Hochbegabte Kinder in der Schule

Hochbegabung – ein Fluch und ein Segen

Im deutschen Schulsystem gibt es etwa 7122 hochbegabte Kinder in den Klassenzimmern. An den etwa 760 Schulen in Berlin werden jeweils circa neun Hochbegabte unterrichtet. Aber was genau heißt es hochbegabt zu sein?

Die kleine Leonie ist gerade sechs Jahre alt geworden. Die Einschulung steht kurz bevor und Leonie freut sich schon sehr auf die Schule. Im Alter von vier Jahren hat ihre Mutter einen Intelligenztest mit ihr durchführen lassen, da es immer wieder Auffälligkeiten in dem Verhalten ihrer Tochter gab. So hat Leonie bereits im Alter von 8 Monaten einige Wörter und Sätze sprechen können und die Wissbegierde kannte keine Grenzen. Das Puzzeln bereitete Leonie bereits im Alter von 10 Monaten einen großen Spaß. Nur schlafen wollte Leonie nie so richtig viel und das hielt ihre Mutter ziemlich auf Trab.

Heute haben Leonies Eltern endlich die Gewissheit, nachdem sie eine wahre Odyssee hinter sich haben. Zunächst diagnostizierte der Kinderarzt bei einer normalen Untersuchung ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom oder Aufmerksamkeitsdefizitstörung), da er aus Leonies auffällig lebhaftem Wesen eine Hyperaktivität schloss. Doch damit gab sich Leonies Mutter nicht zufrieden, denn schließlich sitzt ihre Tochter manchmal stundenlang an ihrem Schreibtisch und arbeitet höchst konzentriert ihre Aufgabenhefte durch. So etwas würde ein ADS-betroffenes Kind gar nicht schaffen. Erst die Diplom-Kinder-Psychologin, die sich auf Hochbegabung spezialisiert hat, konnte Aufschluss geben.

Ein großes Problem für Hochbegabte lautet Langeweile

Hochbegabte Kinder haben es in der Schule sehr schwer, da sie oftmals mit den zu erledigenden Aufgaben als erste fertig sind und sich dann langweilen. Auch die Aufgaben als solche sind für Hochbegabte häufig ein Problem, denn gerade am Anfang der Schulzeit müssen die Schüler beispielsweise einen Lückentext ausfüllen, wo es heißt, zwei Adjektive zusammenzuführen. Gerade bei diesem Typ von Aufgaben kann es zu Missverständnissen kommen, da die Kinder viel weiter denken können und somit die „Einfachheit“ der Aufgabe überspringen und die Lösungen auf ihre Weise schreiben. Dies wiederum wertet der Lehrer als Themaverfehlung und schon beginnen die Probleme. Da die Kinder oftmals unterfordert sind, werden sie ungehorsam und unruhig – der geistige Ausgleich fehlt ganz einfach. 

Das Schulsystem in Deutschland ist nicht auf Hochbegabte vorbereitet
. Viele Lehrer sind der Ansicht, hochbegabte Kinder seien automatisch auch sehr gut in der Schule, doch das ist ein Trugschluss. Nicht alle Kinder mit Hochbegabung bewältigen problemlos die Grundschullaufbahn, denn das Potenzial schlummert oftmals in einem bestimmten Bereich, beispielsweise Mathematik oder Naturwissenschaften und genau darin müsste man die Kinder fördern, sodass ein Ausgleich entsteht. Zwar gibt es auch Vereine für Hochbegabtenförderungen, jedoch sind es oft die Eltern des Kindes, die dann eher zurückhaltend reagieren, aus Angst, auf andere Eltern mit hochbegabten Kindern zu treffen und es zu einer Art Konkurrenzkampf kommt.

Es ist wichtig, ein Kind mit Hochbegabung ausreichend zu fördern, damit es nicht zu einer Unausgeglichenheit kommt und damit unerwünschte Verhaltensweisen, die unangenehm auffallen, da das Kind einfach gelangweilt und unterfordert ist. Die Eltern sollten ihrem Kind den Weg ebnen und es unterstützen. Dazu gehört, die Hochbegabung nicht als eine Krankheit anzusehen, sondern das Beste daraus zu machen und sich idealerweise von Kinderpsychologen beraten zu lassen. 

Wie stelle ich eine Hochbegabung bei meinem Kind fest?

Bereits im Kindergarten fallen Hochbegabte auf, weil sie sich häufig langweilen, oder manche Spiele „doof“ finden und aus diesem Grund stören, um wahrgenommen zu werden. Die Kinder interessieren sich meistens für Dinge, die für die Älteren bestimmt sind und oftmals macht dieses Verhalten das Kind zum Außenseiter. Auch in der Schule gibt eindeutige Auffälligkeiten, die auf eine Hochbegabung zurückzuführen sind. So fühlt sich das Kind permanent unterfordert und gilt als Besserwisser und Streber und ist im schlimmsten Fall unbeliebt bei den Mitschülern. Das Kind führt sich oftmals als Clown der Klasse auf, um überhaupt akzeptiert oder wahrgenommen zu werden. Es fühlt sich oftmals nicht verstanden und zeigt schwache Leistungen, trotz seines hohen IQ´s.

Für alle Fragen gibt es Antworten. Die Eltern müssen sich keinesfalls allein fühlen. Es ist immer gut, sich auszutauschen mit anderen „Betroffenen“ und vor allem kein Problem daraus zu machen, sondern auf ihre Kinder einzugehen, indem sie die Bereitschaft zeigen, es ihren Kinder auf ihrem Weg zum Erwachsen werden so einfach wie möglich zu machen. Sicherlich ist hier viel Geduld gefragt, doch diese wird sich definitiv irgendwann auch auszahlen.

Xenia Atanasovski

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