Lehrerbewertung im Internet

Schlechte Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern

Seit Februar 2007 existiert die Lehrer-Bewertungsseite spickmich.de. Hier können Schüler ihren Lehrern Noten geben. Doch zu einem besseren Verhältnis zwischen Lehren, Schülern und Eltern tragen die anonymen Bewertungen nicht bei.


Das Onlineportal spickmich.de bietet Schülern die Möglichkeit, den Unterricht ihrer Lehrer, aber auch die eigene Schule zu bewerten. Neben der fachlichen Kompetenz eines Lehrkörpers, kann auch dessen Aussehen und Auftreten beurteilt werden. Bewertungen als Vergeltung für schlechte Noten oder gar Verleumdungen versuchen die Betreiber des Portals zu unterbinden.

Nach Klage einer Gymnasiallehrerin, die sich durch spickmich.de in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt fühlte, entschied im Juni 2009 der Bundesgerichtshof in Karlsruhe endgültig, dass Schüler weiterhin auf spickmich.de ihre Lehrer anonym bewerten dürfen. 1,1 Millionen registrierte Nutzer freut dies und rund 448.000 Lehrer erhielten bisher über 27 Millionen Bewertungen.

Sicherlich kann so eine anonyme Bewertungsmöglichkeit als konstruktive Kritik betrachtet werden und Lehrer dazu anregen, ihren Unterricht zu überdenken oder an ihrem Auftreten im Unterricht zu arbeiten. Laut Regelwerk ist dies auch die Absicht der Betreiber.
Jedoch fehlt den Schülern ein geeigneter Maßstab für die Bewertung der fachlichen Kompetenz eines Lehrers und trotz verschiedener Vorkehrungen seitens der Betreiber sind Willkür, Rache und Verleumdung nicht ausgeschlossen.


Offene Kommunikation für ein besseres Schulklima

Spickmich.de ist keine deutsche Erfindung. Vorbilder finden sich vor allem im englischsprachigen Raum. Es war nur eine Frage der Zeit, bis findige Jungunternehmer das Konzept importierten. Generell ist die Zahl solcher sozialen Netzwerke ins Unüberschaubare gestiegen.
Den Betreibern von spickmich.de soll nicht unterstellt werden, aus reinem Profitstreben zu handeln, aber ihnen kann unterstellt werden, das deutsche Schulsystem nur aus eigener Schullaufbahn her zu kennen und ansonsten keinen professionellen Blick auf die Schule zu haben.

Gerade das deutsche Schulsystem verlangt die Teilhabe der Eltern. Zudem ist es immer von Vorteil, wenn Eltern im direkten Kontakt zum Lehrkörper stehen. Schlechte Noten oder sonstige Probleme in der Schule lassen sich am besten in einem offenen Gespräch zwischen Schülern, Eltern und Lehrern klären. Die Präsenz der Eltern in der Schule kann entscheidend für die Schulkarriere ihrer Kinder sein. Eltern, die regelmäßig mit Schule und Lehrkörper kommunizieren, wissen nicht nur, was in der Schule vorgeht, sie signalisieren den Lehrern auch, dass sie am Bildungsverlauf ihrer Kinder interessiert sind. Das ist ein entscheidender Faktor beim Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Außerdem können sich Lehrer ein besseres Gesamtbild über einen Schüler machen, wenn die Eltern und der elterliche Hintergrund bekannt sind.

Hat ein Schüler Probleme oder Konflikte mit einem bestimmten Lehrer, sollten an erster Stelle Vertrauenslehrer, Klassensprecher oder Schulsprecher angesprochen werden. Diese fungieren dann als neutrale Vermittler zwischen Schüler und Lehrer.

Der Lehrerberuf wird extrem unterschätzt. Das Vorurteil der kurzen Arbeitszeiten und vielen Freizeit ist vollkommen unberechtigt. Neben dem fachlichen und didaktischen Teil ihrer Arbeit müssen sich Lehrer jedes Jahr auf eine neue Schülergeneration mit ihren spezifischen Eigenschaften und Ansprüchen einstellen. Da passiert es schnell, dass das Outfit uncool wird.

Spickmich.de ist eine nette Plattform, die Schülern die Möglichkeit bietet, sich auszutauschen, zu vernetzen und auch über Lehrer zu lästern. Letzteres haben Schüler schon immer und gerne getan. Spickmich.de sollte dementsprechend nur von Schülern ernst genommen werden. Eltern und Lehrern kann die Seite lediglich als Indikator für das Schulklima dienen.

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