Kinderwunsch bei Erbkrankheit

Einsame Entscheidung für betroffene Paare


„Hauptsache, es ist gesund“, ist ein Satz, der während einer Schwangerschaft oft fällt. Aber wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass das Kind nicht gesund ist, weil eine Erbkrankheit in der Familie vorliegt, fällt die Entscheidung für ein Kind schwer.

Ein Kind zu bekommen bringt eine Menge Verantwortung mit sich. Viele Eltern fragen sich, ob ihre finanzielle Situation sicher genug ist, um einem Kind alles nötige bieten zu können. Doch manche Eltern plagen noch andere Gedanken, nämlich, ob ihr Kind gesund sein wird. 

Ist ein Partner von einer Erbkrankheit betroffen, ist die Entscheidung für ein Kind nicht einfach. Je nachdem, wie schwer die Krankheit ausfällt und wie sie vererbt wird, müssen sich die Eltern überlegen, ob sie das ihrem Kind zumuten möchten. 


Ein Beispiel: das Marfan-Syndrom

Nehmen wir als Beispiel das Marfan-Syndrom, eine Erbkrankheit, die das Bindegewebe betrifft. Herz (Herzklappenfehler), Gefäße (Aorta-Erweiterung), Augen (Linsenluxation), Wirbelsäule (Skoliose) u.a. können durch die Krankheit beeinträchtigt sein. Das Marfan-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt. Das heißt, wenn ein Partner von der Krankheit betroffen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit der Vererbung bei 50 Prozent, ist also ziemlich groß. Die Krankheit an sich kann sehr unterschiedlich ausgeprägt ausfallen. 


Bewusste Entscheidung für ein Kind

Angesichts der Tatsache, dass die Krankheit so unterschiedlich ausfallen kann, ist die Entscheidung für ein Kind schwierig. Wenn bei dem betroffenen Elternteil die Krankheit nur leicht ausgeprägt ist, und er ohne Einschränkungen lebt, kann ein Kind trotzdem schwerer betroffen sein. Genauso kann es andersherum sein, ein schwer betroffenes Elternteil bekommt ein nur leicht betroffenes oder gesundes Kind. Sicher ist nur, dass nichts vorhersehbar ist.

Deshalb ist auch die Meinung von Ärzten zwar wichtig, aber sie sehen meist nur die medizinische nicht die menschliche Seite. So können sie über Risiken aufklären, den Betroffenen aber nicht die Entscheidung abnehmen. Die meisten Ärzte leben selbst nicht mit einer Erbkrankheit und können die Entscheidung vielleicht nicht nachvollziehen.

Wenn sich die Partner für ein Kind entscheiden, sollten sie sich nicht vor den Ärzten oder der Umwelt rechtfertigen müssen. Unterstützung bei der Entscheidung finden die Eltern vielleicht bei einer Selbsthilfegruppe, wo sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können.

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