Sportpädagoge Dr. Klaus Balster im Interview

"Bewegung muss Spaß machen"

Immer mehr Kinder leiden an körperlichen Defiziten, weil sie sich zu wenig bewegen. Wie können Eltern dazu beitragen, diesem Trend entgegen zu wirken? Ein Gespräch mit dem Sportpädagogen Dr. Klaus Balster.

Herr Dr. Balster, Sie sind Experte auf dem Gebiet Bewegungsförderung. Wie steht es mit Bewegung in deutschen Kinderzimmern?

Dr. Klaus Balster: Ich möchte mit einem Aphorismus auf diese Frage antworten, der die Situation in vielen Kinderzimmern gut beschreibt: Kinder haben viele Spielsachen, aber meist keine Spielräume.

Wie können Eltern ihre Kinder in Bewegung bringen, wenn diese keine Lust dazu haben?

Dr. Klaus Balster: Kinder zu mehr Bewegung zu motivieren, gelingt am besten, wenn man die ganz individuelle Persönlichkeit des Kindes beachtet. Denn natürlich bestimmen Alter, Erfahrungsniveau, Interessen und Neigungen sowie das aktuelle Befinden und die Lebensumwelt, welche Bewegung Kindern Spaß macht. Es kann also keinen pauschalen Tipp geben, wie man ein Kind zu mehr Bewegung animiert– wer sein Kind kennt und weiß, was es beschäftigt, hat es aber auf jeden Fall einfacher.

Generell gilt: Begleiten Sie Ihr Kind auf dem Weg durch die Welt, dann können Sie es auch dabei unterstützen, die natürliche Lust an Bewegung zu erhalten. Oft ist es übrigens am einfachsten, wenn man als Elternteil ein gutes Vorbild ist und selbst viele sportliche Aktivitäten unternimmt und den Kindern immer wieder anbietet mitzukommen.

Wie mache ich einem schon älteren Bewegungsmuffel klar, dass draußen sein mehr Spaß macht, als an dem Computer zu sitzen?

Dr. Klaus Balster: Auch hier spielt das Vorgelebte eine zentrale Rolle: Wenn Erwachsene sich selbst regelmäßig und ausreichend bewegen, werden Kinder dadurch zur Bewegung angespornt. Und nur wenige Kinder bleiben drinnen hocken, wenn Vater und Tante im Garten kicken oder Frisbee spielen.

Wie kommt man man an diese Stubenhocker heran, die ja vermutlich die größten Defizite haben?

Dr. Klaus Balster: Bei schwierigen Fällen sollten Erziehende herausfinden, was hinter dem Bewegungsmuffeldasein steckt – gerade bei Computer- und Fernsehliebhabern geht dies auch mit einem Rückzug von sozialen Kontakten einher. Oft sind es dann äußere Gründe, die die Kinder im Haus halten, z.B. Probleme mit anderen Kindern. Hier sollten Sie das offene Gespräch suchen und versuchen herauszufinden, warum ihr Kind es derzeit vorzieht, allein vor dem PC zu sitzen.

Viele Eltern haben zudem Angst, ihr Kind auf der Straße spielen zu lassen. Was raten Sie diesen Eltern?

Dr. Klaus Balster: Eltern sind die Entwicklungsbegleiter ihrer Kinder und haben ein gutes Gespür dafür, welche Bewegungsräume und -gelegenheiten sie für Kinder als geeignet ansehen. Und natürlich müssen Räume zum Bewegen und Spielen vor allem sichere Kinderwelten sein – eine dreispurige Straße bietet sich nun mal nicht zum Fußballspielen an.

Schlechte Voraussetzungen, wenn man in einer Großstadt lebt...


Dr. Klaus Balster: Trotz vieler gesellschaftlicher Einschränkungen wie beengte Wohnanlagen mit dominantem Straßenverkehr oder Verbote bieten sich auch hier vielfältige Bewegungsgelegenheiten. Wenn man mit wachen Augen durch die Welt geht, findet man viele Bewegungsanlässe: Mauern zum Balancieren und Klettern,  Platten auf Gehwegen zum Hüpfen, Stufen und Treppen zum Springen.

Falls Ihre Kinder noch klein sind, gehen Sie gemeinsam auf die Suche nach solchen Bewegungsorten oder sprechen Sie sich mit anderen Eltern ab. Bei größeren Kindern können Sie zum Beispiel am Anfang mit zum nahgelegenen Bolzplatz gehen. Wenn Sie merken, dass ihr Kind den Weg kennt und sich sicher fühlt, können sie ihre Sprösslinge auch mit viel besserem Gefühl allein losziehen lassen.

Wieviel Stunden oder Minuten sollte ein Kind durchschnittlich täglich in Bewegung sein?

Dr. Klaus Balster: Hier gibt es keine pauschale Antwort. Ich würde sagen: Möglichst viel und zwar wann immer Kinder mögen und können. Ich halte es für falsch, sich festzulegen und zu sagen, man solle sich mindestens 60 Minuten am Tag bewegen. Generell ist es schon gut, wenn das Kind einem regelmäßigen sportlichen Hobby z.B. im Verein nachgeht.

Im Alltag finde ich es wichtig, unterschiedliche und vielfältige Bewegungsanlässe zu finden. Beispielsweise kann man auf dem Weg von Schule oder Kindergarten nach Hause einfach mal eine Haltestelle früher aussteigen und so ein Stück des Weges zu Fuß zurücklegen. Und: Entscheidend ist auch, dass man sich bei der Bewegung anstrengt, denn nur so erreicht man eine ausgewogene Energie-Balance.

Bewegung, Spiel und Sport hilft Kindern überflüssige Pfunde zu verlieren. Ab welchem Alter sollte ein Kind anfangen, Sport zu treiben?

Dr. Klaus Balster: Bewegung lässt sich selbstverständlich im Kleinkindalter bereits ganz einfach und spielerisch in den Alltag integrieren. Zählen Sie doch einmal mit Ihrem Kind die Treppenstufen bis zur Wohnung, anstatt den Fahrstuhl zu nehmen. Und der Weg zum Bäcker am Samstagmorgen ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad auch viel spannender als vom Autofenster aus.

Bewegen verbraucht Energie, lenkt von unkontrolliertem Essen ab, schafft Selbstbewusstsein und Zufriedenheit. Kinder bewegen sich viel und gern, wenn die Art der Bewegung besonderen Spaß macht und ihr eigenes Tun Erfolg hat und einen Sinn ergibt. Wer sich bewegen kann und will, kann dies überall tun – und das von Früh an.

Die Fragen stellte Steffi Rehfeld

Der Sportpädagoge und psychologische Berater Dr. Klaus Balster ist Vorstandsmitglied der Sportjugend im LandesSportBund Nordrhein-Westfalen e.V und Leiter der AG "Kinder in Bewegung" der Deutschen Sportjugend sowie Mitglied in verschiedenen bundesweiten Expertengruppen. Dr. Klaus Balster ist außerdem Experte zum Thema Sport und Bewegung für Kinder auf www.clever-naschen.de – das Elternportal von Mars.

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