Plastikspielzeug
Panikmache oder echte Gefahr?

Wie gefährlich ist Plastikspielzeug wirklich? Gibt es auch ungefährliches Plastikspielzeug und wenn ja, wie kann ich dieses erkennen? Antworten auf diese Fragen, die viele Eltern beschäftigen, gibt dieser Artikel.
Vielen Eltern vertraut: Beim Schaufensterbummel begeistert sich das Kind vor allen Dingen für quietschbuntes Plastikspielzeug – je greller, desto besser. Blasses Holz- und Stoffspielzeug erfreut meist nur gesundheitsbewusste Eltern.
Ein Erfahrungswert ist zudem, dass die Kinder, in deren Heim nur Naturfasern erlaubt waren, mit wachsender Selbständigkeit ausschließlich auf alles Ungesunde abfahren. Vielen Eltern stellt sich also die Frage, „Wo ziehe ich die Grenze?“ Man möchte sein Kind nicht unbedingt fanatisch ökologisch erziehen, es aber auch nicht mehr als nötig Gefahrenstoffen aussetzen, insbesondere in den allerersten Lebensjahren.
Dass Plastikspielzeug Gefahrenstoffe enthalten kann, die dem Kind langfristig schaden können, ist mittlerweile eine anerkannte Tatsache.
Um welche Gefahrenstoffe handelt es sich?
Die Rede ist von Phthalaten, die als Weichmacher eingesetzt werden, dem hormonwirksamen Bisphenol A, aber auch zinnorganischen Verbindungen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK).
Phthalate in Babyspielzeug sind eigentlich bereits seit 1999 in Europa verboten, dennoch werden die gesetzlichen Grenzwerte nach Angaben des Verbraucher-Magazins Ökotest (Heft 02/10) von einigen Herstellern immer noch nicht eingehalten. Phthalate werden als Krebs erregend und fortpflanzungsgefährdend eingeschätzt.
Das vor allem in Babyflaschen vorkommende Bisphenol A ist bereits in Dänemark und Kanada bei der Herstellung von Babyartikeln verboten. Es wird angenommen, dass es an der Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen, Störungen der Sexualentwicklung sowie Diabetes beteiligt ist.
Das Bundesamt für Risikobewertung plädiert für strengere EU-Richtlinien und -Kontrollen. Für einige Gefahrenstoffe gibt es bisher noch gar keine Grenzwerte.
Worauf sollte man beim Kauf von Plastikspielzeug achten?
Hier ein paar Richtlinien, die vermeiden helfen, dass Sie einen Giftcocktail in den Einkaufswagen laden:
- Billiges muss nicht zwangsläufig giftiger sein, ist es aber oft. Wer einen Namen hat, läuft in der Regel nicht gern Gefahr, diesen zu verlieren.
- Strömt das Spielzeug einen unangenehmen Geruch aus, lassen Sie besser die Finger davon! Das bedeutet, dass das Spielzeug Stoffe ausscheidet.
- Achten Sie auf Hinweise wie „PVC-frei“ und „Phthalat-frei“.
- Auf jedem Spielzeug sollte die vollständige Adresse des Herstellers oder Importeurs angegeben sein.
Auf welches Gütesiegel ist Verlass?
Orientierung bieten das GS(geprüfte Sicherheit)-Zeichen, das TÜV-Proof-Siegel und das Zeichen "spiel gut".
Das GS-Zeichen wird von staatlich akkreditierten Zertifizierungsstellen, z.B. dem TÜV oder der Landesgewerbeanstalt (LGA) verliehen. Es gewährleistet die sichere Verwendbarkeit und den Ausschluss bestimmter Schadstoffe nicht nur bei Spielsachen sondern auch bei Elektrogeräten und Möbeln.
Um das TÜV-Proof-Siegel zu erhalten, müssen noch höhere Standards als beim GS-Siegel erfüllt werden. Es wurde eigens für Spielzeug entwickelt und wird vom TÜV Rheinland vergeben.
Das Spiel gut-Siegel bescheinigt, dass die ausgezeichneten Produkte pädagogisch wertvoll sind, aber auch umweltfreundlich und sicher. Geprüft wird vom Spiel gut Arbeitsausschuß Kinderspiel+Spielzeug e.V. . Der 1954 gegründete Verein ist eine gemeinnützige Verbraucherberatung, die auf Spielzeuge spezialisiert ist.
Das CE-Siegel hingegen sagt wenig aus. Es soll bezeugen, dass alle EU-Richtlinien bei der Herstellung des Spielzeugs eingehalten wurden. De facto kann sich der Hersteller das Siegel aber unkontrolliert selbst verleihen.
Vorsicht vor Fälschungen
Insbesondere GS-Zeichen und TÜV-Proof-Siegel können gefälscht sein. Bei besonders billigen Kopien können die gefälschten Siegel Rechtschreibfehler enthalten. Das GS-Zeichen ist nur verlässlich, wenn die zuständige Prüfstelle in der linken oberen Ecke des Siegels mit angegeben ist. Auch Aufkleber statt Aufdrucke des Siegels auf Verpackungen sind verdächtig. Beim TÜV-Proof-Siegel sollte man auf Prüforganisation und Prüfnummer achten.
Quintessenz: Nicht jedes Plastikspielzeug ist schädlich und übrigens auch nicht jedes Holzspielzeug unschädlich. Wenn schon Holzspielzeug, dann sollte man möglichst unlackiertes kaufen, denn der Lack ist oft vergleichbar schädlich wie manche Plastikspielsachen. Oder man kauft Holzspielzeug gebraucht, denn der Gehalt an Schadstoffen nimmt mit der Zeit ab. Wenn man auf die obengenannten Gütesiegel achtet, ist aber auch der Verzicht auf Barbie & Co. nicht zwingend notwendig.
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Kommentare
John
am 21. 2010-10-21 2010 um 08:31 Uhr
ich denke das problem liegt auch viel bei den ganzen onlineshops die in konkurrenz liegen. viele achten nicht mehr auf qualität sondern wollen günstig produkte im ausland (vorallem china) einkaufen und diese dann hier anbieten. man sieht es ja schon bei ebay wieviel aus asien importiert wird.
bestimmte wichtige richtlinien die zum beispiel shops wie möbilia.de oder babywelt.de beachten werden von vielen anderen shops garnicht beachtet. mit richtlinien meine ich das es wie oben erwähnt keine schadstoffe enthält, nicht leicht entzündbar ist, keine verschluckbaren kleinteile verwendet werden etc. ist schon schade das heute zu tage bei vielen händlern der profit wichtiger ist als die sicherheit der endverbraucher.
Cordula Breitkreuz
am 03. 2010-09-03 2010 um 14:49 Uhr
Da bedauerlicher Weise in unserer Bevölkerung die Schere zwischen "Arm und Reich" weiter auseinanderklafft, werden viele Eltern "gezwungen" das preiswertere Plastikspielzeug zu kaufen. Die in Ihrem Artikel beschriebenen Schadstoffe werden auch in der Herstellung von Kinderbekleidung eingesetzt. Zum Beispiel Regenbekleidung, Schuhen etc. Das Wissen darüber sollte beim Erwerb von Kinderartikeln ein ständiger Begleiter sein.
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