Abschied vom fehlgeborenen Kind

Plötzlich nicht mehr schwanger

Werdende Eltern durchleben durch ein Wechselbad der Gefühle. Unsicherheiten und Wunschvorstellungen gehen mit den körperlichen Veränderungen der Mutter einher. Plötzlich kommt es zu Komplikationen. Das Kind geht verloren.

In manchen afrikanischen Religionen werden Kinder, die ihre eigentliche Welt verlassen, um nur kurz ihre irdischen Eltern zu besuchen, Geisterkinder genannt. Sie trafen ein Abkommen mit der Geisterwelt, so schnell wie möglich zurück zu kehren. Die irdischen Eltern veranstalten Zeremonien, die das Bann zwischen ihrem Kind und der Geisterwelt lösen soll, verbunden mit der Hoffnung, dass es bei der Wiedergeburt länger bleibt.

Im deutschsprachigen Raum nennen wir Kinder, die nur für kurze Zeit lebend oder tot zur Welt kommen, Sternenkinder. Manche Eltern nennen ihre verstorbenen Kinder auch Schmetterlingskinder. Viel zu kurz ist das Glück, die Vorfreude auf ein gemeinsames Leben, welches die hinterbliebenen Eltern empfinden. Umso schmerzvoller und anhaltender ist ihre Trauer, ihre Wut über den Verlust und verschieden die Verarbeitung.

„Genau heute vor einem Jahr musste ich unser Wunschbaby in der
achten Schwangerschaftswoche hergeben“, schreibt eine junge Frau in einem Internetforum für betroffene Eltern. „Mir war während der ganzen Schwangerschaft nicht gut. Übelkeit, Fressanfälle und die anderen üblichen Beschwerden. Ich wollte das sie aufhören, aber nicht dass du uns viel zu früh verlässt.“

Eine andere Frau schreibt: „Hallo, ich brauche im Moment ein bisschen Hoffnung und Mut. Ich bin 26 Jahre alt, habe noch kein lebendes Kind. Ich hatte dieses Jahr im Mai eine Fehlgeburt in der zwölften Schwangerschaftswoche (SSW) und hatte schon das Gefühl daran zu zerbrechen. (...) Vor drei Wochen hatte ich wieder eine Fehlgeburt, beides Male 'missed abortion', ich habe nichts gemerkt, nur beim Ultraschall waren keine Herztöne mehr da.“

Während der neun Monate, in denen das neue Leben heranwächst, gehen die werdenden Eltern durch ein Wechselbad der Gefühle. Kaum ein anderes Ereignis beschäftigt Männer und Frauen so sehr wie eine Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt. Träume, Wunschvorstellungen, aber auch Bangen und Unsicherheit gehen Hand in Hand mit den körperlichen Veränderungen der Mutter. Doch bis zu einem Viertel aller Schwangerschaften enden mit dem Tod des werdenden Kindes.


Mögliche Ursachen

  • Infektionen
  • Fehlbildungen
  • Besonderheiten der Chromosomen
  • Mangelversorgung
  • Schwangerschaftsabbruch (z.B. aufgrund einer Pränataldiagnostik)
  • körperliche Gewalt
  • psychosoziale Gründe wie z.B. Krieg, Stress usw.


Seitens der Väter sind es Missbildungen des Spermas sowie genetische Störungen, die zu einem Abort führen können. Dem Zufolge beruhen viele der Frühgeburten wahrscheinlich auf fehlerhaften Entwicklungen des Embryos. Es ist also eine durchaus sinnvolle Reaktion des Körpers, es nicht weiterwachsen zu lassen. Doch dieser von Generation zu Generation übermittelte Erklärungsversuch tröstet nicht wirklich über den tatsächlichen Verlust.

Es gibt Fälle, da stirbt das Kind im Mutterleib. Wehen setzen nicht immer ein und es muss auch nicht zu den sonst üblichen Blutungen kommen. Wenn überhaupt, fällt Müttern auf, dass sich das Kind nicht mehr bewegt. Nicht selten wird erst beim Arzt der Kindstod in der Gebärmutter durch Ultraschall festgestellt. In diesem Fall wird die Geburt medikamentös eingeleitet. In der Regel bringt die Mutter das tote Kind auf "natürlichem" Weg zur Welt, was für die betroffene Frau äußerst belastend ist.

