Brücke ins Erwachsenenleben

Wie Kinder spielen lernen

Brücke in das Erwachsenenleben - Wie Kinder Spielen lernen

„Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt...“ Ein Kind beginnt zu spielen, sobald es die Welt um sich herum erfasst - ganz für sich allein vorerst. Was jedoch, wenn der Spielkreis zum ersten Mal erweitert wird?

Spielen will gelernt sein - oder anders ausgedrückt: Für’s Tauziehen braucht man mindestens zwei. Zusammen spielen und dabei tolerant und offen zu sein, müssen Kinder auch erst einmal lernen.

Aus der One-Man-Show wird ein Teamsport

Nun ist ihr kleiner Rabauke schon etwas über zwei Jahre alt und bisher ist er es gewohnt, so denn keine Geschwister in seiner familiären Umgebung vorhanden sind, in Ihrer Mitte die Hauptrolle zu spielen, wobei das Spielen bisher meist im Alleinunterhaltergang geschah, in dem Sie von Zeit und Zeit einen Gastauftritt hatten. Kinder entwickeln mit der Entdeckung des spielerischen Umgangs mit der Welt ihre ganz eigene Art dies zu tun. So erfinden sie sich eine Welt, dazu gehörende Regeln und Gesetze, die ihrer Phantasie entsprangen und an die sich bisher niemand anderes als das Kind selbst halten musste.

Gleichzeitig strebt es den Kleinen auch nach draußen, die Atmosphäre eines Miteinanders mit anderen jungen, gerade die Welt entdeckenden, Geschöpfen zu erleben. Sicherlich wird Ihr Kind bereits vor dem ersten Auftritt auf dem Spielplatz schon mit Anderen gespielt haben oder zumindest die Situation kennen, sich plötzlich in einem kleinen sozialen Netzwerk aus lauter Kindern seines Alters zu befinden. Jedoch ist dies für jedes Kind eine individuell verschieden große Herausforderung.
 
Das Eis brechen

Für gewöhnlich sagt man, Kindern fiele doch alles leichter als Erwachsenen, insbesondere was den sozialen Umgang mit anderen betrifft, sind sie doch noch weitgehend unvoreingenommen und gehen ohne große Hemmungen und Bedenken auf Menschen zu, die sie mögen und die ihr Interesse wecken. Gerade noch eben erzählte Ihnen ihre Tochter quietschvergnügt und ohne Atem zu holen von ihren Erlebnissen und genoss es sichtlich, einmal den Ton anzugeben, während Sie einfach nur lauschen und ihr das Gefühl geben, diesen Augenblick mit niemandem teilen zu müssen.

Am Spielplatz angelangt, versiegt nun langsam der Redeschwall der kleinen Plappertasche und ihre Tochter steht unbewegt und in schüchterner Haltung am Rand und beobachtet eine Gruppe Kinder, die dort zusammen Ball spielen. Dieses plötzliches Zurückziehen zeigt, wie unsicher ihr Kind wahrscheinlich noch damit ist, auf unbekannte Gleichaltrige zuzugehen.

Eine bestehende Gruppe schreckt erst einmal ab und lässt gerade von Natur aus schüchterne und eher ruhige Kinder schnell Hemmungen und Berührungsängste aufbauen. Von sich aus würde nun die Kleine sicher nicht an die Spielenden herantreten, auch wenn der Wunsch größer ist als noch der unbezähmbare Hunger vor dem Mittagessen. Dann jedoch rollt der Ball direkt vor ihre Füße und alles schaut auf sie, denn jetzt wird sie gebraucht und flitzt auch schon los.

Denn ein neuer Impuls oder eine neue Idee, die das Spiel voranbringt, wird von den meisten Kindern positiv aufgenommen und ist so der perfekte Einstieg. Umso besser für Sie, denn nun können Sie gemütlich ihr Buch aus der Tasche holen, sich auf eine Bank setzen und dem frisch integrierten Energiebündel zusehen.

