Drogenkonsum unter Jugendlichen

Wenn Alkohol, Marihuana und Co. zum Alltag werden

Viele Jugendliche unterschätzen die Wirkung von Drogen

Für viele Jugendliche beginnt Drogenkonsum als Geste des „Ausprobierens“. Dabei werden Risiken und Nebenwirkungen stark unterschätzt. Das Potenzial zur Abhängigkeit ist dementsprechend hoch.

Der Drogenkonsum unter Jugendlichen ist seit vielen Jahren ein anhaltendes, sich stetig wandelndes Problem. Die meisten Jugendlichen unterschätzen dabei die Wirkung von Drogen und geraten somit in einen Teufelskreis, aus dem sie aus eigener Kraft nur schwer herauskommen. Dennoch akzeptieren viele keine Hilfe von außen und fühlen sich bedroht, missverstanden und ihrer Freiheit beraubt. 

Was sind die Gründe für den Drogenkonsum unter Jugendlichen?

Für viele bedeuten Alkoholexzesse, Cannabis rauchen oder Ecstasy einnehmen harmloser Spaß und werden als Geste des „Ausprobierens“ und „Erfahrungen Sammelns“ interpretiert. Doch aus dieser „Probierphase“ schaffen es nicht alle Jugendliche problemlos heraus. Viele gleiten dabei meist unbewusst in die Abhängigkeit.

Bei den Ursachen für den Konsum von Drogen unter Jugendlichen spielen jedoch auch biologische, psychische und soziale Faktoren eine wichtige Rolle. Oft geht es dabei um nicht bewältigte Krisen aus der Kindheit oder um Jugendliche aus einem Elternhaus, in dem ein Elternteil selbst Probleme mit Suchtmitteln hat. Auch sexueller und psychischer Missbrauch sowie Depressionen, Angst oder Hyperaktivität können zum Drogenkonsum führen. Mithilfe der Drogen versuchen sich die Jugendlichen dann oft in eine heile, bunte Welt zu flüchten und der Realität zu entfliehen. Um diesen Zustand aufrecht zu erhalten, geraten sie in die Abhängigkeit.

Häufiger versuchen Jugendliche sich ihrem Umfeld anzupassen und stetig mit dem „Trend“ mitzugehen. Oftmals geraten sie dabei an die falschen „Bezugspersonen“, denen sie nacheifern. Es entsteht ein Gruppenzwang, durch den viele Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten. Diese Jugendlichen fühlen sich meist von ihren Eltern missverstanden und haben Probleme damit ihre Gefühle mitzuteilen. Sie rebellieren und versuchen sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. Mittels Drogen probieren sie „cool“ zu wirken und nur im Rausch können sie mit ihren Gefühlen umgehen und erhalten somit die fehlende Selbstsicherheit.

Das Einstiegsalter für Drogenkonsum wird immer geringer

Es entstehen Trends wie das sogenannte „Flatrate- oder Komasaufen“ sowie der „Mischkonsum“, also das Einnehmen verschiedener Drogen gleichzeitig, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen, die erschreckenderweise sehr beliebt unter Jugendlichen sind. Dabei wird das Einstiegsalter immer geringer. Laut statistischem Bundesamt sind im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren wegen eines akuten Alkoholmissbrauchs stationär im Krankenhaus behandelt worden. Trotz dieser alarmierenden Zahlen, reißt die Begeisterung für den exzessiven Alkoholkonsum unter Jugendlichen nicht ab. 

Die gesundheitlichen Konsequenzen sind immens, denn in diesem Entwicklungsstadium reagieren der jugendliche Körper und vor allem das Gehirn besonders empfindlich auf körperfremde Wirkstoffe. Es kann zu schwerwiegenden Fehlbildungen, Störungen des zentralen Nervensystems oder Mangelerscheinungen kommen. Des Weiteren kann der übermäßige Konsum von Drogen jeglicher Art zu Problemen im Elternhaus, in der Schule und oder der Ausbildung /des Studiums und damit der beruflichen Karriere, zum Verlust des Führerscheins und zu Problemen mit der Justiz führen, sei es aufgrund aggressiver Handlungen unter Drogeneinfluss oder dem Konsum illegaler Drogen. Denn in der Regel zieht der aufständische Jugendliche im Konflikt mit dem Gesetz den Kürzeren.

Cannabis als beliebteste illegale Droge unter Jugendlichen

Studien belegen, dass mehr als ein Viertel aller deutschen Jugendlichen Haschisch oder Marihuana mindestens einmal probiert  haben und 5 Prozent regelmäßig „kiffen“. Bei dem von Jugendlichen genannten „Gras“ handelt es sich um eine psychotrope, also auf die Psyche einflussnehmende Droge. Hauptsächlich psychoaktiv ist das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol, umgangssprachlich THC genannt. THC beeinflusst unter anderem das zentrale Nervensystem des Menschen. Es ist vorrangig für euphorisierende und halluzinogene Wirkungen verantwortlich, weshalb es als Rauschmittel unter Jugendlichen auch so beliebt ist. 