Unvorhergesehene Blutungen in der Schwangerschaft sollten immer ein Grund sein, einen Arzt aufzusuchen. Handelt es sich um die Symptome einer Fehlgeburt und kann diese nicht aufgehalten werden, so muss die begonnene Geburt so schnell wie möglich beendet werden, damit die Mutter keine Komplikationen erleidet. Der Erfolg weiterer Schwangerschaften hängt entscheidend von der Klärung der Abortursache ab.


Die Beerdigung

Auch wenn im Todesfall begriffliche Spitzfindigkeiten für trauernde Eltern keine Rolle spielen, werden zur Bezeichnung ob Totgeburt oder Fehlgeburt genaue Regelungen getroffen, die wiederum eine Rolle im Umgang mit dem verstorbenen Baby haben.

Eine Totgeburt liegt vor, wenn das geborene Kind mindestens 500 g wiegt und im Mutterleib (intrauterin) oder während der Geburt verstorben ist. Dies ist meldepflichtig und berechtigt gleichzeitig zur Bestattung. Die Mutter erhält für ihr totgeborenes Kind eine Geburtsurkunde und einen Totenschein. Die Eltern haben das Recht, dem Kind den Namen der Mutter oder - bei Namensungleichheit - des Kindsvaters zu geben. Verstirbt ein Kind mit einem Geburtsgewicht von unter 500 g, nennt man dieses Ereignis Fehlgeburt.

Lange Zeit spielte die Unterscheidung zwischen Fehlgeburt auf der einen und Totgeburt auf der anderen Seite eine Rolle, wenn Eltern ihr totes Kind beerdigen wollten. In vielen Orten war die Beerdigung von Fehlgeburten nicht möglich, die von Totgeburten aber schon. Mittlerweile soll sich die Einsicht durchgesetzt haben, dass auch Eltern, die ihr Kind durch eine Fehlgeburt verloren haben, einen Ort zum Trauern benötigen.

Diese Kinder können in den meisten Bundesländern auf Wunsch der Eltern bestattet werden, auch wenn es keine entsprechenden Gesetze, sondern nur Empfehlungen der zuständigen Gremien gibt. Zu empfehlen ist, dies mit dem zuständigen Ansprechpartner des örtlichen Friedhofsamtes zu klären.


Trauer zulassen

Viele Frauen geben sich an der Fehlgeburt selbst die Schuld und quälen sich mit Vorwürfen. Eine psychologische Betreuung ist in dieser Phase besonders sinnvoll. Besonders bei Paaren muss berücksichtigt werden, dass beide Elternteile unter dem Verlust leiden, ihn sehr oft unterschiedlich verarbeiten. Durch Schuldgefühle entstehen Spannungspotentiale, die der Beziehung schaden und eine weitere erfolgreiche Schwangerschaft verkomplizieren.

Sehr viele trauernde Mütter und Väter nutzen das Internet als Erstkontakt zu anderen betroffenen Eltern. In den ersten Phasen erleben sie die durch die gebotene Anonymität vereinfachte Verständigung als sehr heilsam und fühlen sich mit der Zeit gestärkter, auch anderweitige Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Unabhängige medizinische sowie psychologische Beratung leistet Pro Familia, Caritas und Donum Vitae. Diese und andere Beratungsstellen bieten auch Betreuung nach Fehlgeburt, Abbruch und während einer erneuten Schwangerschaft an.


Wieder Schwanger

Die Verarbeitung des Verlustes ist sehr individuell und die Angst vor einem weiteren tragischen Ereignis wie dem Geschehenen ist groß. Dennoch besteht in den meisten Fällen kein medizinischer Grund zur Annahme, dass eine weitere Schwangerschaft ebenfalls mit einer Fehlgeburt bzw. Totgeburt endet. Zwar steigt bei Frauen, die zwei Fehlgeburten gehabt haben, allein schon statistisch das Risiko an, allerdings können die Gründe für die Fehlgeburten jeweils andere sein.

Grundsätzlich gibt es keine Regeln dafür, wie schnell eine Frau nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden sollte. Im obigen Beispiel können wir erfahren, dass es offensichtlich Frauen gibt, die es sehr schnell wieder versuchen, andere brauchen Monate oder Jahre, bevor sie sich einem solchen Schritt zuwenden.

Antje Schulz

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