Die Freiheit der venezianischen Maske

Der Karneval in Venedig

Venedig, die Stadt der romantischen Gondelfahrten, der verborgenen Liebesabenteuer und der berauschenden Maskenbälle. Trotz der ablehnenden Haltung der Kirche feiern die Venezianer ihren Karneval seit dem Ende der Pest jedes Jahr vom 26. Januar bis zum Aschermittwoch.

Immer wieder versuchte die Kirche, dem ausgelassenen Treiben und Vergnügungen durch Verbote entgegen zu wirken. Die Bevölkerung schenkte den Erlassen jedoch keinerlei Beachtung. Vielmehr führte die Gegenwehr der Kirche dazu, dass die Venezianer immer kreativere Masken erfanden.

Gab es am anfänglich nur die typischen Vermummungen, wie den „wilden Mann“, den „Teufel“, geschwärzte Gesichter und die Frauenmaske, derer sich die Männer bedienten, um als Frauen verkleidet in die Klöster einzudringen und dort ihre „Schamlosigkeiten“ zu treiben, kamen im 16. Jahrhundert Kostüme aus dem Reich der Mythologie immer mehr in Mode.

Darüber hinaus begannen die Venezianer die Maskenzeit auf das ganze Jahr auszudehnen. Die Menschen trugen die Masken nicht mehr nur zum Karneval. Auch auf Festen, Staatsbesuchen und Bällen vermummten sie sich.

Hatten die Venezianer die Maskerade früher zum Verbergen der eigenen Identität benutzt, um so unerkannt an den Vergnügungen der Karnevalszeit teilzunehmen, gewann die Maske eine ganz neuen Status. Sie erfüllte jetzt meist den Zweck aufzufallen, da die Menschen sich nicht mehr versteckten. Im Gegenteil, sie fanden Gefallen daran sich zu zeigen, sie wollten mit ihren Masken gesehen werden.

Das maskierte Venedig wurde zur Attraktion des Tourismus und lockte Fotografen und exotische Fremde aus allen Herren Länder an. Seinen Höhepunkt hatte der venezianische Karneval im 18. Jahrhundert. Seit dieser Zeit war es auch den Frauen erlaubt, die „Maschera nobile“, die typisch venezianische Maske, zu tragen. Die Maske besteht aus einem schwarzen Seidenmantel, einer Kappe, die den gesamten Kopf bis zu den Schultern bedeckt, einer weißen Maske vor dem Gesicht und einem schwarzen Hut der mit weißen Federn verziert ist.

Als Napoleon 1797 Venedig eroberte, verbot er den Karneval. Damit endeten die berauschenden Feste und Maskenbälle. Erst 1980 lebte der Karneval zu Gunsten des Tourismus wieder auf. Heute kommen Tausende Menschen aus aller Welt nach Venedig, um dort Karneval zu feiern.

Seit jeher übt der maskierte Karneval einen gewissen Reiz auf die Venezianer aus. Er ermöglicht ihnen, ihre wahre Identität zu verbergen und für kurze Zeit in eine andere Rolle zu schlüpfen. Hinter den Masken blieben soziale Unterschiede verborgen und der Träger unterstand keiner gesellschaftlichen Rangordnung mehr. Die Träger einer Maske waren alle gleich.

Unsere Empfehlung:
Brigitte Gronau - Traumtänzer. Karneval in Venedig

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Dieser Bildband zaubert die Masken des venezianischen Karnevals in die Architektur der Lagunenstadt und entdeckt jene, die sich einmal im Jahr den Traum von Pracht und Herrlichkeit, Eleganz und morbidezza, von Lagune und Gondel, Leben und Schönheit erfüllen.

 

Broschiert: 165 Seiten
Verlag: Weishaupt, 1. Auflage
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3705901036
ISBN-13: 978-3705901032