. Und wenn das Kennenlernen in einem lockeren Rahmen stattfindet und nicht zu lange dauert, kommt sicher auch der Freund damit gut klar. Generell gilt: stehen dem Freund Tür und Tor offen, haben die Eltern die Beziehung am besten im Auge.


Der erste Freund - nicht das erste Mal

Zu Beginn der Teenager-Zeit bestehen Beziehungen meist aus nicht mehr als Händchen halten oder gemeinsam ins Kino zu gehen. Dadurch haben Jugendliche die Chance, langsam in das Thema Liebe hineinzuwachsen. Dennoch ist es wichtig, früh aufzuklären und Fragen dem jeweiligen Alter angemessen zu beantworten. So lernt das Kind selbst einzuschätzen, wie weit es ist und was es will.

Ist der Freund einiges älter als das Mädchen, gibt es vom Gesetzgeber Regelungen, über die im Zweifel mit beiden gesprochen werden muss. Allerdings können auch hier Experten, wie zum Beispiel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, besorgte Eltern beruhigen. „Junge Männer sind bei ersten sexuellen Kontakten oft schüchtern und zurückhaltend“, erklärt der Diplom-Psychologe in der Online-Beratung (bke), Johannes Hahn, der seit mehr als drei Jahrzehnten im Bereich Erziehungsberatung sowie als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut tätig ist.


Sollte es doch Probleme geben

Stellen Eltern fest, dass das Kind Schule und soziales Umfeld stark vernachlässigt, müssen Regeln abgesprochen werden. Erst wenn Hausaufgaben und andere Pflichten erledigt sind, ist Zeit für den Freund da. Besteht die Gefahr, dass der Freund dem Kind nicht gut tut, ist es wichtig, offen darüber zu sprechen und das Kind für mögliche schlechte Einflüsse zu sensibilisieren. Jedoch nie mit Druck, da Verbote und Drohungen oft einen gegenteiligen Effekt erzielen. Wahrscheinlicher ist, dass das Kind von selbst darauf kommt, wenn es mehr Zeit mit dem Freund verbringt. 

In sehr problematischen Fällen wendet man sich an die örtlichen Erziehungs- und Familienberatungsstellen oder im Internet an die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (www.bke.de). In diesem bundesweit einmaligen Angebot werden Eltern und Jugendliche von ausgebildeten und erfahrenen Fachkräften kostenlos und streng vertraulich beraten.

Bei allen Sorgen und Befürchtungen hilft es Müttern und Vätern vielleicht, an ihre eigene erste Liebe zurückzudenken und zu überlegen, ob es Konflikte gab und wie die Perspektive ihrer Eltern damals gewesen sein könnte. Auch, wenn es schon eine ganze Weile her ist: daran erinnert sich jeder!

Barbara Benz

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