Arzneien in der Schwangerschaft

Was hilft, was schadet?

Eine (Erst-)Schwangerschaft wirft viele Fragen auf: Tue ich mir und meinem Kind etwas Gutes, indem ich Nahrungsergänzungsmittel einnehme oder schade ich ihm durch den Gebrauch von Medikamenten?

Während der Schwangerschaft besteht vor allem ein erhöhter Bedarf an Folsäure, Eisen, Jod und Kalzium. Folsäure ist wichtig für alle Zellteilungs- und Wachstumsprozesse. Eisen ist essentiell für die Blutbildung, Jod für die Schildrüsenfunktion und Kalzium für den Aufbau von kindlichen Knochen und Zähnen. Dem erhöhten Bedarf kann man mit Nahrungsergänzungsmitteln begegnen, die aber eine ausgewogene Ernährung und Lebensweise, die auch Bewegung mit einschließt, nicht ersetzen können.


Macht DHA mein Kind intelligent?

In den letzten Jahren hat überdies noch eine andere Substanz für Aufsehen gesorgt: Docosahexaensäure (DHA), eine Omega-3-Fettsäure, die sich nachweislich als förderlich für den Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung des Kindes herausgestellt hat. Laut Untersuchungen senkt DHA die Zahl der Frühgeburten und sorgt für ein höheres Geburtsgewicht. Insb. Gehirn- und Augenentwicklung des Kindes profitieren von einer ausreichenden Zufuhr. Insofern ist an der Behauptung, DHA fördere die Intelligenz des Kindes zumindest ein Fünkchen Wahrheit.

DHA ist vor allem in fettem Seefisch enthalten. Um den erhöhten Bedarf in der Schwangerschaft zu decken, sollte entweder zweimal pro Woche fetter Seefisch auf dem Speiseplan stehen oder man erwägt die Einnahme von DHA-Supplements. Eine von der EU eingesetzte Expertenkommission rät Schwangeren zu einer Zufuhr von mindestens 200 mg DHA pro Tag.

Folsäure bereits ab Kinderwunsch einnehmen


Folsäure sollte bereits bei Kinderwunsch eingenommen werden. Eine ausreichende Versorgung des Organismus mit Folsäure zum Zeitpunkt der Empfängnis kann nachgewiesen das Risiko für einen Neuralrohrdefekt (Spaltbildung der Wirbelsäule) senken. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen 700 bis 800 Mikrogramm Folsäure für Frauen mit Kinderwunsch. Im Verlaufe der Schwangerschaft sind dann niedrigere Dosen ausreichend.

Die Produktpalette an Nahrungsergänzungsmitteln für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch ist groß. Fragen Sie im Zweifel Ihren Frauenarzt, welches Produkt er Ihnen empfiehlt.


Vorsicht mit Arzneimitteln während der Schwangerschaft

Wer in der Schwangerschaft Medikamente einnimmt, behandelt den Embryo automatisch mit. Die Empfindlichkeit des Kindes gegenüber schädlichen Medikamenten ist von seinem Entwicklungsstadium abhängig. Ganz besonders kritisch ist die 6.–12. Schwangerschaftswoche.

Gut 40 Jahre nach der verhängnisvollen Erfahrung mit dem angeblich sicheren Schlafmittel Contergan®, das bei Tausenden von Kindern zu Fehlbildungen der Arme und der Beine führte, sind heute nur wenige Arzneimittel für Schwangere zugelassen.

Und auch bei diesen gilt es eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung für Mutter und Kind zu machen, die nur Ihr Arzt vornehmen kann.


Achtung auch bei Pflanzenheilkunde!

Auch pflanzliche Medikamente und Tees sind nicht unbedingt harmlos, einmal aufgrund ihrer Darreichungsformen (alkoholische Auszüge), zum anderen wegen der Substanz selbst. Kräuter und Gewürze wie Salbei, Schafgarbe, Muskatnuss, Anis, Zimtrinde und Zimtblätter, sowie süßer Fenchel sollten während der Schwangerschaft vermieden werden. Durch ihre wehen- und menstruationsfördernde Wirkung können sie insb. in den ersten Monaten einer Schwangerschaft eine Fehlgeburt auslösen.

Sicherheitshalber ist jeder Arzt auf eine bestehende Schwangerschaft aufmerksam zu machen, selbst der Zahn- und Augenarzt. Wer chronisch krank ist und ständig Medikamente einnehmen muss, sollte seinen Kinderwunsch vorab mit seinem Arzt besprechen.

Annika Misina

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