Hochbegabte Kinder

Wie Sie die Hochbegabung Ihres Kindes erkennen

Das Erkennen der Hochbegabung ist deshalb wichtig, weil man das Kind sonst nicht oder nur unzureichend fördern kann. Die Förderung des hochbegabten Kindes sollte jedoch oberstes Ziel sein – so wie die Förderung jedes Kindes.

Hochbegabung hat viele Merkmale und ist daher nicht so leicht zu erkennen, wie man vielleicht meint. Streng genommen, müsste klar sein, was Hochbegabung überhaupt ist. Sonst kann man nicht entscheiden, ob sie in einem konkreten Fall vorliegt oder nicht. Allerdings kommt es bei dieser Frage immer wieder zu Kontroversen, sowohl unter Laien als auch unter Experten (Psychologen, Trainern, Pädagogen). Letztlich ist „Hochbegabung“ ein begriffliches Konstrukt und nichts, das auf natürliche Weise vorkommt. Es kann nicht exakt und objektiv bestimmt werden.

Probleme bei der Erkennung von Hochbegabung

Selbst Intelligenztests geben nur eine gewisse Orientierung – auch wenn man gemeinhin von Hochbegabung spricht, wenn der IQ über 130 liegt. Spezialbegabungen, insbesondere im kreativen Bereich, kann ein Intelligenztest jedoch nur unzureichend oder gar nicht erfassen. Wichtiger als die genaue Größe der Begabung ist ohnehin, die Begabung als solche festzustellen und diese zu fördern. Insofern gilt für hochbegabte Kinder das Gleiche, was für alle Kinder gilt.

Besonders Lehrer sollten aufpassen, dass die Beurteilung der Kinder nicht durch Sympathie bzw. Antipathie beeinflusst wird. Auch sollte man die Begabung eines Kindes nicht klein reden, nur um sich etwaige Anstrengungen in der weiteren Erziehung zu ersparen. Da es oft vorkommt, dass wir die Dinge nur noch so wahrnehmen, dass sie unsere einmal gebildeten  Meinungen bestätigen („selektive Wahrnehmung“), neigen wir dazu, Tatsachen schlichtweg zu ignorieren oder sogar umzudeuten. Erschwerend kommt hinzu, dass Kinder sich schnell einer bestimmten Erwartungshaltung anpassen und damit unzutreffende Einschätzungen bestätigen. Das macht uns zwar das Leben leichter, wird aber den (hochbegabten) Kindern nicht gerecht. Entsprechend sollten auch vorschnelle Schlüsse aufgrund einzelner Beobachtungen vermieden werden.

Früh entwickelt oder hochbegabt?

Fehleinschätzungen resultieren auch aus unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Kinder. Manche Kinder sind für ihr Alter weit entwickelt, aber nicht hochbegabt. Sie fallen dann später etwas zurück bzw. bleiben auf ihrem später nur noch durchschnittlichen Niveau. Andere Kinder entwickeln sich später und fallen daher zunächst nicht auf. Dafür überflügeln sie die anderen zu einem späteren Zeitpunkt. Insofern ist es besonders ratsam, die Beurteilung eines Kindes immer wieder zu hinterfragen und dabei möglichst objektiv vorzugehen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der große Anteil derer, die sich unterfordert fühlen und sich deshalb dem Unterricht verweigern oder sogar zu Schulversagern werden („underachiver“). Sehr schlechte Schulnoten können folglich genauso auf Hochbegabung hinweisen wie sehr gute Noten – aber weder gute noch schlechte Noten müssen ein Indiz für Hochbegabung sein. Fehlt den Kindern die nötige Motivation, wird ihre Begabung oft übersehen; sind sie hingegen Frühentwickler und werden vielleicht noch gefördert, betrachtet und behandelt man sie leicht zu Unrecht als hochbegabt. Beides kann zu großen Problemen führen, weil man in der Konsequenz nicht angemessen auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder eingeht.

Damit sowohl Überforderung als auch Unterforderung vermieden werden, sollte man die Frage nach der Hochbegabung sehr sorgfältig angehen.


Früherkennung

Da es keine Kriterien und Tests gibt, mit denen sich die Frage nach  der Hochbegabung zweifelsfrei beantworten lässt, dienen die folgenden Hinweise lediglich der Orientierung. Wichtig ist, dass man eine Begabung überhaupt erkennt, wie hoch sie auch immer sei. Grundsätzlich gilt: Je früher eine Begabung erkannt wird, desto besser. So können Frustrationen und Fehlentwicklungen des Kindes vermieden werden – oder positiv ausgedrückt: Man kann Selbstbewusstsein, Freude und Gesundheit des Kindes stärken und ihm dadurch den Weg zu einem glücklichen, erfüllten Leben ebnen.

Säuglingsalter

Allererste Anzeichen für Hochbegabung können bereits im Säuglingsalter auftreten. Wenn ein Kind schon vor dem fünften Lebensmonat durch ein geringes Schlafbedürfnis, eine allgemeine Lebhaftigkeit und hohes Interesse am Umfeld auffällt (z.B Streben nach freiem Blick); wenn es außerdem sehr stark auf seine Wahrnehmungen und Erlebnisse reagiert und eine besondere Neigung zum Körperkontakt hat, dann könnte dies auf eine Hochbegabung hindeuten.

Spätere Auffälligkeiten

Bei der weiteren Beobachtung des Kindes sollte man sowohl auf geistige, emotionale, körperliche und soziale Auffälligkeiten des Kindes achten. Eine besondere Regheit in diesen Bereichen gilt als Indikator für Hochbegabung. Wichtig ist dabei der Vergleich zu gleichaltrigen Kindern. Manche Merkmale weisen direkt auf eine Hochbegabung hin (besondere Leistungen), andere Merkmale eher indirekt. Dazu gehören Verhaltensweisen, die aus nicht erkannter bzw. nicht geförderter Begabung des Kindes resultieren. Häufig bedeutet Hochbegabung auch eine Diskrepanz zwischen intellektueller und sozialer/charakterlicher Reife. Bis zum sechsten Lebensjahr sollte die Früherkennung abgeschlossen sein.

Denken und Wissen:

  • früh erlerntes Sprechen, Lesen und Rechnen (selbst motiviert)
  • großer Wortschatz
  • hohes Detailwissen
  • hohe Merkleistunghohe Beobachtungsgabe
  • hohe Auffassungsgabe (Verallgemeinerungsfähigkeit, Durchschauen von Zusammenhängen)
  • sehr schnelles Lösen von Aufgaben/Problemen
  • Versagen bei leichten, routinemäßigen Aufgaben
  • Beschäftigung mit Erwachsenenthemen (Kunst, Wissenschaft, Gesellschaft, Umwelt, Religion, Philosophie etc.)

Einstellung:

  • Perfektionismus
  • Ehrgeiz
  • Selbstkritik
  • Selbständigkeit

Gefühle:

  • lustlos, gelangweilt
  • ungeduldig, aufsässig
  • empfindlich, weinerlich

Sozialverhalten:

  • Menschenscheu, Ängstlichkeit, Abgrenzung
  • Selbst- und Tatenversunkenheit (z.B. bei künstlerischer Aktivität)
  • Dominanz in Gruppen
  • Hang zu Besserwisserei und Belehrung
  • Organisatorisches, planerisches Geschick
  • Hinterfragung von Autoritäten
  • Umgang mit Älteren

Körper:

  • hohe Geschicklichkeit
  • hohe Aktivität/Vitalität
  • hohe Ausdauer/Belastbarkeit

Oliver Kuhnert

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