Grimms „Kinder- und Hausmärchen“

Die zeitlosen Märchen der Brüder Grimm

Dieses Jahr hätte Jacob Grimm seinen 225. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass möchten wir an Grimms Märchen erinnern und über die Entstehung sowie weitere interessante Fakten informieren. 

Mehr als 200 Märchen haben die Brüder Grimm 1812 bis 1857 in mehreren Auflagen des Bandes „Kinder- und Hausmärchen“ veröffentlicht. Diese beruhen vor allem auf mündlichen, aber auch auf schriftlichen Überlieferungen, die die Brüder zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu sammeln begannen und bearbeiteten. Die Geschichten bewegen sich in einem mittelalterlichen Umfeld und beinhalten Figuren, die jedem Schulkind bekannt sind – schöne Prinzessinnen, Narren, Betrüger, Hexen, naive Helden und sprechende Tiere. 

Grundsätzlich schöpfen die Märchen aus bewusster Übertreibung und der Gegensätzlichkeit zwischen Gut und Böse. Größtenteils verfassten die Brüder die Texte im simplen Stil eines bäuerlichen Erzählers. Die meisten der Werke sind deutschen (insbesondere hessischen) Ursprungs, viele der Geschichten stammen jedoch aus anderen Ländern, unter anderem aus Italien und Frankreich. Einige geringe Zahl der Märchen ist vermutlich der Feder der Grimms entsprungen.


Kritik und Lob

Die ersten zwei Bände wurden stark kritisiert, denn obwohl die Grimms sie als Kindergeschichten bezeichneten, empfanden viele Kritiker die Texte als ungeeignet für Kinder. Vermutlich ist dies der Grund für einige Veränderungen, die die Brüder später vornahmen. So wurden die bösen Mütter der ersten Fassungen von „Schneewittchen“ und „Hänsel und Gretel“ zu Stiefmüttern. Auch entfernten die Grimms später sexuelle Anspielungen, beispielsweise Rapunzels unschuldige Frage, weshalb ihr Kleid immer enger werde, womit sie naiv offenbart, dass sie schwanger ist. Allerdings nahm die Gewaltdarstellung zu, vor allem bei der Bestrafung von Bösewichten. 1825 veröffentlichten Jacob und Wilhelm die sogenannte „Kleine Ausgabe“. Diese umfasst 50 der Kinder- und Hausmärchen, die sie als geeignet für Kinder erachteten. 

Grimms Märchen erfreuten sich schnell großer Beliebtheit bei Kindern. Die Geschichten waren ursprünglich eher für Studenten der Folklore gedacht und sollten die literarische Herkunft der Brüder repräsentieren. Viele Kritiker erkennen an, dass die Grimms tatsächlich vorwiegend aus mündlich überlieferten Geschichten geschöpft haben. Andere Stimmen jedoch befinden, dass die Bearbeitungen der Märchen im Gegensatz stehen zum ursprünglichen Ziel der Konservierung dieser Überlieferungen. 

So hieß es in der Vorrede zur ersten Auflage der „Kinder- und Hausmärchen“: „Was die Weise betrifft, in der wir hier gesammelt haben, so ist es uns zuerst auf Treue und Wahrheit angekommen. Wir haben nämlich aus eigenen Mitteln nichts hinzugesetzt, keinen Umstand und Zug der Sage selbst verschönert, sondern ihren Inhalt so wiedergegeben, wie wir ihn empfangen haben.“

Für die folgenden Auflagen jedoch bearbeiteten die Brüder einige der Märchen, ersetzten ganze Märchen durch andere und fügten neue hinzu. Daher ist auch keine Auflage wie die andere. 

Einige Folkloristen äußern jedoch, dass die Bearbeitungen lediglich Veränderungsprozesse aufzeigen, die üblich sind bei mündlichen Überlieferungen. Weiterhin befassen sich Schüler und Forscher mit der Bedeutung der Märchen als schriftlich und mündlich erzählte Geschichten. Auch analysieren sie die Texte psychoanalytisch und kulturwissenschaftlich und ergründen somit deren psychologische und soziohistorische Elemente. 

In jedem Fall bieten Grimms Märchen Folkloristen wertvolle Informationen über die Kunst des Geschichtenschreibens und bereiten Kindern seit nahezu 200 Jahren große Freude. 

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