Sauberkeitserziehung

So klappt das Töpfchen-Training

Sauberkeitserziehung ist ein etwas in Vergessenheit geratenes Wort und das völlig zu Unrecht. Zur kindlichen Erziehung gehört auch das Sauber werden. Doch wie schafft man es, dass das Töpfchen-Training nicht zur Dressur wird?

Mein Sohn ist vier. Das Thema Sauberkeitserziehung haben wir bereits mit knapp zwei Jahren hinter uns gebracht. Ob tags oder nachts, er blieb sauber und trocken. Meine Tochter ist zwei Jahre und drei Monate alt. Und die Sauberkeitserziehung ist bei uns ein sehr aktuelles Thema. Seit etwa fünf Monaten versuche ich langsam, ihr beizubringen, dass sie ihr Geschäft wie die Großen verrichten kann. Der Unterschied ist bemerkenswert, denn in ihrem Alter war ihr Bruder längst trocken.

Doch genau das ist falsch - die Kinder zu vergleichen macht keinen Sinn. Jede kindliche Entwicklung verläuft individuell. Damit widerlegen meine Kinder übrigens die wissenschaftlichen Studien, die belegen wollen, dass Mädchen früher als Jungs trocken und sauber werden. Danach sind Mädchen im Durchschnitt zweieinhalb, Jungs hingegen erst mit drei Jahren an das Töpfchen oder den Toilettenaufsatz gewöhnt.

Eltern sehnen das Ende der Windel-Ära herbei

Psychologen haben herausgefunden, dass das kindliche Gehirn frühestens mit zwei bis zweieinhalb Jahren reif genug ist, um die Ausscheidungsfunktion zu verstehen und zu kontrollieren. Erst dann sind Kinder in der Lage, die Verbindung zwischen dem „Muss“ und dem „Ergebnis“ nachzuvollziehen und die körperlichen Signale richtig zu deuten. Auch wenn viele Eltern das Ende der Windel-Ära sehnsüchtig erwarten, sollten Sie sich an den individuellen Eigenschaften Ihres Kindes orientieren und ihm genügend Zeit lassen.

Kinder lernen Vorgänge schneller, wenn sie eine gewisse Routine beinhalten. Bieten Sie z.B Ihrem Kind jedes mal vor und nach dem Spaziergang sowie vor und nach dem Schlafen das Töpfchen an. Sollte es sich weigern, bestehen Sie nicht darauf und bieten Sie es einfach etwas später noch ein Mal an. Hauptsache, man setzt sich und das Kind nicht unter Druck.

Geduld und Akzeptanz – die tägliche Pannenhilfe

Geduld ist das A und O bemi Töpfchen-Training, wie letztendlich bei jedem Lernprozess, den das Kind durchmachen muss. Hier gilt der Grundsatz: Das Glück kann man nicht erzwingen. Schimpfen, sich enttäuscht oder verärgert zu zeigen oder drängen sind absolut falsche Strategien. Sie werden womöglich zu einer Abwehrreaktion des Kindes führen und somit zur Verlangsamung des Lernprozesses. Das Töpfchen-Training geht selten von heute auf morgen und braucht vor allem Geduld und Zeit. Pannen gehören einfach dazu und sollten gelassen und ohne Dramatisierung wieder behoben werden. Jedes gelungene Geschäft kann im Gegenzug dafür belohnt werden, aber wiederum in Maßen. Der Toilettengang soll schließlich als etwas natürliches und einfaches gelernt werden.

Manche Kinder lassen sich von älteren Geschwistern oder Eltern wunderbar motivieren, wenn sie einfach mit auf Toilette mitgenommen werden. Es ist außerdem sinnvoll, ihnen den Vorgang kindgerecht zu erklären, etwa mit Hilfe entsprechender Bilderbücher. Ein Töpfchenbesuch sollte, ob erfolgreich oder nicht, nie länger als zehn bis 15 Minuten dauern, damit das Kind den Zusammenhang zwischen Töpfchen und Geschäft machen nicht aus den Augen verliert.

Umgebungssituation 

Jede Lernsituation wird durch eine stabile Umgebung vorangetrieben. Bei Veränderungen der Familiensituation wie Umzug, Eintritt in KiTa / Kindergarten oder Geburt eines Geschwisterchen sollte man mit dem Töpfchen-Training lieber etwas abwarten, bis der Alltag seine Routine entwickelt. Dann kann man sich voll und ganz auf das Sauberkeits-Training konzentrieren.

Kinder senden Signale der Bereitschaft

Ab einem bestimmten Alter können Kinder durch ihr Verhalten die ersten Signale senden, die eine Bereitschaft für die Umstellung von der Windel auf das Töpfchen anzeigen.

  • Das Kind bleibt auch mit der Windel stundenlang nach dem Wechsel trocken.
  • Das Kind ist in der Lage einfache Forderungen zu verstehen und sie korrekt auszuführen.
  • Das Kind will nicht mehr mit einer vollen Windel herumlaufen und will sie sofort gewechselt haben.
  • Das Kind zeigt Interesse an selbständigen Handlungen, z.B sich die Hose aus- und wieder anziehen, sich selbst auf das Töpfchen setzen etc. 

Nicht vergessen- das wichtigste ist Geduld, Liebe und Zuwendung! Dann rückt das Ende der Windel-Ära jeden Tag näher.

Natalja Kvast

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