Extreme Erziehungsmethoden
Laissez-faire-Stil und Antipädagogik
Immer wieder kommt es vor, dass ein Extrem ins Gegenteil umschlägt. So auch bei der autoritären Erziehung. Während diese sehr streng ist, lehnen einige ihrer Kritiker es gänzlich ab, das Kind zu beeinflussen und einzuschränken.
Lange Zeit wurde das familiäre und gesellschaftliche Leben fast ausschließlich von autoritären Strukturen bestimmt – bis sie ins Visier der 68er-Bewegung gerieten. Dabei drängten die Kritiker aber nicht nur darauf, den Machtmissbrauch der Erziehungspersonen zu unterbinden, sondern forderten mitunter die vollständige Abschaffung jeglicher Ungleichheit. Die Konsequenz ist ein nahezu unbegrenzter Freiraum für Kinder.
Laissez-faire-Stil
Oft unterstellt man den Anhängern der antiautoritären Erziehung, dass sie die unbegrenzte Freiheit fordern beziehungsweise praktizieren und die Kinder damit zu rücksichtslosen Flegeln erziehen. Das hat aber mit der ursprünglichen Form antiautoritärer Erziehung nichts zu tun. Denn erstens lehnt sie Autorität nicht grundsätzlich ab, und zweitens legt sie ja besonderen Wert auf die soziale Kompetenz des Kindes, was Kritikfähigkeit und gegenseitige Rücksichtnahme mit einschließt.
Wenn man dem Kind sehr viel Freiraum lässt und auf sein Verhalten kaum Einfluss nimmt, entspricht dies eher dem Laissez-faire-Stil. Kennzeichnend dafür ist eine große Passivität, ja sogar Gleichgültigkeit gegenüber dem Kind, das fast ausschließlich sich selbst überlassen und kaum mit irgendwelchen Ansprüchen konfrontiert wird. Das kann bis zur Vernachlässigung gehen, ob nun aus falsch verstandener Rücksichtnahme oder aus schierem Desinteresse seitens der Eltern.
Da das Kind dabei kaum Bestätigung und elterliche Nähe erfährt, mangelt es ihm an Selbstvertrauen. Später fällt es ihm oft sehr schwer, zwischenmenschliche Beziehungen anzuknüpfen und aufrechtzuerhalten. Außerdem kommt es in der Schule und im Beruf häufig zu Anpassungs- und Leistungsproblemen – die Kinder beziehungsweise die späteren Erwachsenen sind im außerfamiliären, zum Teil stark regulierten Alltag schlichtweg überfordert. Es fehlt ihnen an Konzentration, Ausdauer und Disziplin.
Antipädagogik
Ähnlich radikal ist die Meinung der sogenannten Antipädagogik. Sie ist für die absolute Gleichberechtigung des Kindes und lehnt jegliche Erziehung als eine Form der Ungleichheit und des Machtmissbrauchs ab. Stattdessen vertrauen die Antipädagogen darauf, dass das Kind selbst entscheiden kann, was es will und braucht. Der Erwachsene habe sich erst dann in den Lernprozess einzumischen, wenn das Kind von sich aus Hilfe will beziehungsweise wenn durch das Verhalten des Kindes andere Menschen beeinträchtigt werden. Konkrete, schon vorher feststehende Lernziele und -methoden werden als Einschränkung der kindlichen Freiheit betrachtet und daher verurteilt. Der Umgang mit dem Kind habe immer situationsgebunden zu sein, konkrete Ratschläge geben die Antipädagogen nicht.
Dieses Konzept klingt sehr utopisch und ist entsprechend umstritten. So wirft man den Antipädagogen etwa vor, dass sie die Fähigkeiten des Kindes überschätzen. Es sei schlichtweg außerstande zu erkennen und zu entscheiden, was das Beste für sich ist, und bedürfe einer gewissen Führung. Gerade dadurch könne man es in seiner Entwicklung fördern. Auch kann das Kind nicht von sich aus die gesellschaftlich akzeptierten Umgangsformen und Regeln erlernen.
Hinzu kommt, dass man im Umgang mit Kindern gar nicht wertfrei und unmethodisch vorgehen kann. Denn erstens steht man als Erwachsener immer wieder vor der Entscheidung, was man dem Kind vermitteln will oder darf, und zweitens erfolgt diese Vermittlung auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Nur weil man vorher nicht angibt, wie man dem Kind etwas beibringt, heißt das noch nicht, dass man dabei keine konkrete Methode anwendet. Die allgemeine Verurteilung der Pädagogik ist also nicht nur ungerecht, sondern auch widersinnig.
