Samenspende

Nachwuchs durch alternative Befruchtungen

„Männer nicht inklusive“ heißt der Werbeslogan einer britischen Samenbank, deren oberstes Ziel die Erfüllung des Kinderwunsches für jede Frau ist. In Deutschland wird die Handhabung und das Verfahren selbst wesentlich umstrittener behandelt.

Immer mehr Menschen in Deutschland leben in unkonventionelleren Konstellationen, welche dem klassischen Familienkonzept nur noch entfernt ähneln. Doch nur scheinbar, denn egal ob als Vollblut-Single, als Part einer Wohn- und Lebensgemeinschaft oder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen: Überlegungen zum eigenen Kinderwunsch bleiben selten aus.

Irgendwann stellt sich ein Jeder die Frage: Möchte ich Nachwuchs? Sicher kann die Frage nur für sich selbst beantwortet werden, doch erfahrungsgemäß wandeln sich im Laufe des Lebens die Einstellungen zum eigenen Kinderwunsch. Die Motive dazu sind vielschichtig, genauso, warum für viele Menschen die „natürliche“ Fortpflanzung nicht in Frage kommt. Das kann biologische Ursachen haben, genauso wie psychische und nicht selten sind es sexuell bedingte Überlegungen, die letztlich nach anderen Wegen suchen lassen.

Möchten wir bspw. wissen, wie sich ein homosexueller Mann diese Frage beantwortet, oder eine Frau, die ein Kind ohne Mann aufziehen will, kann man nur Vermutungen anstellen. Entscheidet sich jedoch ein Paar gegen eine auf natürlichem Wege erfolgte Nachkommenschaft, da ein Partner eine vererbbare Krankheit hat, erscheint uns die Suche nach einer Alternative für sinnvoll. Tatsache ist, dass immer mehr Menschen alternative Möglichkeiten in Anspruch nehmen, ihren eigenen Kinderwunsch zu erfüllen.


Welche Möglichkeiten stehen zur Auswahl?


Fälschlicher Weise bekannter als Samenbanken, werben Fertilitätskliniken mit ihrer Erfolgsrate bei der Erfüllung von Kinderwünschen. Die Kopenhagener Störkklinik berichtet stolz von 1000 Babys in 6 Jahren. Davon hätten nur knapp 100 Kinder heterosexuellen Paaren gehört. Weitere 40 Prozent der aus ganz Europa stammenden Erfolgspatientinnen waren lesbische Frauen und ca. 50 Prozent sind heterosexuelle, alleinstehende Frauen gewesen. Allein an diesem Beispiel wird deutlich, welchen ungeheuren Stellenwert die Erfüllung des Kinderwunsches für eine Gesellschaft haben kann. Ein weiterer Fakt ist, dass seit dem größer werdenden Bekanntheitsgrad von Fertilitätskliniken die Geburtenraten in einigen deutschen Städten wieder steigen.


Welche Alternativen gibt es in Deutschland?

Die Insemination ist die gängigste Methode zur alternativen Befruchtung. Mit geeigneten Hilfsmitteln erfolgt eine Übertragung des männlichen Samens in den Genitaltrakt der Frau. Die Trefferquote ist von vielen Faktoren (Alter, Gesundheit) abhängig und übersteigt selten 20%. Bei Erfolg kommt es zu einer Befruchtung der Eizelle. Diese Methode ist privat und in Kliniken möglich. Hilfsmittel sind in Apotheken erhältlich.

Unter ärztlicher Kontrolle geht der Insemination in den meisten Fällen eine hormonelle Stimulation voraus, die bei Erfolg wiederum in ca. 20% aller Fälle zu Mehrlingsgeburten führen kann.

Insemination darf in Deutschland von Ärzten nur bei verheirateten Frauen durchgeführt werden. Alleinstehende oder homosexuelle Frauen erfahren hier eine weitere Hürde. Eingetragene homosexuelle Lebensgemeinschaften werden jedoch von einigen Kliniken - abhängig vom Bundesland - anerkannt.
Straffrei ist die private, eigenständige Insemination. Wer jedoch einer unverheirateten Frau beim Vorgang der Insemination aktiv hilft, macht sich genauso strafbar, wie es bei einem Arzt der Fall ist.

