Plötzlicher Kindstod

Alles war so friedlich

Ein gesundes Kind, ohne Anzeichen auf irgendwelche Krankheiten wird leblos im Bett gefunden. Zur unsäglichen Trauer der Eltern kommt die Ratlosigkeit der Ärzte über das grausame Phänomen Plötzlicher Kindstod.

Viele Erklärungsversuche, Theorien und einzelne Forschungsergebnisse versuchen, ein Bild vom Unfassbaren zu machen.

Haben werdende Eltern, die Risiken der Schwangerschaft hinter sich gebracht, setzt auch schon neues Bangen ein. Alle haben schon irgendwie davon gehört, wissen es aus Erzählungen Anderer oder tragischer Weise aus der eigenen Familie „ ... und morgens lag sie reglos in ihrem Bett und sah ganz friedlich aus. Nur das Blut an ihrer Nase zeigte uns, dass etwas nicht stimmte.“, berichtet ein trauernder Vater.

Viele schieben die Befürchtung, es könne auch ihrem Kind zustoßen, weit von sich. Andere können die Angst nicht mehr kontrollieren und sitzen bangend am Bett ihres Neugeborenen.

Der plötzliche Kindstod stellt eine große Herausforderung für die medizinische Forschung in der Kinderheilkunde dar. Obwohl durch diverse Aufklärungskampagnen zu geeigneten Vorsorgemaßnahmen, die Zahl der verstorbenen Säuglinge drastisch gesunken ist, stirbt durchschnittlich immer noch 1 Baby pro Tag. Das sind ungefähr 0,04 % im Vergleich zur Gesamtgeburtenrate in Deutschland.

Es wurden bereits diverse Untersuchungen zur Schlafumgebung des Kindes durchgeführt, die im Ergebnis immer wieder auf folgende Risikofaktoren hinweisen:

  • Rauchende während der Schwangerschaft – auch passiv (Schadstoffe in der Luft und im Blut des Ungeborenen)
  • Rauchende Eltern (Schadstoffe in der Luft)
  • Überwärmung des Säuglings (Kreislaufstörungen, Schwitzen)
  • Behinderung der Atmung durch Schlafposition (Bauchlage)
  • Überdecken oder ungenügende Luftzirkulation 


Einige Forscher sind davon überzeugt, dass der plötzliche Kindstod durch giftige Gase, die aus der Baby-Matratze aufsteigen und somit Herztätigkeit und Atmung des Babys lähmen, verursacht wird. Tatsächlich erreichten Untersuchungen in Neuseeland, bei denen Matratzen von 100 000 Babys mit einer Folie aus reinem Polyethylen umwickelt wurden, dass es zu keinen plötzlichen Kindstod mehr kam.

Baby-Matratzen enthalten in ihren Materialien Substanzen, aus denen ein sonst harmloser Haushaltspilz extrem giftige Gase freisetzen kann. Solche Substanzen finden sich nicht nur in zugesetzten Weichmachern und Flammschutzmitteln, sondern von Natur aus auch in Schafwolle, Baumrinde, Kokosfasern und Kapok. Der Pilz ist besonders aktiv in einem leicht feuchten Milieu und der Ausstoß an giftigen Gasen erhöht sich mit steigender Umgebungstemperatur. Diese Ergebnisse konnten ebenfalls zweifelsfrei durch einen britischen Chemiker bestätigt werden.

Diverse Anbieter geprüfter Baby-Waren berücksichtigen in ihren Angeboten diese Resultate. Eltern sollten sich keinesfalls scheuen, im Handel nach Details zu fragen. Abgeraten wird zunehmend von gebrauchten Dingen, wie bspw. einer Matratze.

Die Ergebnisse einer neueren Untersuchung aus Chicago weisen darauf hin, dass beim plötzlichen Kindstod ein Notfallprogramm für die Atemkontrolle im Gehirn aussetzt. Die amerikanischen Forscher untersuchten den Steuermechanismus der Atmung, der durch zwei Gruppen von Nervenzellen im Gehirn geregelt wird. Die eine Gruppe übernimmt den regelmäßigen Grundrhythmus des Atmens und die andere sorgt im Notfall u.a. für das Schnappen nach Luft.

Normalerweise arbeiten beide Gruppen zusammen und sorgen für das gleichmäßige Atmen. Wenn jedoch der Sauerstoff knapp wird, reduziert sich der Grundrhythmus und das Luftschnappen setzt ein. Um zu verstehen, dass ein Notfall eingetreten ist kommunizieren diese Nervenzellen, veranlasst durch ein Botenstoff namens Serotonin, miteinander. Dieser Neurotransmitter sorgt für die Aktivierung der Nervenzellen, die das Luftschnappen bei Sauerstoffmangel einleiten. Funktioniert diese Art der Kommunikation nicht, also die lebensnotwendige Aktivierung des Notfallprogramms setzt nicht ein, hat es für den Menschen fatale Folgen. Der zwangsläufig entstehende Sauerstoffmangel, kann nicht mehr durch schnelles Atmen ausgeglichen werden.

Bereits durch frühere Studien ist bekannt, dass bei den verstorbenen Kindern die Menge des Botenstoffs Serotonin im Atemzentrum des Gehirns reduziert war. Durch die neuen Ergebnisse gelang es beide Befunde miteinander zu verbinden. Fehlt den Zellen der Botenstoff, reduziert sich die Anzahl der keuchenden Atemzüge bei Sauerstoffmangel von normalerweise zwanzig auf lediglich zwei oder drei Mal pro Minute. Dies reicht für ein schlafendes Baby nicht aus aufzuwachen, so die Forscher.

Unter normalen Umständen hat ein zu niedriger Serotoninspiegel keinen Einfluss auf den Atemrhythmus eines Babys. Kommt es jedoch beispielsweise beim Schlafen auf dem Bauch oder durch Beeinträchtigung der Atemwege zu akutem Sauerstoffmangel, also einem Notfall, sorgt erst der Serotoninmangel für ein fehlerhaftes arbeiten. Möglicherweise könnte demnach die Bestimmung des Serotoninspiegels dabei helfen, gefährdete Kinder zu erkennen und gezielt zu überwachen. Nur sind noch keine geeigneten Verfahren bekannt. 

Diesbezügliche Möglichkeiten sind mit einem Arzt oder Ärztin unbedingt abzuklären. Die beste Vorsorge ist und bleibt die Schlafumgebung gefahrenfrei zu halten. (as)

Antje Schulz

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