Hochbegabte Schüler und das staatliche Schulsystem

Odyssee durch sämtliche Einrichtungen

Hochbegabte Schüler haben es oft schwer in staatlichen Schulen

Einige Kinder sind ihrer Zeit voraus – sie lesen mit 4 und absolvieren das Abitur im Alter von 15 Jahren. Die Schulzeit ist jedoch bei kaum einem dieser Kinder unbeschwert, sondern oftmals eine Gratwanderung. Ein Beispiel dafür ist die Familie Heine aus Düsseldorf.

Hochbegabte Kinder zeichnen sich durch sehr früh entwickelte, weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen aus, sie spüren ihre Fähigkeiten und entwickeln einen hohen Selbstanspruch an sich und andere. Bisher gelten etwa 3% aller Kinder als hochbegabt, d.h. deren Intelligenzquotient liegt über 130%. Trotzdem haben nicht wenige dieser hoch oder weit überdurchschnittlich begabten Kinder und Jugendlichen mehr oder weniger große Probleme in der Schule. Der kleine Tim ist ebenfalls hochbegabt und hinter ihm und seinen Eltern liegt ein schwerer Gang durch sämtliche Einrichtungen, von der Schule bis hin zum Psychologen.

Familie Heine freute sich riesig über die Geburt ihres Sohnes Tim, der bereits als Säugling extrem aufmerksam war und die Welt offensichtlich von Anfang an genau wahrnehmen konnte. Im Alter von sechs Monaten kam dann das erste deutliche Wort und von da an sprach Tim immer schneller und in korrekten Sätzen. Als er noch nicht einmal zwei Jahre alt war, lernte er bereits das Alphabet und brachte sich so das Lesen selbst bei. Als er dann seinen Eltern etwas vorlas, wussten sie, dass ihr Sohn anderen Kindern weit voraus war. Der Kindergarten war für Tim zunächst genau das richtige, doch als er älter wurde, viel auf, dass er immer öfter den Wunsch äußerte, vorzeitig in die Schule zu gehen.

Im Alter von 4 Jahren wurde Tim beim schulpsychologischen Dienst vorgestellt und als hochbegabt eingestuft, was zu dem Zeitpunkt längst keine Überraschung mehr war. Mit der schriftlichen Bestätigung machten sich Tims Eltern schließlich auf den Weg, ihren Sohn einzuschulen. Es gab ein Vorgespräch mit der freundlichen Direktorin, die mit einem sonderpädagogischen Dienst ihrer Grundschule warb und versprach, dass Tim im Falle einer Unterforderung während des Unterrichts Zusatzaufgaben bekommen sollte. Voller Begeisterung und Erleichterung gaben Tims Eltern ihren Sohn in die Obhut der Klassenlehrerin.

Sind staatliche Grundschulen auf hochbegabte Kinder vorbereitet?

Am vierten Schultag war die Euphorie verblasst, denn Tim weinte und sagte er wolle nicht mehr zur Schule gehen. Von diesem Tag an begann für Familie Heine eine wahre Odyssee – die Klassenlehrerin, die anfangs einen sehr freundlichen Eindruck vermittelte war der Ansicht, Tim hätte AD(H)S und ließ sich auch nicht mehr von der Meinung abbringen. Für Tim wurde es immer schlimmer, schließlich bekam er sogar Fieber vor der Schule. Es sollte erneut ein IQ-Test durchgeführt werden, um die „Wogen zu glätten“. Wieder musste Tim zum schulpsychologischen Dienst und dort sowohl einen IQ- als auch einen EG-Test absolvieren. Es kam heraus, dass Tim einen aktuellen Stand eines Schülers hatte, der sich am Ende des 2. Schuljahres befindet. Mit diesem Ergebnis fand sich Familie Heine im Büro der Schuldirektorin wieder, um erneut nach einer Zielvereinbarung zu suchen. Tim erging es mittlerweile immer schlechter und vor allem sein Selbstwertgefühl war ganz nach unten gesunken, obgleich er ursprünglich ein mutiges und aufgewecktes Kind war. Die Direktorin der Schule entschuldigte die „Unannehmlichkeiten“ und versicherte, dass es nun anders laufen würde. Somit gaben Tims Eltern der Schule noch eine weitere Chance. 

Es kam das erste Halbjahreszeugnis und Tims Mutter konnte nicht glauben, was sie las. Die Klassenlehrerin hatte Tim ein schlechtes Zeugnis geschrieben, deren Inhalt schon beleidigend war. Das war der nächste Tiefschlag, den die Eltern und vor allem Tim verkraften mussten. Als die Eltern der Direktorin das Zeugnis vorlegten, entschuldigte sie sich erneut und veranlasste sofort ein neues Zeugnis für den Jungen. Doch das sollte nichts mehr an Tims zerstörtem Selbstbild ändern, das er innerhalb weniger Monate bekam. Mit Sätzen wie: „Ich bin ein doofes Kind.“, „ich bin zu nichts nütze.“, schockte er seine Familie und es war klar, dass sich hier ganz schnell etwas ändern musste.

So wurde Tim in eine neue Klasse gesteckt und wieder wurde versprochen, dass es nun ganz anders laufen wird. Doch auch das war keine optimale Lösung für Tim und so klagte er erneut über Langweile. Nach dem Gespräch mit der neuen Klassenlehrerin erwies sich, dass sich rein gar nichts geändert hat und es wurde zum dritten Mal nach einem schulpsychologischen Test gebeten, da die Lehrerin nicht glauben wollte, dass Tim bereits dem Wissensstand der Klasse weit voraus war. Das dritte Ergebnis des Tests lag vor – 140 %! Die letzte Zusammenkunft der Lehrer, der Familie Heine sowie der Direktorin ergab keinen Erfolg mehr und so machten sich Tims Eltern auf die Suche nach einer geeigneten Schule für ihren Sohn, der bereits psychosomatisch erkrankt war. Die Hochbegabtenförderung besuchte Tim zweimal die Woche und auch eine Kinderuniversität half Tim als Überbrückung der schulfreien Zeit. Bis dahin haben Tims Eltern eine erhebliche finanzielle Belastung erfahren und die Verzweiflung wuchs von Tag zu Tag. Es gab weit und breit keine geeignete Schule für Tim und so fassten seine Eltern den Entschluss, in eine andere Stadt zu ziehen.

Hochbegabte Kinder brauchen eine individuelle Behandlung

In Potsdam fand Familie Heine endlich die passende Schule für ihren Sohn, die teils mit dem Grundsatz von Maria Montessori arbeitet, der unter anderem besagt, dass Kinder am besten lernen, wenn sie ohne Zwang und Einengung arbeiten und die Welt selbst entdecken, ohne dass man ihnen vorschreibt womit. Tim wird an seiner neuen Schule so genommen, wie er ist. Die Lehrer geben ihm den Freiraum, den er braucht, um Wiederholungen im Lernstoff zu vermeiden. Heute geht es Tim wesentlich besser, doch sein Selbstbewusstsein ist nach wie vor sehr eingeschränkt. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis Tim in dieser Hinsicht neuen Mut fassen wird. Hätten Tims Eltern auf die Lehrer der alten Schule gehört, wäre er womöglich in diesem System voll und ganz untergegangen.
 
Eltern sind aufgefordert dazu, auch und gerade ihrem hochbegabten Kind viel Geborgenheit entgegen zu bringen. Sie brauchen genauso viel Anerkennung für ihre Leistungen und Zuwendung wie andere Kinder, wenn dies auch angesichts ihres enormen Wissens und ihrer kognitiven Fähigkeiten manchmal sehr schwer fallen mag.

Xenia Atanasovski

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