Glück gehabt

Eine Schule, die glücklich macht

Wenn Zufriedenheit, Selbstbewusstsein, Eigen- und soziale Verantwortung auf dem Stundenplan stehen, dann hat Ihr Kind Glück gehabt. Glück haben ist kein Zufall, sondern eine Methode. Was hinter dem Schulfach Glück steckt.

Dass viele Kinder nicht gerne zur Schule gehen, ist kein neues Phänomen. Selbst bei guten Schülern ist diese Pflichtveranstaltung nur mäßig beliebt. Doch was passiert eigentlich in der Schule, dass diese bei vielen Schülerinnen und Schülern so unbeliebt ist?

Die Schule hat die Aufgabe Wissen zu vermitteln. Grundlegende Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen stehen in der Grundschule im Vordergrund. Mit jedem weiteren Schuljahr steigt das fachliche Wissen. Doch in der Schule passiert noch mehr. Hinter dem Begriff heimlicher Lehrplan (hidden curriculum) verbergen sich jene erzieherischen Aufgaben von Schule, die nicht als Fach auf dem Stundenplan zu finden sind. Sozialisation und Erziehung sind zwei Bereiche davon.

Nicht nur das Lernen, auch der undemokratische Charakter von Schule kann bei Schülerinnen und Schülern Unbehagen auslösen. Denn einerseits sollen Kinder zu mündigen Staatsbürger erzogen werden, aber andererseits verhindert die Schulstruktur oft die Partizipation von Schülerinnen und Schülern. Die Emanzipation von mündigen Bürgern steht einer hierarchischen Schulklassenordnung gegenüber. Und genau da liegt die Ursache vieler Schulkonflikte begraben.


Glück im Spiel


Auf den ersten Blick irritiert, dass Glück ein Schulfach an der Heidelberger Willy-Hellpach-Schule ist. Anfänglichen Assoziationen mit esoterischer Bauernfängerei folgen Fragen der philosophischen Glückskonzepte. Auch religiöse Glücksdefinitionen könnten sich dahinter verbergen. Ein Blick auf die Homepage der Willy-Hellpach-Schule verrät, was hinter dem Schulfach Glück steckt.

Beim ersten Klick auf das Fach Glück fallen die Schlagworte, Selbstachtung, Selbstsicherheit und Selbstverantwortung ins Auge. Mit diesem neuen Fach will die Heidelberger Schule von der Schule als reine Wissensvermittlungsanstalt wegkommen. Lehrer haben an allen Schulen nicht nur die Aufgabe fachliche Kenntnisse zu vermitteln, sie sind auch immer Erzieher. Diese erzieherische Bedeutung wird immer wichtiger, da traditionelle Familienstrukturen mehr und mehr aufweichen. Doch gerade diese traditionelle Vorstellung von Familie prägt das bundesrepublikanische Verständnis von Schule. In der Schule wird gelernt und zu Hause wird erzogen.

Dass in der Schule immer schon erzogen wurde, aber diese Erziehung kein Konzept hatte, sondern dem Zufall überlassen wurde, wird durch den Vorstoß der Willy-Hellpach-Schule Rechnung getragen. Der heimliche Lehrplan wird durch das Schulfach Glück transparenter.


Die eigenen Werte reflektieren

Im Fokus dieses neuen Schulfaches steht das Erlernen von Glück. Glück spiegelt sich für die Heidelberger in Körper, Geist, aber auch im Verhältnis zur Gemeinschaft wieder. Das Verständnis von Glück und vom guten Leben ist ein subjektives. Schülerinnen und Schüler gewichten Werte unterschiedlich. Diese Gewichtung wird reflektiert und nach Wechselwirkungen gesucht. Wechselwirkungen gibt es zwischen den persönlichen Sphäre des Körpers und des Geistes, aber auch mit Handlungen und natürlich mit der Gemeinschaft.

Sicherlich kann über den Inhalt oder die Namenswahl dieses Faches gestritten werden. Andere würden vielleicht von Lebenskompetenz oder Erwachsen-werden sprechen. Doch im Kern trifft dieses Fach eine untransparente Stelle im Schulsystem – nämlich die Erziehung durch den Lehrkörper. Kinder nehmen es hin, dass der Lehrer eine natürliche Autorität ist, ohne den Grund dafür zu wissen. Kinder verinnerlichen durch Sozialisationsprozesse Regeln und Normen, ohne diese zu reflektieren. 

Das Fach Glück greift genau an dieser Stelle ein und schließt diese Lücke. Durch die schulisch forcierte Reflektion der Wechselwirkung zwischen der eigenen Person, den elterlichen Werten, dem eigenen Handeln und der Gesellschaft werden Fragen wie Solidarität, Selbstbestimmung, Würde, Partizipation, Gleichheit und Individualität thematisiert. Für Schülerinnen und Schüler bedeutet dies, sich selbst und ihre Position in der Schule zu verstehen.

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