Grundschulen

Fragenkatalog: Privatschulen

Die Konzepte vieler Privatschulen sehen vor, ihre Schüler von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss zu begleiten. Ist ein Wechsel von einer privaten auf eine Regelschule später problemlos möglich?

Sofern die erforderlichen Kapazitäten zur Verfügung stehen, ist ein Schulwechsel generell kein Problem. Häufig müssen Schüler allerdings einen Probeunterricht besuchen oder einen Aufnahmetest absolvieren. 

Den Wechsel von einer Privat- auf eine Regelschule bewältigt jedes Kind mit unterschiedlichem Erfolg. Wenn das bisherige Lehr- und Lernkonzept stark von dem einer Regelschule abweicht, kann es zu einer Art „Kulturschock“ kommen, denn die Kinder müssen sich an das Notensystem und den Frontalunterricht erst gewöhnen. Kinder aus Schulen, die sich an dem jeweiligen staatlichen Lehrplan des Landes stark orientieren, haben im Allgemeinen weniger Probleme mit einem Schulwechsel als solche, die nach einem freieren Lehrplan unterrichtet wurden.

Werden die zu erreichenden Schulabschlüsse staatlich anerkannt?

Generell können Kinder auch durch den Besuch einer Privatschule staatlich anerkannte Schulabschlüsse erreichen. Allerdings bieten die verschiedenen Schulen unterschiedliche Wege zum Erreichen des Abschlusses an. 

Während staatlich anerkannte Ersatzschulen dazu berechtigt sind, Bildungsempfehlungen auszusprechen, selbst Prüfungen durchzuführen und die jeweiligen Abschlüsse zu vergeben, haben staatlich genehmigte Ersatzschulen und Ergänzungsschulen dazu nicht die Kompetenz. Dennoch ist es problemlos möglich, mit dem Besuch einer solchen Schule einen anerkannten Bildungsabschluss zu erlangen, indem betreffende Schüler eine externe Prüfung ablegen.
Genauere Informationen zu den Regelungen für Ersatz- und Ergänzungsschulen können auf der Website des Kultusministeriums des jeweiligen Landes eingesehen werden.

Gibt es (qualitative) Unterschiede zwischen dem regelschulischen Abitur und beispielsweise dem Abitur von Waldorf- oder Montessori-Absolventen? 

In 15 von 16 Bundesländern (Ausnahme ist Rheinland-Pfalz) sind die Abschlussprüfungen zum Abitur und der Mittleren Reife zentralisiert und da die Absolventen der meisten Privatschulen außerdem an einer externen Prüfung unter staatlicher Aufsicht teilnehmen müssen, besteht kein qualitativer Unterschied.

Die zusätzliche Förderung von bestimmten Kenntnissen und Fähigkeiten auf Privatschulen (etwa der intensivierte Fremdsprachenunterricht oder das durch alternative Pädagogik verinnerlichte Konzept des eigenständigen oder teamorientierten Arbeitens) wirken sich oftmals positiv im beruflichen Werdegang des Absolventen aus. 

Gerade von Waldorfschulen hört man vermehrt, dass viele Schüler keinen staatlichen Schulabschluss erreichen – stimmt das?

Zunächst existieren gerade bei Waldorfschulen teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen, was es schwierig macht, zu pauschalisieren. Nicht jedes Kind kann mit der großen Freiheit und dem fehlenden Druck des Waldorf-Konzepts umgehen. Einigen Kindern fehlen Struktur und klare Anweisungen. Wichtig für den Erfolg ist also, dass das Konzept zum Kind passt. 

Laut Bundesamt für Statistik gab es im Jahr 2010 in Deutschland 170 Schüler, die die Waldorfschule ohne Schulabschluss verlassen haben. Dagegen haben 330 Schüler den Hauptschulabschluss, 1763 Schüler die Mittlere Reife, 450 Schüler die Fachhochschulreife und 2829 Schüler das Abitur abgeschlossen. 

Gelten für die Privatschulen trotzdem die offiziellen Lehrpläne?

Einige Privatschulen haben einen eigenen Lehrplan, der sich jedoch am staatlichen orientieren muss, damit die Schule überhaupt genehmigt wird. 

Da die Schüler zum Schluss jedoch eine Externenprüfung erwartet, wird zumindest in der Oberstufe der staatliche Lehrplan befolgt, um die Schüler entsprechend auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. 
Andere Schulen, wie zum Beispiel die Montessori-Schulen, orientieren sich enger am Inhalt des staatlichen Lehrplans. Sie weichen lediglich in ihrem Vorgehen und den Konzepten des Erwerbs von Wissen und Fähigkeiten von den Regelschulen ab. Die meisten Privatschulen sehen den staatlichen Lehrplan als Mindestanforderung und vermitteln Vieles darüber hinaus. 

Wer kontrolliert die Privatschulen?

Zunächst muss eine Privatschule durch die zuständige Schulbehörde genehmigt werden. Dazu werden das Konzept und die Inhalte, ein Finanzierungsplan, das Personal und die Räumlichkeiten genau überprüft. Schulen, die eine Genehmigung erhalten haben, werden auch weiterhin von der Schulbehörde hinsichtlich der Einhaltung bestimmter Bedingungen und der Qualifikation des Personals überprüft. Wie intensiv diese Kontrolle ausfällt, ist je nach Bundesland unterschiedlich. Viele Privatschulen lassen sich darüber hinaus freiwillig und regelmäßig von Experten, Eltern und Schülern evaluieren.