Wenn Brasilien den Atem anhält

Der atemberaubende Karneval in Rio de Janeiro

Heiße Sambarhythmen, farbenprächtige Kostüme und unglaubliche Tänzer machen den Karneval von Rio de Janeiro zu einem der bekanntesten Festumzüge. Während des Karneval steht das wirtschaftliche Leben in Brasilien still. Überall auf den Straßen Brasiliens wird gefeiert und getanzt.

Höhepunkt des Karnevals von Rio ist der zweitägige Umzug der Samba-Schulen, die jedes Jahr ein neues Thema vorstellen. Passend zu dem gewählten Thema wird die Musik, der Tanz, die Kostüme der Tänzer und die Dekoration des Wagens ausgewählt.Tausende von Menschen begleiten den Umzug der Tänzer, der bis zu zwölf Stunden dauern kann. Die ausgelassene Stimmung lässt leicht vergessen, was für eine Bedeutung der Karneval für die Samba-Schulen hat. Sie wählen bereits Monate im Voraus das Thema, die Musik, die Formation und die Kostüme aus. Immer wieder werden Tanzschritte neu einstudiert, Themen diskutiert, Texte umgeschrieben und Kostüme geändert. Viele Schulen bereiten sich nach dem Ende des Karnevals schon auf das nächste Jahr vor.Die konkurrierenden „Escolas de Samba" präsentieren sich im „Sambódromo“ (Karnevalsstadion) nicht nur der brasilianischen Bevölkerung, sondern auch einer Jury, die sie nach festgelegten Kriterien bewertet. Dabei sind die Wahl des Themas, die Originalität der Umsetzung, die Einhaltung vom Rhythmus, die Kostüme, die Choreographie, das Talent der Tänzer und die Dekoration des Wagens von entscheidender Bedeutung.Jede der „Escolas“ versucht durch den Karneval seine Anhängerschaft und das daraus resultierende Prestige zu vergrößern. Vor allem Prominente, die sich zu einer „Escola“ bekennen oder selbst in einer tanzen, steigern das Ansehen der jeweiligen Schule.Bereits im 17. Jahrhundert wurde der Karneval von den Portugiesen in Brasilien eingeführt. Damals existierte der brasilianische Karneval noch nicht wie in der heutigen Zeit. Die Menschen bewarfen sich mit allem was ihnen zur Verfügung stand. Später wurde das Beschmutzen mit Kalk und Puder in das harmlosere Werfen von Konfetti und Papierschlangen abgewandelt.Zuerst wurde der Karneval nur von der weißen Bevölkerung Brasiliens gefeiert. Später wurde auch der farbigen Bevölkerung erlaubt, an den drei Haupttagen (Sonntag bis Dienstag) teilzunehmen. Diese bemalten ihr Gesicht mit Mehl und zogen ebenfalls kostümiert durch die Straßen Brasiliens.Die ersten Maskenbälle für die gehobene Gesellschaft wurden erst 1840 veranstaltet. Da sie immer mehr in Mode kamen, rückte der Straßenkarneval bis zur Gründung der ersten Samba-Schule in den Hintergrund.Im 19. Jahrhundert entstanden immer mehr Karnevalclubs, die sich außerhalb der Karnevalszeit oft auf politischer und sozialer Ebene betätigten. Sie waren es auch, die den Straßenumzug mit den prachtvollen Wagengruppen und Kostümen einführten.Themen des Umzugs waren immer wieder Themen aus der brasilianischen Geschichte, wie die Entdeckung, die Unabhängigkeit und die Sklaverei. Auch Themen und Personen aus der Bibel, der Literatur, der Kunst und der Mythologie waren sehr beliebt. Bereits 1840 brachten auch die Sklaven ihre Musik und Tanztraditionen in den Karneval mit ein.Obwohl jede „Escola“ auf ihre Individualität bedacht ist, gibt es im Samba eine einheitliche Struktur. Die Masse tanzt in den „Alas“ (Flügeln) und hebt mit ihren einheitlichen Kostümen das Thema hervor. Während die Solotänzerin, ihre unterstützenden Tänzer, der Sambasänger und die mit Perkussionsinstrumenten bestückten Musiker den Rhythmus vorgeben.Ausschlaggebend für den Erfolg der „Escola“ ist das Zusammenspiel aller Teile und die Einhaltung des vorgegeben Zeitlimit.

In den letzten Jahren hat der brasilianische Karneval immer mehr an Popularität zugenommen. Tausende von Menschen überschwemmen in dieser Zeit Rios Straßen. Trotz der Überladung des Umzugs hat der Karneval für viele Bewohner immer noch eine bedeutende Funktion bei dem Zusammenhalt der Gemeinschaft.

Unsere Empfehlung:
Thomas Veszelits - Brasilien

Thomas Veszelits - Brasilien

Gott ist Brasilianer, sagen die Brasilianer: Thomas Veszelits poträtiert ein Land der Kontraste - Rio de Janeiro, die Welthauptstadt des Körperkults, den Carneval allerorten, Sao Paolo als die Megalopolis schlechthin, Salvador, Brasiliens schwarzes Herz, und Brasilia, die ungeliebte Hauptstadt.

 

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag:
Bruckmann (September 2004)
Sprache:
Deutsch
ISBN-10:
3765438235
ISBN-13:
978-3765438233