Homosexuelle Kinder

Auch Eltern müssen sich outen

Auch Eltern müssen sich outen

Auch Eltern müssen sich outen

Wie schwer es für (junge) Menschen ist, ihre Homosexualität bei Freunden und der Familie anzusprechen, weiß man. Erleichterung herrscht, wenn die Eltern Bescheid wissen. Wie aber gehen diese mit ihrem Teil des Outings um?

Susanne Janssen* fand den Liebesbrief eines jungen Mannes an ihren Sohn Alex offen auf seinem Schreibtisch. So offensichtlich lag er da, dass sie ihn gegen ihre Art las und auf diese Weise von der Homosexualität ihres Sohnes Kenntnis erlangte. Wie sie wenig später in Gesprächen mit Alex erfuhr, war der Brief vom 17-jährigen Sohn dort tatsächlich bewusst platziert worden - sein Weg, sich bei den Eltern zu outen.


Erste Reaktionen

Wie für viele Mütter war die Neuigkeit auch für Susanne Janssen zunächst ein Schock. Fragen schossen ihr durch den Kopf, auf die es nur düstere Antworten zu geben schien. Bilder bauten sich in ihren Gedanken auf und verfolgten sie. Von ihrem Sohn in unergründlicher Gesellschaft. Von einem komplizierten Leben innerhalb einer Minderheit. Von einer kinderlosen Zukunft.

Überraschenderweise schien ihr Mann Christoph das Thema zunächst nicht weiter ernst zu nehmen. Wenn Alex erst eine tolle Frau träfe, teilte er seinem Sohn mit, würden ihm Überlegungen in diese Richtung sicher vergehen. Das sei nur eine Phase der Identitätsfindung auf dem Weg zum Erwachsenwerden. In Wirklichkeit verdrängte Christoph Janssen die Thematik, denn in sein katholisch geprägtes Männerbild passte ja gar kein homosexueller Junge.


Große und kleine Schritte

Doch die Mutter war schon einen Schritt weiter, für sie gab es nur eine Möglichkeit. Sie ging bald in die Offensive und versuchte, sich mit radikalen Schritten der Realität zu nähern. Auch wenn sie noch emotionale Probleme mit der Homosexualität ihres Sohnes hatte, nutzte sie jede Gelegenheit, ihre Verwandtschaft darüber zu informieren. Sie polterte regelrecht herum, so dringend wollte sie die Meldung loswerden bzw. loshaben und zu ihrem Sohn stehen.

Christoph Janssen ging das zu schnell und es kam für ihn zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage, mit seinem Umfeld über die Entwicklung in der Familie zu sprechen. Dennoch unternahm er mutige, leise Schritte. Kam das Thema Homosexualität unter Freunden auf, äußerte er sich positiv, wurde ein Schwulen-Witz erzählt, meldete er freundlich, aber bestimmt, Bedenken an.


Vor versammelter Mannschaft

Dass es sich nicht um eine vorübergehende Phase handelte, wurde immer deutlicher. Vor allem durch die Tatsache, dass der Sohn den ersten Freund mit nach Hause brachte und die Beziehung selbstbewusst und locker lebte. Beide Eltern stellten fest, dass Alex' Freund nicht nur eine Bereicherung im Leben des Sohnes, sondern auch für die gesamte Familie war. Zwei verliebte, bestens gelaunte und spaßende Jungs am Tisch sitzen zu haben, sorgte regelmäßig für gute Stimmung. Und so ließ nach längerer Zeit auch der Vater anlässlich seiner Geburtstagsfeier die Katze aus dem Sack. Bei seiner Begrüßungsrede nannte er die Partner der Töchter im gleichen Atemzug mit dem Freund des Sohnes. Und da wussten es nun alle.


Fazit:

Für die Eltern war es eine aufwühlende Zeit, doch heute ist es Alltag. Alex hat bislang noch jedes Mädchen verschmäht. Wenn er Liebeskummer hat, dann wegen einem Mann. Das „Leben in der Minderheit“ bedeutet in Wahrheit einen großen Freundeskreis, bestehend aus homo- und heterosexuellen Menschen. Und das ist nicht nur bei Familienfesten das Selbstverständlichste der Welt. Die Outings haben funktioniert.

* alle Namen wurden von der Redaktion geändert

 

Barbara Benz

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