Hausfrau - Hausmann

Verstaubtes Image

Immer öfter sieht man sie: Väter die Kinderwagen schieben, ein Kleinkind auf dem Laufrad im Schlepptau. Im Berliner Szene-Viertel Prenzlauer Berg schieben gefühlt mehr Männer als Frauen ihre Kleinen spazieren.

Immer mehr Väter gehen in Elternzeit. Das ist ein Trend, der langsam nicht mehr belächelt wird. Ganz im Gegenteil, ein guter Vater zu sein, wandert in der To-do-Liste vieler deutscher Männer immer weiter nach oben. Die Generation Männer, die ihren eigenen Vater vor lauter Arbeit kaum gesehen haben, wollen es selbst besser machen. Oder sie möchten – ganz im Sinne der Gleichberechtigung – ihren Frauen die frühe Wiederaufnahme des Berufs ermöglichen. Ein schöner Ansatz, der von wachsender gesellschaftlicher Anerkennung gekrönt wird.

Einige Männer scheinen Kinder und Haushalt auch mit links im Griff zu haben. Andere wiederum stoßen einen Seufzer der Erleichterung aus, wenn das Berufsleben sie wieder hat. Immerhin kommt ihnen der Konkurrenzkampf mit dem Kollegen genetisch eher entgegen als das Getreidebrei-Anrühren.


Der Hausmann – die neue Spezies

Ausnahmen bestätigen die Regel. So entscheiden sich manche Männer sogar für ein komplettes Dasein als Hausmann. Eine solche Entscheidung aus freien Stücken zu treffen, zeugt von Größe. Hängt man damit nicht ein Stück seiner Männlichkeit an den Nagel? Und über diese Langzeit-Hausmänner fällt das gesellschaftliche Urteil auch nicht so milde aus wie gegenüber den Elternzeit-Vorzeige-Vätern.

Der Vater, der bereits seit zwei Jahren jeden Abend mit Kindern und Hund seine Frau vom Bahnhof abholt, wird schief beäugt. Bringt ein solcher Hausmann-Vater seine Kinder zum Kindergarten, kann das Getuschel der anderen Mütter und Kindergärtnerinnen den Kindergartenbesuch schnell zum Spießrutenlauf machen. Wenn ein Mann gar Hausmann wird, ohne dass Kinder im Haushalt leben, ist es um seine gesellschaftliche Anerkennung meist geschehen.


Die Hausfrau – mehr als Gebärmaschine und Putzfrau

Aber auch das Image der Hausfrau hat in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. Ohne Zweifel ist die Rolle der Hausfrau und Mutter durch den Nationalsozialismus negativ behaftet. Nachdem in den sechziger Jahren eine großangelegte Kampagne die Frauen zurück an den Herd locken wollte, um Arbeitsplätze für Kriegswiederkehrer und männliche Nachkommen zu schaffen, haben uns anschließend die Feministinnen diese Rolle richtig madig gemacht.

Nichts gegen den Feminismus und seine zahlreichen Verdienste um das Wohl von Frauen und Kindern. Dennoch hat er im gleichen Zug die Hausfrauenrolle diskreditiert und maßgeblich dazu beigetragen, dass Hausfrauen heute gemeinhin als undifferenziert und vorsintflutlich gelten. Angedeutet wird diese Tatsache auch in der gebräuchlichen Bezeichnung „Nur-Hausfrau“.  

Gibt man den Begriff „Hausfrau“ bei Google ein, stößt man schnell auf einschlägige Seiten. Warum Karrierefrauen viel seltener Gegenstand gewisser Fantasien werden, bleibt rätselhaft. Bei Wikipedia heißt es, „die Rolle der Hausfrau und Mutter werde im deutschen Sprachraum nicht nur (..) als eine besonders unattraktive Option empfunden, sondern als grundsätzlich obsolet“. Eine so wichtige Rolle!

Viele Erwachsene, deren Mütter Hausfrauen waren, erinnern sich heute gerne zurück an die Zeiten, in denen die Mutter immer abkömmlich war, der ruhende Pol der Familie, der Sicherheit und Liebe spendete. Eine Hausfrau und Mutter kann – ähnlich wie ein Hausmann – maßgeblich zu Harmonie und emotionaler Ausgeglichenheit in der Familie beitragen. Und der Bedarf danach könnte heutzutage nicht größer sein.

Sich Zeit für die Familie zu nehmen anstatt der Karriere nachzujagen, Lebensqualität und gepflegte Gelassenheit, das ist das neue Lebensgefühl nicht nur am Prenzlauer Berg. Die Ansichten über den alten/neuen Lebenswandel mögen verschieden sein, dennoch verdient die Rolle der Hausfrau/des Hausmannes zumindest Respekt.

Annika Misina

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