Nächtliches Einnässen oder Enuresis

Wenn Siebenjährige nachts nicht trocken sind

Enuresis wird regelmäßiges nächtliches Bettnässen bei über fünfjährigen genannt

Mit sieben Jahren nachts noch nicht trocken – die Ärzte nennen das Enuresis. Für Kinder und Eltern ist das nächtliche Einnässen ihrer eigentlich schon „großen“ Kinder oft ein Problem. Es stresst nicht nur die Waschmaschine sondern ganz erheblich das Selbstbewusstsein.

Simon ist sieben Jahre alt und geht in die erste Klasse. Zurzeit gibt es für seine Klassenkameraden nur noch ein Thema: die bevorstehende Übernachtung in der Schule. Zum ersten Mal übernachten die Kinder mit ihrer Lehrerin im Klassenraum. Was für die einen ein Abenteuer ist, ist für Simon ein Albtraum.

Simon ist ein aufgeschlossener Junge. Er ist in der Klasse anerkannt und ein beliebter Spielkamerad. Und doch fürchtet er sich vor dieser Schulübernachtung. Nicht, weil er sein Bett oder die Eltern vermissen würde. Nein – weil er Angst hat, die anderen Kinder könnten ihn auslachen. Denn: Er braucht nachts noch eine Windel. Es klappt einfach nicht, dass er wach wird, wenn er muss.

Seine Mutter war mit ihm schon bei verschiedenen Ärzten. Organisch sei alles gesund, versicherten die einen. Das würde sich schon noch geben, beruhigten die anderen. Damit will sich seine Mutter nicht zufrieden geben. Schließlich kratzt das nächtliche Einnässen ganz gewaltig an Simons Selbstbewusstsein – und an ihrem.

Enuresis – das nächtliche Einnässen

Es könnte sein, dass Simon an Enuresis leidet. So wird das regelmäßige nächtliche Bettnässen bei über fünfjährigen Kindern bezeichnet, das keine organischen Ursachen hat. Ein gar nicht so seltenes Problem, unter dem etwa zehn Prozent aller Schulanfänger leiden. Jungen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Mädchen.

Die gute Nachricht ist: Nur selten bleibt die Enuresis über die Kindheit hinaus bestehen. Nur noch ein bis zwei Prozent der Jugendlichen und ein Prozent der Erwachsenen nässen nachts ein. Man unterscheidet zwischen der primären und der sekundäre Enuresis. Die primäre ist eine Entwicklungsverzögerung, die sekundäre hat seelische Ursachen.

Primäre Enuresis

Als primäre Enuresis wird das nächtliche Einnässen ohne längere trockene Phasen bezeichnet. Die meisten Kinder mit einer primären Enuresis sind ab dem fünften Lebensjahr tagsüber trocken und nässen nur nachts ein.

Mögliche Symptome:

  • sehr tiefer Schlaf
  • Kind lässt sich schwer wecken
  • kein Einnässen während des Tages
  • nächtliches Einnässen in großen Mengen
  • keine organischen Krankheiten
  • kaum oder keine psychischen Symptome
  • Kind war seit seiner Geburt noch nie länger als sechs Monate nachts trocken

Mögliche Ursachen:

  • genetisch bedingte Reifungsverzögerung des Gehirn
  • eine zu frühe oder zu strenge Reinlichkeitserziehung 

Bei einer genetisch bedingte Reifungsverzögerung des zentralen Nervensystems ist häufig die hormonelle Regulation des Hormons Vasopressi gestört. Dieses steuert den Wasserhaushalt im Körper und somit, mit wie viel Urin sich die Blase füllt. Normalerweise scheidet die Hirnanhangdrüse das Vasopressin in einem bestimmten Rhythmus aus und sorgt so dafür, dass sich die Blase nachts weniger füllt. Wie lange es dauert, bis die Reifung des Nervensystems abgeschlossen ist und die Nächte trocken sind, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Sekundäre Enuresis

Wenn das Kind einnässt, nachdem es schon einmal für mindestens sechs Monate trocken war, könnte das psychische oder urologische Ursachen haben.

Wie Eltern bei Enuresis reagieren sollten

  • Beim Arzt abklären, um welche Enuresis es sich handelt und ggf. einen Therapieplan entwickeln
  • Das Kind nicht bestrafen oder ihm drohen
  • Dem Kind abends nicht weniger zu trinken geben


Urotherapie bei Enuresis


Die Urotherapie bei Enuresis ist eine nicht-medikamentöse, verhaltenstherapeutische Therapie, bei der die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Signale geschult wird. Sie bedarf Ausdauer und Willenskraft. Das Kind lernt, seine Blase bewusst und kontrolliert zu entleeren sowie angemessen zu trinken. Ein Baustein der Therapie beinhaltet, dass das Kind alle zwei bis zweieinhalb Stunden auf Toilette geht und alle zwei bis zweieinhalb Stunden etwas trinkt. 

Alarmtherapie bei Enuresis

Für die Alarmtherapie benötigt man ein Weckgerät, eine so genannte Klingelhose. Diese besteht aus einem Feuchtigkeitssensor, der in der Unterhose, Windel oder Matratzenauflage befestigt wird und beim ersten Tropfen Urin klingelt. Der Alarm soll das Kind wecken, damit es auf Toilette gehen kann.
 
Für die  Alarmtherapie benötigen Kind und Eltern hohe Einsatzbereitschaft und langes Durchhaltevermögen. Wenn das Kind sehr fest schläft, hört es das Klingeln nicht und die Eltern müssen es wecken und zur Toilette schicken. Das bedeutet aufreibende Nächte. Allerdings kann sich bereits nach vier Wochen der Erfolg einstellen.

Mögliche Medikamente bei Enuresis

Eine homöopathische Behandlung mit Globuli oder die Gabe von Bachblütenprodukten kann helfen. Sollten homöopathische Produkte keinen Erfolg zeitigen, kann Bettnässen auch mit Tabletten, die den Wirkstoff Desmopressin enthalten, behandelt werden. Desmopressin wirkt wie das körpereigene Hormon Vasopressin und reduziert die nächtliche Harnproduktion. Man gibt es zirka zwölf Wochen. 

Heidrun Berger

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