Die Kritik an der autoritären Erziehung ist durchaus berechtigt. Allerdings besteht immer auch die Gefahr, ins andere Extrem zu verfallen. Wenn man dem Kind kaum Grenzen setzt beziehungsweise weitgehend auf Anleitungen verzichtet, kann sich das sehr nachteilig auf seine Entwicklung auswirken.
Kommentare
Nanni
am 30. 2011-07-30 2011 um 11:59 Uhr
Liebe Susi
Ich verstehe Deine Bedenken bezüglich der Antipädagogik. Auch mir ist es trotz eingehender Lektüre im Rahmen einer Arbeit noch nicht klar, inwieweit man dem Kind in solchen Extremsituationen (Strasse, etc.) begegnen soll, sodass es auf der einen Seite nicht zum grossen Schaden am Kind bzw. sogar Tod kommt, ihm aber auf der anderen Seite immer noch die freie Wahl gelassen werden kann.
Ich denke, der Ansatz, dem Kind die Entscheidungen selbst zu überlassen, seiner inneren Kraft, die es eindeutig bweispielsweise schon durch das Erlenrnen der Muttersprache zeigt, freien Lauf zu lassen, ist nicht verkehrt. Besonders interessant finde ich auch den Gedanken, dass wir nicht bestimmen sollen, wie das Kind sein Leben zu leben hat. Denn tun wir das nicht in gewisser Weise, wenn wir meinen zu wissen, was für das Kind gut ist und was nicht?
Ich bin auch der Meinung, die Frage, wann das Kind wirklich selbst wissen kann, wie es sich entscheiden will, sodass es sich damit nicht schadet, steht eindeutig im Raum. Aber es stellt sich ebenso die Frage, ob wir überhaupt beurteilen können, dass sich das Kind wirklich damit schadet. Einige Dinge scheinen davon ausgenommen, so wie zum Beispiel der Tod des Kindes, oder eine Schädigung. Aber ist es wirklich so?
Zudem würde mich in Deinem Falle noch interessieren, ob du wirklich aus freien Stücken so sozial geworden bist, oder ob es nicht tief in Dir mit Zwängen, Ängsten etc. aus Deiner Erziehung zusammenhängt. Die Antipädagogik bestreitet nicht, dass ein Mensch gegen aussen hin sozial werden kann, wenn er erzogen worden ist. Aber sie geht davon aus, dass mit Erziehung der Wille des Kindes unterdrückt wird und dass auch Schädigungen durch die Auswirkungen des Machtverhältnisses (vom Erwachsenen gegenüber dem Kind) auftreten können. Dies könnte sich bei Dir eben in deiner sozialen Ader ausgewirkt haben, die "gut zu machen versucht", was Deine Seele in der Erziehung ertragen musste, womit sie nicht zurecht kam. Du bist nun zwar sozial. Aber geschah es aus Deinem eigenen wirklich freien ICH?
Meines Erachtens ist es nicht nötig, dass wir alle gleich zur Antipädagogik, wie sie in reiner Form gedacht ist, übergehen. (Ich bin übrigens der Ansicht, dass Du, liebe Amy, selbst auch nicht rein antipädagogisch vorgehst, aber dass könnte ich wahrscheinlich nur beurteilen, wenn ich Dich im Umgang mit Deinen Kindern erleben könnte.) Was aber sicherlich nicht verkehrt ist, wäre, über das, was wir unseren Kindern für ihr Leben mitgeben wollen, wirklich auch das sein kann, was sie später brauchen, oder ob wir nicht einfach manchmal einsehen müssen, dass wir überhaupt nicht in die Zukunft sehen können, gar nicht sagen können, was eigentlich richtig ist. Die Gesellschaft, die dabei immer alles besser weiss ist dabei leider keine grosse Unterstützung, weil sie uns wieder das Gefühl geben kann, zu wenig Verantwortung für das Kind übernommen zu haben. Dann aber müssen wir uns fragen: Kann jemand mit 100% Sicherheit sagen, dass es besser gekommen wäre, wenn wir dies oder jenes vom Kind gefordert, in es hineingelegt, etc. getan hätten? Nein, denn man kann weder in die Vergangenheit noch Zukunft reisen..
Ich finde diese kleine Diskussion sehr spannend und würde mich freuen, wenn jemand zu meinen Beitrag etwas schreiben würde. Ich bin für alles offen.
