Jugend und Sexualität

Aufgeklärtes Halbwissen

Kinder werden früher erwachsen, die Pubertät beginnt früher und auch Sex wird eher zum Thema. Was nicht heißt, dass Jugendliche auch früher Sex hätten. Doch auch das Wissen über Sexualität hält sich nach wie vor in Grenzen.

„Sex sells“ ist die Prämisse, nach der die Werbemacher heutzutage arbeiten. Überall sieht man TV-Spots oder Plakate, die mehr oder weniger subtile sexuelle Anspielungen enthalten. Was früher höchstens spät nachts im Fernsehen zu sehen war, ist nun im Nachmittagsprogramm angekommen: sexuelle Themen werden in Talkshows auf vulgäre Weise breitgetreten, in Pseudo-Doku-Soaps sieht man täglich angeblich wahre Schicksale, die sich um Sex, Gewalt und Betrug drehen. Das Internet bietet der Pornographie eine perfekte Plattform und man stößt überall darauf. 

Und all das geschieht vor den Augen von Kindern und Jugendlichen. Natürlich fühlen sich die Jugendlichen daher schon sehr früh bestens informiert. Sie fühlen sich nahezu „allwissend“ was Sex angeht und sind nicht der Meinung, dass Eltern oder Lehrer ihnen noch etwas zu erklären brauchen. Dieses gefährliche Halbwissen wurde auch in der „Bravo Dr.Sommer Studie 2009 Liebe! Körper! Sexualität!“ entlarvt. 

Im Auftrag der Bravo befragte  iconkids & youth 1220 Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren. Dabei glaubten 26% der Befragten, bei der Pille danach handele es sich um ein ganz normales Verhütungsmittel. Als sichere Verhütungsmethode galt auch Koitus Interruptus („Aufpassen“) bei 21% der Teenager. Darüber hinaus nahmen 26% der Jugendlichen an, ein Mädchen könne nur direkt nach der Regel schwanger werden, 18% meinten, eine Schwangerschaft könne nur während der Regel zustande kommen. Die jungen Menschen scheinen demnach ihr Wissen vor allem aus TV und Internet zu beziehen und  über Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft nur grob Bescheid zu wissen. 

Aufklärung

Aufklärung in der Schule und im Elternhaus sollte diese Wissenslücken füllen. In der Praxis funktioniert dies jedoch häufig nur unzureichend. Der Schulunterricht ist zu theoretisch und praxisfern, denn den weiblichen Zyklus auswendig zu lernen, wird den Teenagern bei ihrem ersten Mal nicht weiter helfen. Im Klassenverband Fragen zu stellen ist den Schülern natürlich zu peinlich und so bleibt Vieles unbeantwortet. 

Mit der elterlichen Aufklärung verhält es sich ähnlich: Zu Beginn der Pubertät lassen sich die wenigsten Kinder etwas von ihren Eltern sagen. Alles was die Eltern sagen, tun oder verlangen wird rundherum abgelehnt – aus Prinzip. Mit den eigenen Eltern über Sex zu sprechen ist für viele Kinder noch unvorstellbarer, als mit dem Lehrer darüber zu reden. 

Obwohl diese Hemmungen nach wie vor bestehen, sind die Teenager von heute im Großen und Ganzen besser aufgeklärt als noch vor 30 Jahren. Sex ist im Elternhaus kein Tabuthema mehr und auch in der Schule wird offener damit umgegangen. Es gibt zahlreiche Beratungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden. Offene Fragen kann mittlerweile auch das Internet recht kompetent beantworten: Es gibt Aufklärungsseiten, die auf Jugendliche zugeschnitten sind, mit vielen Informationen und der Möglichkeit, eigene Fragen beantworten zu lassen.

Jugend und Sex – Studie 2010 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) führt seit 1980 regelmäßige Befragungen zum Sexualverhalten von 14- bis 17-jährigen durch. Die Ergebnisse der letzten Studie „Jugendsexualität 2010“ mögen teilweise überraschen. 

Entgegen der weitläufigen Meinung haben Jugendliche nämlich keinesfalls immer früher Sex. Seit den späten 90er Jahren sind die Zahlen relativ stabil und in der aktuellen Studie ist sogar ein rückläufiger Trend zu beobachten: immer weniger Jugendliche haben mit 14 bereits Sex gehabt. Und immerhin ein gutes Drittel der Jungen und Mädchen hatte mit 17 noch keinen Geschlechtsverkehr.

Auch das Verantwortungsbewusstsein beim Umgang mit Sex wächst: Nur 8% der Jungen und Mädchen verhüten beim ersten Mal nicht. Das ist der beste Wert seit Beginn der Erhebungen.
Ihr erstes Mal erleben Teenager häufig in einer festen Beziehung oder zumindest mit einem engen Freund. Sex ohne Gefühle ist laut der Bravo-Studie für viele Mädchen und Jungen nicht vorstellbar. 

Die Kinder werden früher erwachsen, die Pubertät beginnt früher und auch Sex wird eher zum Thema. Dass der Einfluss der Medien und ihr Umgang mit dem Thema Sex auf jeden Fall nicht positiv zu bewerten ist, bleibt unbestritten. Auch aufgeschlossenen Erwachsenen kann schon mal die Schamesröte ins Gesicht schießen, wenn sie das Nachmittagsprogramm verfolgen. Aber dass die Medien unsere Jugend völlig verderben würden und dass die Teenager von heute keinen Anstand und kein Verantwortungsbewusstsein mehr hätten, sind wohl überzogene Urteile aufgrund dramatischer Einzelfälle. Die Zahlen aus den Statistiken sprechen eine andere Sprache: die Jugend macht’s richtig.

Christin Keil

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