Der Konsum von Cannabis ist jedoch mit psychischen, sozialen und körperlichen Risiken verbunden. Es kann zu Angstzuständen, Verwirrtheit, Panikattacken, Verfolgungswahn, Erinnerungslücken, Halluzinationen, Herzrasen, Schwindel, Übelkeit bis hin zu einem Kreislaufkollaps kommen. Des Weiteren hat der langfristige Cannabiskonsum ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko, die Beeinträchtigung  der kognitiven Leistungsfähigkeit sowie Rückzugstendenzen häufig verbunden mit einer Gleichgültigkeit gegenüber der Schule, Ausbildung/Studium, dem Elternhaus und dem sozialen Umfeld die sogenannte „Null-Bock-Einstellung“ zur Folge. In der Pubertät ist eine verzögerte Entwicklung ebenfalls nicht auszuschließen.

Hanf - Heilpflanze und Rauschmittel

Doch galt der tatsächliche Hanf eigentlich seit Jahrhunderten als Heilpflanze, reduzierte die Medizin im Zuge des Cannabis-Verbots Mitte des 20. Jahrhunderts die Medikation. Jedoch stieg in den letzten Jahren die Forderung der Gesellschaft nach der Legalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken enorm. Alljährliche „Hanfparaden“ sowie Demonstrationen zur Legalisierung der Droge kursieren in den Medien. Auch die Politik, allen voran die Partei Bündnis 90 die Grünen, fordert Cannabis als Arzneimittel. Denn Cannabis ist nicht nur eine illegale Rauschdroge, sondern wird aufgrund seiner vielfältigen Wirkungen an diversen Rezeptoren im Körper, zunehmend auch für die Medizin interessant. 

Sie wirkt nämlich nicht nur psychotrop, sondern auch appetitssteigernd, Brechreiz unterdrückend, schmerzlindernd, muskelrelaxierend, beruhigend und angst- und spannungslösend. Indikatoren, die die Pharmazie nutzen kann, um Therapieversuche für Patienten mit chronischen Schmerzen, Spastiken, Appetitmangel, Übelkeit, Depressivität, Multipler-Sklerose, dem Tourette-Syndrom oder Tic-artigen Zuckungen im Gesicht-, Hals- und Schulterbereich durchzuführen oder um neue Medikamente auf Basis des Cannabisextraktes herzustellen.
 
Seit 2011 ist nun auch in Deutschland dieser Cannabisextrakt in Form eines verschreibungspflichtigen Medikamentes zur Behandlung der therapieresistenten Spastik bei multipler Sklerose zugelassen. Weitere Forschungen und Studien zur Behandlung anderer Krankheiten auf Basis des Cannabiswirkstoffes werden bereits seit einigen Jahren durchgeführt. 

Wie wichtig ist die Aufklärung über Drogen in der Schule, Politik, Öffentlichkeit und im Elternhaus?

Um seine Kinder vor dem negativem Einfluss und den Folgen eines Drogenmissbrauchs zu schützen, ist es wichtig, dass vor allem in der Schule, in der Öffentlichkeit und Politik sowie im Elternhaus sogenannte Drogenpräventionsarbeit geleistet wird. Dabei geht es um Aufklärungsarbeit, die sich an den Verstand der Zielgruppe richtet und zur Vorbeugung beziehungsweise Verhinderung des Drogenkonsums dient.

Diese kann in der Schule beispielsweise in Form von Schulpsychologen, schulischem Unterricht in sozialem Umgang, sogenanntem „Anti-Gewalt-Training“ oder Unterrichtsbeiträgen erfahrener Drogenberatungspsychologen stattfinden. Auch Broschüren und Internetauftritte der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die über die Ursachen und Folgen eines Drogenkonsums unter Jugendlichen informieren, tragen zur Suchtprävention bei. 

Mithilfe von öffentlichen Kampagnen wie „Keine Macht den Drogen“ oder „ Alkohol? Kenn dein Limit“ wird die Gefahr und das Suchtpotenzial von Drogen im Internet, Fernsehen und in der Öffentlichkeit publik gemacht und in das Gedächtnis der Menschen und vor allem der Kinder und Jugendlichen gerufen. 

Für Eltern ist es wichtig beim Thema Drogen gegenüber ihren Kindern eine klare Haltung zu bewahren, sinnvoll mithilfe von Sachinformationen zu argumentieren anstatt Vorwürfe zu leisten und vor allem Verständnis zu vermitteln. Dies kann dazu beitragen, dem Kind die fehlende Selbstsicherheit und Geborgenheit zu geben und Einblick in seine Gefühlen und Gedanken zulassen, bei denen Sie Ihren Kindern ratsam zur Seite stehen können. 

Denn Ziel jeder Art von Drogenprävention ist es, ein stabiles menschliches und soziales Umfeld zu schaffen, da Jugendliche, die psychisch und sozial im Gleichgewicht sind, weniger anfällig für eine Suchtentwicklung sind als jene, die sich im Ungleichgewicht befinden. 

Josephin Kasten

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