Susi
am 24. 2011-02-24 2011 um 21:55 Uhr
Also ehrlich, wenn ich das hier lese, liebe Amy, muss ich dir leider sagen, dass du von Erziehung gar keine Ahnung hast und dir deswegen gar kein Urteil erlauben darfst.
Wie kommt man denn darauf, dass jemand der erzogen wurde ein unsozialer Mensch sei. Ich wurde recht streng erzogen und arbeite heute ehrenamtlich, ich erwarte keinen Dank, kein Lohn, ich möchte einfach nur helfen. Warum ich das tue? Weil ich immer anderen geholfen habe, denn es ist wichtig sozial zu sein, da es Menschen gibt die alleine nun mal nicht klar kommen.
Du setzt deinen Kin keine Regeln? Und wenn es auf die Straße Rennen will, wenn die Ampel rot ist schaust du dann zu wie es überfahren wird. Erlaubst du deinem Kind mit jedem Fremden mitzugehen?
Nur weil man als Kind dahingehend erzogen wurde freundlich zu sein, nicht das Essen durch die Gegend zu werfen und andere Menschen die schwächer sind zu vermöbeln, heust das noch lange nicht, dass man nur eine Marionette ist und zu gehorchen hat. Erziehung heißt dem Kind klar zu machen, dass es gewisse Regeln gibt die wichtig sind um im Leben klar zu kommen, nicht jeder kann machen was er will. Ich würde auch gerne mal einen Mercedes fahren, aber wenn es nicht meiner ist, kann ich ihn nicht einfach klauen. Einige Regeln wie das mit der Ampel und fremden Männern helfen, dass das Kind nicht in gefährliche Situationen kommt. Mein Kind würde auch gerne Schlittschuh laufen sobald Eis auf dem See ist. Doch ich verbiete es, weil ich nicht will, dass sie stirbt. Bin ich deswegen egoistisch? Wenn man alles erlaubt ist man an dem Kind evtl nicht interessiert und an dessen Gesundheit und Überleben.
Regeln sind nicht dazu da das Kind zu erniedrigen oder zu entmündigen, sie sind Richtlinien im vernünftigen Umgang miteinander. Das Kind wird sich trotzdem so entwickeln, wie es in seinem Charakter veranlagt ist, so wird ein hilfsbereiter und sozialer Mensch sich voll dahin entwickeln, egal wie er erzogen wurde.
Doch wie entwickelt sich ein Kind, das immer alles durfte, Horrorfilme mit 9 Jahren, Pornos anschauen mit 11, rauchen mit 12, kiffen mit 14 und sich prostituieren mit 16 Jahren?! Sollte man da nicht vorher klären, was für die Entwicklung des Kindes schädlich ist?
Es bleibt jedem selbst überlassen wie er seine Kinder erzieht und welche Werte er ihnen mit auf den Weg gibt. Aber man sollte immer bedenken, dass es im echten Leben auch Regeln gibt an die man sich zu halten hat, wenn man nicht in den Knast will.
Amy
am 27. 2010-02-27 2010 um 21:24 Uhr
Ich bin per Zufall auf dieses Artikel gestossen und kann einfach nicht glauben, dass man das Thema der Antipädagogik so umstellen kann. Es stimmt schon, dass dass wir Eltern ein Zusammenleben und eine Gleichberechtigung mit Kindern bevorzugen, aus dem einfachen Grund, weil Kinder Menschen sind und als diese die gleichen Rechte hätten als Erwachsene. Im Falle einer Erziehung wird dem Kind gezeigt, dass es im Leben immer und überall Menschen gibt, die Macht haben und Menschen gibt, die unterbuttert werden. Dem mag so stimmen, aber wollen wir solche Menschen erziehen? Erzogene Menschen sind ebenfalls recht selbstsüchtig, die Allgemeinheit jedenfalls ist. Wie soll ein Mensch wirklich lernen auf andere Menschen und Lebewesen Rücksicht zu nehmen, wenn sie es nie erfahren haben, wie es ist, wenn man von anderen respektiert wird? Klar, kann man Menschen manipulieren, dass sie gewisse Dinge aus dem FF können, aber fühlen sie tatsächlich, dass sie jemanden was Gutes tun? Tun sie dies nicht nur, weil sie davon was persönlich rausschlagen können (Geld, Lohn, Lob…) oder weil sie unangenehmes vermeiden (Strafe, Geldabzug…). Vielleicht gibt es tatsächlich Menschen, die erzogen wurden und dennoch anderen was Gutes tun. Was ist wenn nicht, haben sie dann das berühmte schlechte Gewissen? Ein Kind was nicht erzogen wird lernt erst gar nicht, dass es Belohnungen und Lob gibt, sondern lernt aus den Gefühlen von anderen und den eigenen. Wenn man einem Kind etwas Gutes tut, prägt sich dieses Gefühl sehr wohl im Gehirn ein. Warum sollte dann dieses Kind als Erwachsene nicht genauso liebevoll zu anderen sein, einfach, weil sie wollen?
