Böse Lehrer?

Wenn Namen zu Diagnosen werden

Laut einer Studie sollen Grundschullehrer Vorurteile gegen bestimmte Vornamen haben und daher Schüler als verhaltensauffällig einstufen. Doch sind Lehrer die Quelle und Verbreiter solcher Vorurteile?


Kürzlich erschienen in den Onlineausgaben von Spiegel und Zeit Beiträge zu einer Master-Arbeit, welche Vorurteile von Grundschullehrern gegen bestimmte Vornamen untersucht. Nicht besonders gut kommen Namen wie Kevin, Justin, Dennis, Mandy, Chantal und Jaquelin bei den Lehrern an. Namen wie Maximilian, Jakob, Lukas, Nele, Charlotte und Emma sind dagegen positiv besetzt.

Da die Namenswahl zwischen Kevinismus und Emilismus oft die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht signalisiert, ist dies der Hauptgrund für bestimmte Zuschreibungen seitens der Lehrer.

Soziale Schichten unterscheiden sich nicht nur nach Einkommen oder Bildungsabschlüssen. Es sind die feinen Unterschiede, die den großen Unterschied machen. Diese äußern sich vor allem im Geschmack und in der Lebensführung.

Gerade Lehrer haben aus ihrer Erfahrung heraus den Blick für diese Unterschiede. Sicherlich reflektieren viele Lehrer eigene Entscheidungen, die sie aufgrund von schichtspezifischen Eigenschaften machen. Doch gerade diese Unterscheidungen machen Schule oft ungerecht, wie auch die PISA-Studien bemängeln.

Lehrer sind aber nicht die Verursacher dieser Unterscheidungspraxis. Im öffentlichen Diskurs werden immer wieder die Unterschiede zwischen den Schichten belebt. Dies geschieht in den Medien, in der Politik, aber auch im Alltag der Menschen. Obere Schichten verschließen sich gegenüber unteren und umgekehrt. Dabei pflegen beide ihre Vorurteile.

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Politik, öffentlichem Diskurs und Schule, die gerade solche Vorurteile verstärken kann. Am Beispiel der Ausländerpädagogik der 1980er Jahre lässt sich das gut veranschaulichen.


Wechselwirkung zwischen Politik, öffentlichem Diskurs und Schule

Nach der Ölkrise und der wirtschaftlichen Stagnation in den 1970er Jahren stoppte die BRD die Anwerbung von ausländischen Arbeitnehmern. Die Politik, aber auch breite Teile der Öffentlichkeit waren der Meinung, dass diese Menschen das Land irgendwann verlassen werden. „Rückführung“ war das Schlagwort jener Jahre. Darauf stellte sich auch die Pädagogik größtenteils ein.

Das Gegenteil traf ein und die meisten blieben. Darauf waren Politik und Schule nicht vorbereitet. Statt Integration stand Rückführung auf dem Lehrplan. Es wurden zum Teil reine Ausländerklassen gebildet, mit dem Ziel, dass diese ihre Herkunftssprache nicht verlernen, um bei einer Rückkehr in ihre Heimat keine Probleme zu haben. Integrationskonzepte kamen später.

Natürlich wirkte diese Diskussion auch auf die Migranten. Und wenn das Hauptthema Rückführung war, dann war dementsprechend Integration auch kein Thema für viele Migranten und der Traum, irgendwann vielleicht doch in die Heimat der Eltern zurückzukehren, blieb bestehen.

Die Folgen dieser Denkweise sind heute noch zu spüren. Menschen mit Migrationshintergrund werden immer mit schlechten Schulleistungen in Verbindung gebracht, da sie seit ihrer statistischen Erfassung größtenteils nur die unteren Schulzweige besucht haben. Dieses Denken aber verschleiert den Blick auf diejenigen, die trotz schlechter Ausgangsbedingungen eine akademische Laufbahn eingeschlagen haben.

Rütli-Schüler scheinen interessanter zu sein, als die stetig steigende Zahl von Abiturienten mit Migrationshintergrund.

Treffen Vorurteile auf institutionelle Strukturen, führt dies für einen langen Zeitraum dazu, dass Menschen bestimmte Eigenschaften unterstellt werden und diese dadurch Nachteile erfahren.


Kevin – eine Diagnose?

Ähnlich wie den Migranten ergeht es Kevin und Mandy. Da diese Namen in einer unteren sozialen Schicht verortet werden, können beide mit einem gewissen Habitus in Verbindung gebracht werden.

Dass dies nicht nur Lehrer tun, ist bei den aktuellen Comedians zu sehen. Kevin wird dort zum Synonym für Problemkind und Cindy aus Marzahn spielt gleich doppelt auf die soziale Zugehörigkeit an. Und das Publikum lacht, weil es genau weiß, was gemeint ist.

Sprechen Politiker über Problemkinder oder auffällige Jugendliche, dann verpacken sie dies in eine bildhafte Sprache, dass der Zuhörer genau weiß, wo er diese Kinder und Jugendlichen zu suchen hat. Auch hier gilt, dass die Kevins und Mandys die Zuschreibungen von außen auch aufnehmen und diese verinnerlichen.

Lehrer sind nicht die Ursache für die Stigmatisierung der Kevins und Mandys. Sie können aber diejenige Instanz werden, die aus Vorurteilen eine institutionelle Diskriminierung schafft.

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