Die ungeahnten Wirkungskräfte von Humor und Kreativität

Erziehung mit Humor

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Lachen ist wissenschaftlich bestätigt. Lachen führt zur Entspannung der gesamten Körpermuskulatur und zur Ausschüttung von Glückshormonen, die schmerzlindernd wirken und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Humor ist kommunikationsfördernd und erleichtert oftmals den Zugang zu anderen Menschen.

Dies gilt auch in der Erziehung. So werden Aufgaben, die die Eltern dem Kind auf heitere Art übertragen, oft mit größerer Bereitwilligkeit erledigt als wenn diese in einem unnötig strengen Ton gestellt werden. Auch entwickelt das Kind durch diese Art des Umgangs eine stärkere Sympathie für die Eltern, was das Durchsetzen von Geboten und Verboten ebenfalls erleichtert. So erfolgt kein Verlust an Autorität und ein dennoch entspannter Umgang miteinander. 


Der Humor des Kindes

Humor ist für Kinder vor allem in spielerischen Situationen sowie in Kontexten, in denen sie ihre intellektuellen Fähigkeiten erproben können, von Bedeutung. Dies äußert sich besonders bei der Anwendung von neu Erlerntem, beispielsweise beim bewusst falschen Umgang mit Dingen, deren absichtlich falscher Benennung oder bei Wortspielen. Die hier auftretende Kreativität muss von Eltern erkannt werden und darf nicht durch übermäßige Strenge unterdrückt werden. Ebenso wie Erwachsene benötigen Kinder Humor zur Verarbeitung von negativen Erfahrungen und emotionalen Spannungen bzw. zur Umwandlung in positives Erleben. 

Bei der Erziehung müssen Eltern Humor jedoch so anwenden, dass das Kind nicht das Gefühl beschleicht, dass es bloßgestellt oder belächelt wird. Daher ist davon abzuraten, das Kind auf übertrieben sarkastische Art auf dessen Fehler aufmerksam zu machen.


Der Humor der Eltern

Eltern sollten sich selbstkritisch hinterfragen, welche Bedeutung Ernst und Dramatik bzw. Humor und Gelassenheit in ihrem eigenen Leben einnehmen und ob sie womöglich selbst in bestimmten Situationen eine unnötig ernsthafte Herangehensweise haben. Dabei erschließen sich den Eltern möglicherweise eigene Schwächen und Unsicherheiten, die sie mit Ernst kompensieren, anstatt ihnen mit Witz zu begegnen. 

Eltern sollten lernen, über ihre eigenen Defizite lachen zu können. Das erleichtert sowohl ihnen als auch den Kindern den Umgang mit einigen Dingen. Wenn das Kind beispielsweise überfordernde Fragen stellt oder die Eltern auf irgendeine andere Weise zur Verzweiflung bringt, können letztere auch mal lachend aufgeben, anstatt das Kind entnervt zurechtzuweisen.


Das Entdecken des inneren Kindes

Erwachsene können mitunter einiges von Kindern lernen, speziell, wenn es um Fröhlichkeit und Humor geht. Auch sollte man in manchen Kontexten bewusst auf das innere Kind hören und wiederentdecken, wie viel Spaß es doch machen kann, heiter und spielerisch mit scheinbar ernsten Dingen umzugehen.

Humor beruht vor allem auf Veränderung von Gewohntem. So kann versucht werden, alltägliche Aktivitäten auf kreative Art umzugestalten oder fantasievoll zu imitieren. Eltern können durchaus mal mitmachen, wenn das Kind einen Teelöffel zu einem Telefon umfunktioniert und per Teelöffel kommunizieren möchte. Das fördert das spielerische Miteinander und die Kreativität. 


Strafen mit kreativem Witz

Maßvoll angewandt, kann humorvolles Strafen von großer Wirkungskraft sein. Als Beispiel sei hier ein Kind angeführt, das wiederholt zu spät nach Hause kommt und nun jede halbe Stunde die Zeit ansagen soll, damit es beim nächsten Mal nicht vergisst, auf die Uhr zu schauen. Eine solch kreative Strafe wird dem Kind im Gedächtnis bleiben und ist somit pädagogisch effektiver als ein strenges Zurechtweisen. 

Wichtig bei einer humorvollen Erziehung ist, dass die Eltern nicht nur sporadisch mit Humor reagieren, während sie ansonsten die Beherrschung verlieren. Hier gilt es, konsequent zu sein. Auch müssen trotz der humorvollen Herangehensweise konkrete Regeln und Grenzen festgelegt werden. 

Eltern müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass Humor ein ganz wesentliches Element der persönlichen Entwicklung. Je früher das Kind lernt, die positiven Aspekte von Humor zu nutzen, desto leichter wird ihm, auch im Erwachsenenalter, die Bewältigung von Stress, Konflikten und Krisen fallen. 

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