Wie kommt man darauf, dass man keine konkreten Ratschläge erteilt? Ist die Antipädagogik nicht daraus bestimmt, auch authentisch als Mensch zu sein? Wie soll ich authentisch sein, wenn ich das Gefühl habe meinem Kind helfen zu können, in diesem Leben zurecht zu finden, vor allem in einer Gesellschaft wie der unseren. Ich halte mich zurück, aus dem Grund, weil ich das Gefühl habe deren Freiheit einzuschränken? Das wäre ja nicht sehr authentisch? Der Unterschied ist allerdings, dass ich meinen Kinder schon sagen kann und möchte, wie man sich in bestimmten Situationen verhält, allerdings erwarte ich als antipädagogischer Elternteil nicht, dass sie mir gehorchen. Wie auch, wie oben erwähnt behandele ich sie als Menschen nicht als Hunde. Selbst wenn sie Fehler machen, verurteile ich sie nicht und rechtfertige sie nicht. Mach ich das bei Erwachsenen? Nein! Das bedeutet auch nicht, dass ich jedes Mal eingreife, nur ich es wichtig finde. Ich gebe eben Ratschläge. Macht das nicht auch das Hotelpersonal gegenüber Gästen, die sich nicht in der Gegend auskennen? Es gibt aber Situationen, wo man nicht eingreifen braucht, wo aber der erzieherische Elternteil eingreift. Ein Beispiel: Wenn mein e 4jährige Tochter unbedingt ein Computerspiel ab 5 Jahre spielen will. Das ist ihr persönliches Recht, dass hat nichts mit mir noch mit anderen zu tun. Sie überschreitet keine Grenze, weder meine noch andere. Ihre eigene höchstens, aber dazu hat sie ja die Entscheidungsmacht. Selbst, wenn sie frustriert ist, warum sollte man sich einmischen? Darf ich nicht auch mal frustriert sein? Sind Gefühle denn verboten? Das sie deshalb unterdrückt werden müssen? Ich habe sogar bei Erziehern gemerkt, dass sie dem Kind obendrein zum Frust das Spiel noch wegnehmen oder ablenken, wobei man ein 4jähriges Kind nicht mehr ablenken kann. Wozu noch doppelt frustrieren? Meint man echt, dass Kind lernt daraus? Es lernt aber wahrscheinlich nicht das was es sollte. Das Kind wird voraussichtlich denken, dass sie den Eltern egal ist, warum sonst würden sie ihr das noch wegnehmen, anstatt ihr zu helfen oder zu trösten.
Wieso überschätzen wir die Fähigkeiten unserer Kinder? Ich denke eher (und glaube auch, dass andere antipädagogische Eltern dies tun), dass erzieherische Eltern ihre Kinder unterschätzen, um eine Entschuldigung für ihr Machtspiel zu haben und ihren Egoismus. Das mag vielleicht krass klingen, aber wenn man das genauer betrachtet ist dem aber so. Ein Kind kann doch sehr wohl wissen, was ES will und was nicht! Und wenn es einen Wunsch hat zu lernen, dann wird der leider von den meisten Erziehern abgelehnt, weil man sich entweder nicht die Mühe machen will, dem Kind den ordentlichen Umgang zu zeigen oder aber nicht die Mühe machen will, dass Kind zu verstehen. Da werden „schlechtes Benehmen“ (Bockigkeit) als dies abgestempelt statt als das was es wirklich ist. Ein Hilferuf. Aber keiner, dass man Grenzen braucht, sondern eigene Entscheidungsfreiheit. Und anstatt etwas abzulehnen sollte man als Eltern kreativ sein und sich einbringen, in dem man dem Kind sein Wunsch erfüllt. Meistens ist es ja der Wunsch zu lernen, aber das wird vom Erzieher abgelehnt, weil der meint, dass Kind sei zu jung, unreif, klein. Antipädagogische Eltern würden gerade das ihrem Kind zeigen, weil das Kind es möchte und nicht weil es dazu gezwungen wird. Warum sollte man denn Hilfe ablehnen nur, weil wir meinen in die Freiheit unserer Kinder einzugreifen?