Vom Geben und Nehmen 

Beim Aufeinandertreffen vieler kleiner Persönlichkeiten, die bisher größtenteils ihre Welt selbst und auf ihre Art bestimmten und ausfüllten, ist es sicher eine Herausforderung, sich plötzlich auf gleichberechtigte Gleichaltrige einzustellen. Verzichten und Gönnen, Warten und Tolerieren - das alles sind Tugenden, die ein Kind, besonders, wenn es um den Umgang in der Gruppe geht, erst einmal erfahren und lernen muss. Steht gerade nur ein Auto zum Spielen zur Verfügung, so hat nun der kleine Peter die Möglichkeit, es dem vor Freude strahlenden Jürgen wegzunehmen und seinen Willen durchzusetzen, oder aber er nimmt sich das nächstliegende Buch und wartet bis das allerseits beliebte Vehikel frei wird. Denn Zeit hat er eigentlich genug. Es gilt nur, den eigenen Dickkopf zu überwinden.

Mit zunehmendem Ich-Bewusstsein des Kindes geht auch das wachsende Verständnis für andere einher und die Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt eines Mitmenschen hineinzuversetzen. War es nun Jürgen und nicht Peter selbst, der das Auto zuerst fand, so wird Peter es verstehen, dass es nicht richtig wäre, darauf Anspruch zu erheben.

Die Entwicklung von Mitgefühl und die Bereitschaft, andere zu verstehen und ihre Lage zu berücksichtigen, werden durch die Erziehung und den Umgang der Eltern mit ihrem Kind maßgeblich mitbestimmt. Erfahren Kinder zu Hause eben jenes Einfühlungsvermögen und begegnen Eltern ihrem Kind mit viel Aufmerksamkeit, indem sie auf Bedürfnisse reagieren, anstatt diese zu ignorieren oder gar das Kind aus manchmal nicht nachzuvollziehenden Gründen zu bestrafen, so wird dieses wenig bis kaum in der Lage sein, außerhalb des Elternhauses sein Verhalten stark zu ändern.

Gleichsam bedeutet Toleranz üben, die eigenen Ideen und Umsetzungswünsche einmal zurück zu stecken und die Eigen- und Gewohnheiten des Spielpartners zu akzeptieren. Denn nicht länger allein spielen zu müssen heißt auch, die eigenen Luftschlösser von anderen mitbauen zu lassen.

Im Spiel spiegelt sich das Leben

Rollenspiele mit anderen, in Figuren und Charaktere schlüpfen, die man bewundert oder deren Existenz man sich erdenkt, all dies fördert natürlich einerseits das Gemeinschaftsgefühl, trägt jedoch auch nachhaltig dazu bei, die sogenannten Spielregeln des Alltags zu verinnerlichen und beobachtete Funktionsmechanismen des Lebens nachzuempfinden.

Als Brücke in die Erwachsenenwelt bildet das Spiel an sich eine wichtige Basis, um aufgenommene Eindrücke zu verarbeiten und Verhaltensmuster zu erproben – wie eine Generalprobe, bevor es raus auf die Bühne geht. Ereignisse und bestimmte Situationen einmal durchspielen, das ist fürs Kind spannend und fördert die Vorstellungskraft und die Einschätzung der Wirklichkeit.

Im Spiel geht es keineswegs alleinig darum, Eltern und Aufsichtsperson zu entlasten, sondern im Gegenteil, die Ausbeute, die das Kind von einem intensiven Spiel mit Gleichaltrigen davonträgt, erstreckt sich auf viele Bereiche seines Wesensspektrums. So wird dabei seine Lernfähigkeit und –motivation angekurbelt, der Erwerb sozialer Kompetenzen angeregt und durch Erfolgserlebnisse sowieso auch den Umgang mit Niederlagen auf künftige Erfahrungen vorbereitet.

Anne Ahrens

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