Die einzige Person, die zur Durchführung der Insemination berechtigt ist, ist immer nur die Frau selber. Hingegen ist in benachbarten EU-Staaten (Dänemark, Niederlande, Tschechien) die Insemination durch Ärzte auch bei alleinstehenden bzw. lesbischen Frauen möglich.

Die „Befruchtung im Glas“ (In-vitro-Fertilisation - IVF) ist eine weitere Methode. In Deutschland ist diese Behandlung zulässig, wenn bei einem (Ehe-)Paar ein Jahr lang trotz regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs die Schwangerschaft ausbleibt oder eine krankheitsbedingte, vererbbare Störung vorliegt. Die Behandlung wird von Krankenkassen teilweise und nur für heterosexuelle, verheiratete Paare übernommen. Ausnahmen sind bisher nicht bekannt.

Diese Methode erlaubt eigentlich eine erweiterte Elternkombination, was bedeutet, dass die genetische und die soziale Elternschaft auseinander fallen können. So ist es im Extremfall denkbar, dass die Eizelle einer Spenderin mit der Samenzelle eines Spenders befruchtet und die auf diese Weise entstandene Zygote einer Leihmutter eingesetzt wird. Mit dem Begriff Leihmutter werden Frauen bezeichnet, die stellvertretend für eine andere Frau oder ein schwules Paar - meist gegen Bezahlung - deren Kind austragen.

Derartige Kombinationen sind in Deutschland nicht erwünscht. Das seit 1991 in Kraft getretene Embryonenschutzgesetz verbietet aus ethischen, sittlichen und moralischen Gründen die Eizellspende. Dagegen ist die Samenspende erlaubt, was angesichts des Gleichbehandlungsgrundsatzes kritisch diskutiert wird.

Die Leihmutterschaft gilt als Straftat und kann mit einer Gefängnisstrafe geahndet werden. Auch die Vermittlung von Leihmüttern ist in Deutschland gesetzlich verboten. Zivilrechtlich stellt sich die Frage, wer als Mutter des Kindes gilt, falls es trotz bestehender Verbote zu einer Leihmutterschaft kommt. In Deutschland regelt dies der 1997 eingefügte Paragraph 1591 des BGB: "Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat." Innerhalb der Europäischen Union ist die Rechtslage jedoch unterschiedlich.


Samenspenden

Werden die Samen des eigenen Partners verwendet, spricht man von "homologer", bei der Verwendung von Samen dritter (meist unbekannter) Spender von "heterologer" Samenspende.

Samenbanken befinden sich meist in besagten Fertilitätskliniken, die in ganz Europa zu finden sind. Natürlich ist es auch möglich, Samen übers Internet zu bestellen. Bevorzugt frau einen Spender aus dem Bekanntenkreis, sind unbedingt zu Qualitätstests (Spermiogramm usw.) und anderen Tests zu raten, welche vererbbare oder ansteckende Krankheiten ausschließen.


Langfristige Probleme

Bei einer privaten oder ärztlich durchgeführten Insemination können die Kosten ins Unermessliche steigen. Bei wiederholten Versuchen steigen neben den finanziellen auch die psychischen Belastungen. Besonders bei der In-vitro-Fertilisation steigt der Druck enorm. Vor allem, wenn der ersehnte Erfolg nicht eintritt. Ergebnisse verschiedenster Untersuchungen verweisen zusätzlich auf gesundheitliche Risiken seitens des Babys hin, die zwar nicht von der "Reagenzglasbefruchtung" abhalten, aber zumindest bedacht werden sollten.

Auch bei Wahlfamilien, wie sie gerne in homosexuellen Kreisen genannt werden, kann es zu Unstimmigkeiten kommen, wenn Erziehungs-, Sorgerechts- und Aufenthaltsfragen zwischen Erzeuger und Mutter ihren ersten Prüfstein erleben. Es gibt immer mehr Interessensgemeinschaften, die sich mit diesen Problematiken beschäftigen und gerne mit ihren Wissen zur Seite stehen. (as)

Antje Schulz

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