Wissen wir als Erwachsene was das Beste für uns ist? Und selbst wenn wir es wissen, wir wissen es erstens nicht genau und zweitens haben wir auch Situationen, wo wir gegen das Beste entscheiden, oder? Und führen wir unsere Kinder nicht? Wir leben doch mit unseren Kindern in einer Gemeinschaft, alleine das benötigt Regeln, die zwar nicht vorgeschrieben sind, aber dennoch indirekt auftauchen. Und um ein friedliches Zusammenleben zu führen, nimmt man Rücksicht auf den anderen. Wie lernen erzogene Kinder Rücksicht auf andere zu nehmen, wenn man ihnen alles vorschreibt? Sind sie dann nicht irgendwann von unserer Meinung abhängig? Oder schlimmer noch, lehnen sie sich dann nicht erst Recht als Jugendlicher dagegen auf, jetzt wo sie es können? Und dann geht’s erst recht schief, weil sie nun mal alles ganz anders machen wollen? Warum dürfen sie denn dann nicht von klein auf? Gerade wo das Interesse noch recht klein ist? Bevor es zu spät ist?
Und warum sollte sie nicht die Umgangsformen lernen? Haben wir als Eltern keine Umgangsformen? Wenn nicht würde ich es verstehen, wenn meine Kinder diese nicht erlernen sollten. Lernen Kinder nicht auch das Laufen alleine und reden im Allgemeinen? Wär ja schlimm wenn nicht, denn sonst würde wir uns ja gar nicht weiterentwickelt haben. Denn in der Zeit der Menschenaffen oder was weiss ich, glaube ich nicht, dass die Mütter Zeit dazu gehabt hätten ihren Kindern bestimmte Dinge beizubringen. Das haben sie sich zum grössten Teil selbst angeeignet, allein schon vom Beobachten heraus. Aber selbst das fällt bei den meisten heutigen Familien weg, weil deren Kinder meistens „abgeschoben“ werden, zum Spielen. Sie werden auch nicht getragen, wobei ein Kind gerade dann die beste Möglichkeit hat zu beobachten und wenn es soweit ist, einfach nach macht. Leider wird vieles nach machen als „böses Verhalten“ betitelt und nicht als Lernprozess. Warum sollen Kinder, die eine sehr starke Bindung zu den Eltern haben, keine Umgangsformen lernen? Nur fällt es schwer zu glauben, dass erzogene Kinder diese Bindung mit den Eltern haben, da sie nicht das Gefühl übermittelt bekommen, bedingungslos geliebt zu werden. Bedingungslose Liebe wäre die Kinder zu lieben ohne das Gefühl zu haben sie mit Manipulation (auch liebevolle Konsequenzen sind Manipulationen) ändern zu müssen (das ist Erziehung!).
Ein Widerspruch wäre ja dann auch, wenn ich denke meinen Kinder Benehmen beibringen müsste, und ich es selber nicht tue. Man scheint echt zu vergessen, dass Kinder mehr Verhalten von Vertrauenspersonen übernehmen als deren Worte zu Herzen nehmen und danach zu handeln. Das würde bedeuten, dass erzieherische Eltern, die schlechtes Benehmen haben, ihren Kinder das eh nicht beibringen könnten. Wenn wir davon ausgehen, wir haben gute Manieren, dann würde das schon wegfallen, das Gefühl zu haben dem Kind das beibringen zu müssen.
Wir bringen unseren Kindern nur dann bei, wenn es von ihnen verlangt wird, oder wir denken, dass es das ist was sie wollen, vor allem bei Kindern, die sich noch nicht so äussern können, wie sie wollen. Oder eben wie oben auch schon erwähnt dem Kind das Leben leichter zu machen, in dem Falle in unserer Gesellschaft. Mehr als dem Kind das zu sagen, können und wollen wir ja nicht. Alles andere liegt an ihm.
Und zum Schluss es gibt auch Grenzen bei Gleichberechtigten Beziehungen. Nur entstehen diese aus der Situation heraus, und werden nicht gesetzt sondern in dem Sinne von dem vermittelt, dessen Grenze überschritten wird. Genauso haben auch Kinder ein Recht den Eltern mitzuteilen, wenn deren Grenzen überschritten worden sind.
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