Mit Trommeln und Flöten zum Morgenstraich

Die Basler Fasnacht

An den „drey scheenschte Dääg" (drei schönsten Tage) im Jahr bestimmen die Fasnächtler das Geschehen in der Basler Innenstadt. In ihren Cliquen ziehen sie durch die Straßen, Geschäfte und Kneipen.

Die Basler Fasnacht unterscheidet sich von dem rheinischen Karneval. Nicht nur die Trennung zwischen aktiven Teilnehmern und Zuschauern, auch durch den Beginn der Fasnacht am Montag nach Aschermittwoch, hebt er sich von dem deutschen Karneval ab.

Bis heute ist nicht ganz geklärt, weshalb die Basler Fasnacht erst eine Woche später als der rheinische Karneval beginnt. Manche glauben, dass der Grund die Abgrenzung zum katholisch orientierten Karneval ist. Die Basler Bevölkerung rühmt sich damit die einzige protestantische Fasnacht der Welt zu sein, da die Basler im Gegensatz zu den meisten reformierten Gebieten auch nach der Reformation um 1520 an der Fasnacht festhielten. Allerdings gibt es kein Dokumente, die diese oder andere Fasnacht Theorien belegen.

Mit dem Morgenstraich beginnt am Montagmorgen um 4.00 Uhr die Fasnacht. Zu diesem Anlass löschen die Basler Stadtwerke die Strassenbeleuchtung und die Innenstadt wird vollständig verdunkelt. Das einzige Licht spenden die Zuglaternen der einzelnen Cliquen und ihre Laternen auf denen sie ihr Sujets ( französisch für “Thema“) präsentieren. Bei dem Sujet handelt es sich um ein Thema der Zeitgeschichte, das in satirischer Form kritisiert wird. Viele der Aktivisten tragen zusätzlich noch eine Kopflaterne.

Die offene Kleiderordnung („Charivari“) verhindert, dass die Clubs während es Morgenstraich einheitliche Kleidung tragen. Der erste Umzug trägt den Namen „Morgenstraich“, nach dem ersten Marsch benannt, der von allen Cliquen gespielt wird.

Mit dem Morgenstraich öffnen auch fast alle Wirtschaften und Kneipen in der Innenstadt. Sie versorgen die Zuschauer die nächsten 72 Stunden mit den traditionellen Fasnachtspeisen wie zum Beispiel Mehlsuppe.

Außer am Morgenstraich und am Fasnacht-Dienstag tragen die Cliquen einheitliche Kostüme, die den Körper komplett verdecken. Meist sind die Kostüme und die Masken (Larven) dem Sujet der Clique angepasst. Bei der Auswahl ihrer Masken sind den Teilnehmern keinerlei Grenzen gesetzt. Weit verbreitet sind Comic-, Tier- und Politikermasken.

Die Pfeifer- und Tambouren-Cliquen sorgen mit ihren Trommeln und Flöten dafür, dass die Basler Innenstadt während der Fasnacht zu einem gigantischen Pfeifkonzert wird. Eine Clique besteht zum größten Teil aus den Pfeifern und Trommlern, aber auch ein Platzmacher, der den Weg frei räumt, gehört dazu.

Neben den pfeifenden Cliquen gibt es auch Guggenmusik-Gruppen mit Blechblasinstrumenten. Diese sind allerdings nur bei den Umzügen (Cortèges) an den anderen Fasnachttagen anzutreffen. Am Dienstag finden sogar ganze Guggenkonzerte statt.

Wie der Kölner Karneval mit seiner Nubbelverbrennung hat auch die Basler Fasnacht ihre eigenen Bräuche. Sie werfen nicht nur Süßigkeiten und Obst in die Menge, sie bewerfen die Zuschauer auch mit Konfetti. Zur selben Zeit verteilen die Cliquen Zettel mit ironischen Versen. Unterstützt werden sie dabei von den Schnitzelbanksängern, die sich mit auf baseldeutsch gesungenen Liedern über aktuelle Ereignisse lustig machen.

Zusätzlich zu der Laternen-, der Wagen- und der Requisitenausstellung der Fasnachttage, findet am Dienstag die Kinder- und Familienfasnacht statt. Auch hier finden wieder Umzüge statt. Allerdings nehmen daran nicht die Cliquen teil, sondern Familien mit ihren gemeinsam hergerichteten Wagen. Von den Kindern wird aber keine vollständige Vermummung verlangt. Sie dürfen auch in anderen Kostümen teilnehmen.

Unsere Empfehlung:
Ein Streifzug durch die Basler Fasnacht.

Ein Streifzug durch die Basler Fasnacht.

Autor: Hanns U Christen, Hans J (III.) Truöl
Gebundene Ausgabe:
48 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN-10:
389102200X