Gewalt an Kindern

Ein Klaps schadet nicht?

Es herrscht im Allgemeinen Einigkeit darüber, dass Kinder nicht so sehr geschlagen werden sollten, dass sichtbare Spuren hinter bleiben oder sie nach der Züchtigung physische Schäden davon tragen. Doch wo genau fängt Gewalt an? Eine Definition.

Gewalt kann man in vielerlei Formen erleiden. Einerseits gibt es die physische Art von Gewalt in Form von Schlägen oder anderen Misshandlungen. Andererseits die psychische Gewalt, auch Mobbing genannt. Diese Opfer werden ausgegrenzt, gestichelt oder kritisiert.


Züchtigung


Dass Kinder durch körperliche Züchtigung erzogen werden, stellte früher für viele Eltern eine Selbstverständlichkeit dar. Heute wird ein Klaps auf dem Po von den meisten Eltern toleriert. Wobei ein zu starker Klaps oder das Schlagen ins Gesicht wiederum für viele zu weit geht. Wo ist die Schwelle, die nicht überschritten werden sollte?

Erst 1958 wurde das Züchtigungsrecht des Vaters in Deutschland abgeschafft. Aber nicht, weil es gegenüber Kindern als ungerechtfertigt angesehen wurde, sondern weil es dem Gleichstellungsgesetz von Mann und Frau nicht entsprach.

Die Folge war, dass ab 1958 das elterliche Züchtigungsrecht in Kraft trat, welches beide Elternteile miteinschloss. Das Züchtigungsrecht der Bundesrepublik Deutschland wurde in den Schulen1973 abgeschafft.


Was gilt als Misshandlung?

Eine Misshandlung zu definieren ist nicht leicht. Schläge zählen zu Misshandlungen, doch welche Art von Schlägen sind das? Eindeutige Formen von Misshandlungen sind die Verweigerung von Nahrung und Trinken. Alles, was unter eine böswillige Vernachlässigung fällt. 

Gewalt ist aber auch, wenn ein Kind mit ansehen muss, wie ein Elternteil geschlagen wird. Starken Konflikten ausgesetzt zu sein, belastet ein Kind sehr. Das Verhalten eines Kindes wird auch durch traumatische Situationen geprägt und kann dazu führen, dass das Kind das selbe Verhalten als Erwachsener zeigt oder erduldet. 

Es gibt jedoch viele Situationen aus dem Alltag, welche jedem bekannt sind, die nicht so einfach in die Kategorien „Schlagen“ oder „nicht Schlagen“, eingeteilt werden können.  

Ein Kind liegt tobend am Boden und möchte unbedingt das verführerische Spielzeug haben. Die Mutter ist mit den Nerven am Ende und weiß nicht, wie sie ihr Kind von seinem Willen abbringen kann. Plötzlich rutscht ihr die Hand aus, weil sie keinen anderen Weg sieht. 

Ist die Ohrfeige oder der Klaps auf den Po, der in so einer Situationen zur Erreichung des Erziehungszieles angewendet wird angebracht oder handelt es sich hierbei um eine entwürdigende Erziehungsmaßnahme?


Statistik

Der Durchschnitt von bundesweiten Misshandlungen liegt bei vier Fällen pro Hunderttausend Einwohnern. In Berlin ist die Zahl deutlich höher, nämlich bei sechs Fällen pro Hunderttausend Einwohnern. Diese Zahlen stammen lediglich von erfassten Fällen, die Dunkelziffer ist weitaus höher. 

Die Zahlen variieren, je nach Bereitschaft zur Meldung von Misshandlungen. Umso mehr Fälle in einem Bundesland gemeldet werden, umso höher ist auch deren Zahl der erfassten Misshandlungen.


Misshandlung als Unterschichten-Problem


Misshandlungen zeigen sich verstärkt bei Menschen, die keine wirtschaftlichen Perspektiven haben. Denn die Situation der Eltern, wie Stress und Isolationen, sowie Alkoholmissbrauch, wirkt sich unmittelbar auf die Kinder aus. 

Kinder aus Unterschichten geben mit 60 Prozent an, Opfer von Gewalt oder Mobbing zu sein. Während die Zahl bei Kindern aus der Oberschicht bei 27 Prozent liegt (Quelle: World Vision Studie 2007). 

Wobei Jungen deutlich häufiger Opfer von körperlicher Gewalt werden. Wiederum werden Mädchen öfter von sexuellem Missbrauch bedroht (Quelle: Unicef „Gewalt gegen Kinder").

Wanda Steinmetz

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