Messbar niedrigerer Intelligenzquotient durch Prügelstrafen

Häufige Schläge vermindern die Intelligenz von Kindern

Dies haben Forscher der University of New Hampshire auf der Internationalen Konferenz zu Gewalt, Missbrauch und Trauma in San Diego erläutert. Ihren Studien zufolge sind eine durch Prügelstrafen verursachte geringere Intelligenz und eine langsamer verlaufende geistige Entwicklung auch Jahre später noch erkennbar.


Weltweite Untersuchungen

Die Forscher untersuchten zunächst in den USA insgesamt 1500 zwei- bis vierjährige sowie fünf- bis neunjährige Kinder. Im Abstand von vier Jahren durchliefen beide Gruppen zweimal einen Intelligenztest. Bei den anfangs zwei- bis vierjährigen Kindern, bei denen die Eltern regelmäßig körperliche Bestrafung anwendeten, war der Intelligenzquotient nach vier Jahren um fünf Punkte niedriger als bei Gleichaltrigen, die gewaltfrei erzogen wurden. Bei der älteren Versuchsgruppe war ein Unterschied von 2,8 Punkten zu verzeichnen. Weitere, weltweite Studien der Forscher führten zu ähnlichen Resultaten.

Ursachen

Maßgeblich schuld daran seien die Stress- und Angstzustände, denen die regelmäßig geschlagenen Kinder ausgesetzt sind. Häufige Prügelstrafen begünstigen einen chronischen Stresszustand, der jahrelang andauern könne. Dieser Stress könne posttraumatische Stresssymptome wie übertriebene Angst vor schrecklichen Ereignissen oder leichtes Erschrecken auslösen, die sich auf die geistige Entwicklung auswirken.

Die Entwicklung von Intelligenz wird von mehreren Faktoren bestimmt. Dazu zählen die genetische Veranlagung, die dem Kind zugewiesene Förderung und Bildung, das soziale Umfeld und die Bindung zu den Bezugspersonen. Kindern, die ein ausgewogenes Verhältnis zu ihren Eltern haben, fällt Lernen wesentlich leichter, da Gewaltanwendung zu Unsicherheit, Desorganisation und Stress führt und somit Lernprozesse erschwert. „Allein die Tatsache, dass ein im Vergleich riesiger, älterer und mächtiger Mensch, der noch dazu als Elternteil wichtigste Quelle für Sicherheit und Geborgenheit ist, zuschlägt, ist für ein Kind schrecklich“, so die Wiener Gesundheitspsychologin Claudia Rupp. „Niemand wird durch Gewalt brav. Die psychische Verletzung bleibt hingegen lange bestehen.“
 
Rupp sieht Gewaltanwendung als Symptom der Hilflosigkeit. „Erziehung ist die schwerste Arbeit der Welt. Viele wollen ihre Kinder gar nicht schlagen, wissen sich jedoch in bestimmten Situationen nicht mehr zu helfen.“ Auch der Gedanke einer „gesunden“ Züchtigung und die Annahme, dass Prügelstrafen in der eigenen Erziehung nicht schädigend gewesen seien, bezeichnet die Psychologin als Irrtümer: „Irgendwann kommt man vielleicht drauf, dass man doch seelischen Schaden erfahren hat, denn sonst bräuchte man nicht zu Gewalt greifen.“

Beratungsstellen für Eltern

Eskaliert die Situation, so kann kompetente Unterstützung in Beratungsstellen gefunden werden. Diese können den Eltern veranschaulichen, weshalb es zum Zuschlagen kommt, wie sie dies vermeiden können und welche alternativen Reaktionen es gibt. „Statt Bestrafung für elterliches Fehlverhalten ist rechtzeitige und präventive Hilfe wichtig. Wer in der Erziehung Hilfe braucht, muss sie auch bekommen.“

Weitere Informationen:
bke – Beratungsstellen-Suche

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