Kinder als Opfer von Gewalt

Schlagen, das tun nur die anderen

Wie geht man heute mit dem Wort Gewalt und der Ausübung von Gewalt in der Erziehung um? Ist die Erziehung, welche die Beteiligten als gewaltfrei bezeichnen, auch tatsächlich frei von gewalttätigen Züchtigungsmaßnahmen?

Die Grenzen sind verschwommen und jeder definiert sie anders, aber eines ist bei allen gleich: Schlagen, das tun nur die anderen. 


Legitimation von Gewalt

„Ein Klaps ist in Ordnung, aber schlagen darf man Kinder nicht“, dies ist eine weit verbreitete Ansicht unter vielen Eltern. Damit legitimieren sie das eigene Verhalten und sprechen sich gegen Gewalt aus. Sie erfüllen somit die soziale Erwünschtheit und rechtfertigen gleichzeitig das eigene Verhalten, denn das, was man selber tut, ist selbstverständlich kein Anwenden von Gewalt. 


Bedeutung des Wortes Gewalt für Erziehungsberechtigte

Früher wurden Kinder stärker gezüchtigt, das steht außer Frage. Aber heute sind Schläge immer noch weit verbreitet, nur dass sich die Bedeutung des Wortes geändert hat. Das Wort Gewalt trifft nur auf harte Züchtigung zu. Der alltägliche praktizierte Klaps auf den Po, gehört nach der Meinung vieler Eltern nicht dazu.

Selbstverständlich kann man sein Kind bewusstlos prügeln oder ihm nur solche Schmerzen zufügen, die es zum Weinen bringt, aber keine sichtbaren Spuren hinterlässt. Dennoch sträuben sich Eltern, die die Anwendung von physischer Zurechtweisung praktizieren, vehement dagegen, dass das was sie tun, irgendeine Form von Gewalt darstellt. 

Weiterhin kann eine Ohrfeige auch nicht als Gewalt angesehen werden. Aber nur unter der Voraussetzung, dass derjenige, der diese Aussage trifft, selber Ohrfeigen als Erziehungsmittel anwendet. Für andere Personen kann es jedoch ein Ausdruck von Gewalt sein. 

Eine simple Sichtweise: „Alles was ich tue, ist keine Gewalt und in Ordnung“, „Gewalt ist natürlich eine schlimme Sache und gehört nicht in eine Erziehung“. Viele Eltern merken nicht, wie sie mit ihren Worten ihren Taten widersprechen und nur einen Weg gehen, um ihr Handeln zu rechtfertigen. 


Generationenunterschied

Viele ältere Generationen kennen die Prügelstrafe. Früher war die Sicht über die Züchtigung in der Erziehung eine andere als Heute. Es wurde von einem Vater regelrecht erwartet, dass wenn sein Sohn etwas angestellt hat, er jenen übers Knie legt. 

Eltern konnten zugeben, dass sie züchtigen, ohne dabei verständnislos angesehen zu werden. Heute ist die Sichtweise eine andere und Eltern geben daher ungern zu, dass sie Schläge in ihrer Erziehung anwenden.

Das Praktizieren von Züchtigung wird in mildernder Form weiter ausgeübt und durch den Gebrauch von verharmlosenden Worten wie „Klaps“ denken viele Eltern, dass das was sie tun nicht als Schlagen gezählt werden kann und somit in Ordnung geht.

 

Wanda Steinmetz

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